Spiele ohne Fans: Suche nach Wegen aus der Trostlosigkeit

Leere Ränge im Dortmunder Stadion - wie werden Geisterspiele gestaltet?

Coronavirus-Krise: Pläne rund um "Geisterspiele"

Spiele ohne Fans: Suche nach Wegen aus der Trostlosigkeit

Von Chaled Nahar

Ein Erstligist aus Dänemark will vor seinem Stadion ein Autokino veranstalten, um Fans an sogenannten "Geisterspielen" teilhaben zu lassen. Es gibt noch mehr Ideen - doch die Fans werden nicht zu ersetzen sein.

Der FC Midtjylland will bei "Geisterspielen" einen Weg gefunden haben, Fans die Teilnahme rund um das Spiel zu ermöglichen, ohne ins Stadion zu gehen oder in Kontakt zu kommen. Ein Autokino auf den Parkplätzen am Stadion des Klubs soll das Spiel zeigen und den Kommentar ins Auto bringen. Es ist auch ein Versuch, zumindest irgendwelche Zuschauereinnahmen zu generieren, die vielen Klubs derzeit fehlen.

"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das beste Stadionerlebnis zu schaffen", schreibt der Klub in einer Mitteilung. Doch ein Spiel im Autokino wäre wohl höchstens das "bestmögliche Stadionerlebnis".

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Fans fehlen in vielerlei Hinsicht

Eines der wohl schlechtesten Stadionerlebnisse der Bundesligageschichte lieferte das Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Es war das bisher einzige Spiel unter Ausschluss von Fans in der Bundesliga. Am 11. März, als das Spiel stattfand, war noch nicht klar, dass es für lange Zeit das letzte Bundesligaspiel gewesen sein würde. Die Partie demonstrierte aber, wie trostlos solche Spiele im Stadion und vor dem Fernseher sind. Und sie zeigte, welch Faktor die Fans für das Spiel sind: Sie treiben Spieler an, machen das Erlebnis aus - und liefern ein Verkaufsargument für den Profifußball.

Ideen, die Freudlosigkeit leerer Tribünen zu senken und die Attraktivität der Spiele ein wenig zu erhalten, gibt es über das dänische Autokino hinaus nun zahlreiche - für den Fall, dass die Spiele ohne Zuschauer in Kürze überhaupt stattfinden dürfen.

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Trommelroboter, Pappfiguren und Jubel-Apps

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet ohne genaue Quellenangabe von einer App, die Fans zu Hause angeblich das Auslösen von Applaus oder Jubel über die Lautsprecher der Stadien ermöglichen soll. Das Fan-Projekt von Borussia Mönchengladbach bietet den Fans des Klubs an, sich für 19 Euro als Pappfigur im Stadion aufstellen zu lassen. Und die Baseball-Liga in Taiwan experimentiert mit Trommelrobotern auf den Tribünen.

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"bild.de" berichtet derweil, dass der 1. FC Köln plane, eine "Geister-Choreo" durchzuführen. Gemeint ist damit mangels Fans keine Choreographie im eigentlichen Sinne, sondern das Aufhängen von Bannern oder ein allgemeines "Schmücken" des Stadions. Dass aktive Fanszenen oder Ultragruppen diese Idee mittragen, ist zweifelhaft. Die "Fanszenen Deutschlands", in denen sich nicht alle, aber zahlreiche Fanszenen aus dem deutschen Fußball zusammengeschlossen haben, lehnten "Geisterspiele" kürzlich in einer Erklärung mit deutlichen Worten ab.

"Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren", heißt es in dem Text, der von vielen Gruppen verbreitet wurde. Eine Beteiligung an Aktionen wie der "Geister-Choreo" schließt sich bei dieser Haltung wohl aus.

Keller: "Das Herz fehlt"

DFB-Präsident Fritz Keller schrieb in einem Gastbeitrag für den "Kicker": "Wir sind uns sehr bewusst, dass dem Fußball ohne Fans sein Herz fehlt." Gleichzeitig verwies er aber darauf, dass die Spiele ohne Zuschauer finanziell für viele Klubs nötig seien. Auch Carsten Wettich, Vorstandsmitglied des 1. FC Köln, räumte bei einer virtuellen Fanveranstaltung seines Klubs den finanziellen Druck ein, die Spiele austragen zu müssen.

Welche Rahmenbedingungen eventuelle "Geisterspiele" in Köln haben werden, soll dort eine Arbeitsgruppe festlegen. Wettich kündigte aber große Zurückhaltung an, akustische Einspielungen oder Pappfiguren lehnte er für das Kölner Stadion ab. "Eins ist klar: Unsere Fans sind durch nichts zu ersetzen."

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Stand: 19.04.2020, 20:32

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