Bundesliga und DFL einig - bloß keine Sonderrolle beim Impfen

Pfeil zum Impfzentrum

"Der Fußball steht da ganz weit hinten"

Bundesliga und DFL einig - bloß keine Sonderrolle beim Impfen

Von Christian Hornung

Trotz des flächendeckenden Corona-Lockdowns dürfen die Fußballprofis weiter ihrem Beruf nachgehen - was kontroverse Diskussionen auslöst. Auch deshalb wollen Klubs und Verband beim Thema "Impfen" eine Sonderbehandlung unbedingt vermeiden.

Heiko Herrlich hat den Fußball auch schon von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Vor rund 20 Jahren erhielt der heutige Trainer des FC Augsburg eine Diagnose, die sein Leben und seine Denkweise bis heute geprägt hat. Bei Herrlich wurde ein bösartiger Tumor im Mittelhirn festgestellt, der damals 29-jährige Stürmer von Borussia Dortmund überstand die lebensbedrohliche Krebserkrankung nach eigenen Angaben nur durch eine sechswöchige Strahlentherapie.

"Froh sein, dass wir unserer Arbeit nachgehen dürfen"

Augsburgs Trainer Heiko Herrlich

Augsburgs Trainer Heiko Herrlich will seinem Präsidenten wieder besseren Fußball bieten

Wenn Herrlich über die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie spricht, ist er vielleicht auch aufgrund seiner Vorgeschichte weit entfernt von einer Einstellung, die der Branche derzeit mitunter vorgehalten wird: einfach weiterzumachen, auch wenn es die Gesundheit gefährdet. Herrlich sagt: "Gerade wenn man nach links und nach rechts schaut, wie viele Menschen ihren Job verlieren, dann können wir froh sein, dass wir unserer Arbeit nachgehen dürfen."

So äußern sich zurzeit viele seiner Kollegen. Und alle wissen: Wenn es aus dem Fußballbusiness heraus Bestrebungen geben sollte, bei der Verteilung des Impfstoffs bevorzugt zu werden, wäre wohl auch der Rest der gesellschaftlichen Akzeptanz aufgebraucht.

Herrlich spricht diese Bedenken offen an: "Es macht keinen Sinn, dass sich der Fußball da vordrängelt. Wir stehen da weiter hinten, und das ist vollkommen richtig. Jetzt kommen erstmal die alten Menschen dran, dann die Pflegekräfte und die Ärzte, was auch Sinn macht. Wenn es soweit ist, werden wir informiert."

Für Eberl geht um den Zusammenhalt

Gladbachs Manager Max Eberl sagt auf Sportschau-Anfrage dazu: "Die Gesundheit der Gesellschaft steht natürlich über dem Sport, es geht um den Zusammenhalt aller Menschen, um durch diese Pandemie zu kommen. Es ist doch ganz klar, dass wir Fußballer auf keinen Fall bevorzugt werden wollen. Und eine solche Diskussion, die dann entstünde, ist das Letzte, was wir derzeit brauchen können."

Auch Hoffenheims Coach Sebastian Hoeneß stellt klar: "Wir sind sicher solange nicht dran, bevor Menschen an der Reihe sind, die es nötiger haben als wir. Deswegen rechne ich damit, dass es noch dauern wird - und ich möchte da auch keine Sonderbehandlung. Wir haben unser Hygienekonzept, das wir einfach gewissenhaft weiter durchziehen müssen."

Hoeneß zu Corona-Impfungen: "Möchte keine Sonderbehandlung" Sportschau 31.12.2020 00:54 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

"Persönliche Entscheidung jedes Einzelnen"

Gladbach-Trainer Marco Rose fügt hinzu: "Erst kommen ältere Menschen und Menschen in den Pflegeheimen und Krankenhäusern. Wir Fußballer kommen irgendwann im Juni oder Juli. Bei dem Punkt sollten wir uns nicht vordrängeln und haben die Pflicht, gut auf uns aufzupassen." Zudem sei es die "persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, ob er sich impfen lässt oder nicht."

Ob das die Deutsche Fußball-Liga genauso sieht? Oder wird es zu gegebener Zeit Vorgaben der DFL geben? Sportschau fragte beim Verband nach und erhielt als Antwort, dass man sich nicht eingehend zum Thema äußern werde. Stattdessen verwies die DFL darauf, dass "das funktionierende medizinisch-hygienische Konzept der Task Force seit Monaten auch ohne Impfungen der Spieler Grundlage für den Spielbetrieb unter den bekannten besonderen Umständen" sei.

Rose zur Corona-Impfung für die Bundesliga: Nicht vordrängeln Sportschau 31.12.2020 00:27 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Planungen und Gespräche im Hintergrund

Zudem hätten die bundesweiten Impfungen erst kürzlich begonnen und angesichts der klar geregelten Impfstrategie und Priorisierung von Personengruppen erübrige sich ein kurzfristiger Bezug zum Fußball.

Im Hintergrund gibt es in Frankfurt aber natürlich längst Gespräche zum Thema Impfen - der Profis und auch der Fans. Allerdings ist davon auszugehen, dass beispielsweise eine ligaweite Impf-Vorschrift rechtlich niemals haltbar wäre, wenn es dafür - und dies hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mehrfach ausgeschlossen - keine gesetzliche Grundlage gibt.

Serie A will geimpfte Fans in die Stadien zurückholen

Dennoch wird von Seiten der DFL intensiv beobachtet, wie andere Fußball-Verbände in Europa mit der Lage umgehen. Vorgeprescht ist jetzt bereits die italienische Serie A: Sie hofft auf die Wiederöffnung der Fußball-Stadien für Fans, die gegen das Coronavirus geimpft sind. Serie-A-Präsident Paolo Dal Pino sagt dazu im Interview mit "Rai Radio 1": "Dies wäre ein wichtiger Schritt, um die Arenen wiederzubeleben."

Dal Pino kritisierte, dass die Liga der Regierung bereits vor Wochen ein 300-seitiges Dossier mit Maßnahmen vorgelegt habe, damit mindestens 30 Prozent der Zuschauer bei Spielen zugelassen werden können. Die Liga habe jedoch keine Antwort erhalten: "Ich glaube, dass niemand ein so umfangreiches Dokument für den Neustart von Events in absoluter Sicherheit vorgelegt hat."

"Halten uns an die Anweisungen der Regierung"

Er wies auf die akuten finanziellen Schwierigkeiten für die Vereine durch den Zuschauerausschluss hin. Auf 600 Millionen Euro beziffert er die Verluste der Klubs seit Beginn der Corona-Pandemie. Zum Thema Covid-19-Impfungen für die Spieler sagte Dal Pino: "Wir halten uns an die Anweisungen der Regierung." Das sieht die DFL nicht anders.

Stand: 04.01.2021, 15:55

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