Fans des VfB Stuttgart im Stadion

Fußball Die Bundesliga ringt weiter um Fans

Stand: 19.08.2021 17:23 Uhr

In der Fußball-Bundesliga sind Fans wieder teilweise erlaubt, dennoch waren zum Start vier Stadien nicht ausverkauft. Ob das am zweiten Spieltag anders wird, ist fraglich. Über die Gründe der Zurückhaltung.

Von Christian Hoch, Marcus Bark

Zum Start der Fußball-Bundesliga am vergangenen Wochenende war die Euphorie bei den Klubs groß. Nach langer Wartezeit durften endlich wieder Zuschauer in die Stadien. Doch trotz reduzierter Kapazitäten hatten einige Vereine Probleme, die Karten zu verkaufen. Und wer dachte, die monatelang pandemiebedingt ausgeschlossenen Fans würden den Klubs die Türe einrennen, der wurde enttäuscht.

Teilweise wurde die maximal erlaubte Auslastung nicht erreicht. So blieben in Wolfsburg 4.219 Plätze frei, es waren nur 67 Prozent der zugelassenen Tickets verkauft worden. Stuttgart blieb auf 4.392 Karten sitzen, Mainz auf 3.000 und Augsburg auf 1.576. Dabei setzten die meisten Klubs auf das 3G-Modell und ließen nicht nur geimpfte und genesene Zuschauer rein, sondern auch negativ getestete.

Auslastung Bundesliga am 1. Spieltag
Spielort Kapazität Zuschauer Auslastung in Prozent
Dortmund 25.000 25.000 100
Mönchengladbach 22.925 22.925 100
Köln 16.500 16.500 100
Bielefeld 13.750 13.750 100
Berlin (Union) 11.006 11.006 100
Augsburg 10.700 9.124 85
Mainz 13.500 10.500 78
Stuttgart 23.500 18.109 77
Wolfsburg 12.755 8.536 67

Fans händeringend gesucht

Ob es am zweiten Spieltag besser wird, ist fraglich. So hat RB Leipzig zahlreiche Tickets für das erste Heimspiel der Saison am Freitag (20.08.2021) in den freien Vorverkauf gegeben. Das liegt daran, dass die 31.000 Dauerkarteninhaber, Fanklub-Mitglieder und Vielfahrer ihr Vorverkaufsrecht nicht wahrgenommen haben. Gegen den VfB Stuttgart dürfen 23.500 Fans ins Stadion. Am Mittwoch waren aber noch 3.000 Karten zu haben.

Sportschau, 19.08.2021 17:12 Uhr

Der Klub nennt als Gründe dafür die Ferienzeit in Sachsen, pandemiebedingte Einschränkungen und Auflagen sowie die Neuerung, dass Eintrittskarten nur noch über eine spezielle Ticket-App zu erwerben sind. Dazu seien die noch verfügbaren Karten mit einem Preis zwischen 40 und 67 Euro für Vollzahler nicht gerade günstig. Gästefans sind nicht zugelassen.

Ultras: Ganz oder gar nicht

Weiterhin müssen die Fans strikte Hygienevorschriften befolgen. Es gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln, Stehplätze sind nicht erlaubt. Das lehnen vor allem einige Ultragruppierungen ab. Für sie ist es elementar, eng beieinander zu stehen, zu singen und ihr Team anzufeuern. Vielerorts blieben die Ultras den Partien deshalb geschlossen fern, nirgends organisierten sie ihren gewohnten Support. So hatten die Spiele vom Wochenende teilweise immer noch wenig mit der gewohnten Stadionatmosphäre zu tun.

Mögliche Auslastung am 2. Spieltag
Spielort Kapazität
Leipzig 23.500
Frankfurt 25.000
Freiburg 10.000
Berlin (Hertha) 25.000
Bochum 13.500
Fürth 8.300
Leverkusen 15.105
Sinsheim 15.075
München 20.000

Planung erforderlich

Wer dennoch kommt, muss gut vorbereitet sein. Zum Beispiel in Berlin. Hertha BSC weist vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg darauf hin, dass alle Nachweise über Impfungen oder Tests in digitaler Form mitzubringen sind. Das heißt: Die klassischen gelben Impfbücher werden nicht akzeptiert. Auch Covid-Teststationen stehen am Olympiastadion nicht zur Verfügung - entsprechende Tests müssen also vorher in Eigenregie organisiert werden. Auch das könnte einige Zuschauer abschrecken, genau wie die Berliner Auftaktpleite in Köln und ein Gegner, der bei den Fans gemeinhin als nicht sonderlich attraktiv gilt.

Noch 10.000 Karten für Hertha-Spiel

So gibt es auch bei der Hertha noch 10.000 Tickets für das Spiel gegen die "Wölfe". Manager Fredi Bobic versteht das sogar. "Es gibt schon einen Drang, ins Stadion zu wollen. Dass der eine oder andere aber erstmal anschauen will, wie es funktioniert, das ist etwas ganz Normales", sagte Bobic. Gleiches stelle er auch selbst bei möglichen Kinobesuchen fest. Es sei normal, "sich nicht ganz so sicher zu sein." Man müsse berücksichtigen und verstehen, "dass einige Menschen ein bisschen vorsichtig sind", sagte auch Sportdirektor Arne Friedrich: "Wir freuen uns über jeden Einzelnen."

Infektionszahlen steigen

Noch problematischer könnten die aktuell wieder steigenden Infektionszahlen werden. Das RKI hat am Donnerstag 8.400 Neuinfektionen gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 44,2. So hat etwa die Stadt Leverkusen aktuell die höchste Corona-Inzidenz Deutschlands. Der Wert hat sich laut Robert-Koch-Institut innerhalb von nur einer Woche mehr als verdoppelt und liegt bei rund 125. Das Gesundheitsamt spricht von einem "diffusen Infektionsgeschehen". Am Sonntag steht für Bayer 04 das Westduell gegen Borussia Mönchengladbach an. Der Werksklub lässt nur noch Fans ins Stadion, die entweder geimpft oder genesen sind.

Wegen der steigenden Zahlen steigt auch die Unsicherheit. Celina Hahnelt tastet sich mit dem Besuch des öffentlichen Trainings des 1. FC Köln mit rund 400 Besucherinnen und Besuchern langsam heran. "Ich gehe an die Sache noch vorsichtig und mit etwas Distanz heran. Ein Stadionbesuch kommt für mich noch nicht infrage, weil ich zu große Angst hätte, mich anzustecken. Ich kenne Freunde, die sich trotz zweifacher Impfung mit Covid angesteckt haben", sagte sie im Sportschau-Gespräch. Frauke Medri ist ebenfalls Fan der Kölner, ist aber anderer Meinung dank der 3G-Regelung: "Dadurch haben wir eine Sicherheit. Ich würde auf jeden Fall ins Stadion gehen und sage: 'Macht die Stadien wieder voll.'"