Amateurfußball - DFB bedrängt Politik aus Sorge um die Vereine

 Vereinsgelände SV Altwiedermus

Umfrage des DFB

Amateurfußball - DFB bedrängt Politik aus Sorge um die Vereine

Von Marcus Bark

Im deutschen Amateurfußball ist die Sorge groß, dass nach Corona weniger Jungen und Mädchen den Weg in die Vereine finden. Zudem ist laut einer großen Umfrage des DFB bei vielen Vereinen die finanzielle Situation "existenzbedrohend".

Die Hygienekonzepte passen, die Spieler, Trainer und Eltern werden nach den Öffnungen auch wieder auf den Fußballplatz zurückkehren. Das sind die für den deutschen Fußball beruhigenden Ergebnisse einer Studie, die Fritz Keller als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und sein Stellvertreter Rainer Koch am Montag (08.03.2021) vorstellten.

Den beiden Funktionären ging es aber hauptsächlich darum, in teilweise harschem Ton an die Politik zu appellieren, Amateurfußballer wieder trainieren und spielen zu lassen. "Die Fußballer und Fußballerinnen wollen zurück auf den Platz. Die Sehnsucht ist riesig", so Präsident Keller, der den Schlüssel in einer ausgeweiteten Teststrategie sah. Auch bei der Erarbeitung nahm er die Politik in die Pflicht. "Der organisierte Fußball kann, wenn er darf, zur Normalisierung beitragen", fuhr Keller fort, ohne die Unterstützung des Verbandes zu konkretisieren.

DFB-Präsident Keller: "Der Fußball kann zur Normalisierung beitragen" Sportschau 08.03.2021 01:24 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 Das Erste

"Amateurfußball ist kein pandemisches Problem, sondern Teil der Lösung", sagte Koch, der im Verband für die Amateure zuständig ist.

DFB-Vizepräsident Koch: "Wir sind gewiss nicht Teil des Problems" Sportschau 08.03.2021 02:16 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 Das Erste

Bedrohliche Lage

Grundlage der Erkenntnisse war eine digitale Umfrage vom 19. bis 27. Februar unter Mitgliedern der Vereine von 21 Landesverbänden, die wiederum im DFB zusammengeschlossen sind. "Wie geht es dem Amateurfußball in Deutschland tatsächlich?", lautete die übergeordntete Frage, die knapp 102.000 Teilnehmer im Alter von 14 Jahren aufwärts beantworteten, darunter 17 Prozent Teilnehmerinnen.

Beim Thema Geld ist die aktuelle Lage für viele Klubs bedrohlich. Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Coronakrise auf die finanzielle Situation des Vereins ausgewirkt habe. Unter diesen sprechen wiederum 18 Prozent von einer "existenzbedrohenden finanziellen Belastung", 79 Prozent immerhin von einer "spürbaren finanziellen Belastung".

Koch sagte: "Das an vielen Stellen prognostizierte Untergangsszenario gibt es für den Amateurfußball nicht, noch nicht. Klar ist aber auch: Der Basisfußball ist gezeichnet von der Corona-Krise. Es wird von Woche zu Woche schlimmer. Die Situation spitzt sich zu." Schlussfolgerung des DFB: Sobald wieder gespielt werden könne, bessere sich die Lage zwangsläufig. Direkte finanzielle Hilfe sei schon allein aus vereinsrechtlichen Gründen nicht möglich, außerdem wäre sie bei den zur Verfügung stehenden Mitteln nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Fehlende Einnahmen aus Eintritt und dem Verkauf von Speisen und Getränken belasten die Vereine in ähnlich hohem Maß wie fehlende Einnahmen aus Vereinsveranstaltungen, also vor allem Turnieren.

Es droht auch ein quantitatives Problem

Besorgniserregend sind in der Studie auch die Werte bei der Frage, vor welchen großen Herausforderungen die etwa 24.500 Fußballvereine standen und stehen werden. Bei der "finanziellen Situation" ging es von 24 Prozent vor Corona auf 38 Prozent hoch. Bei der Anzahl von Jugendspielern stieg der Wert von 28 auf 42 Prozent.

Damit könnte dem deutschen Fußball außer dem qualitativen Problem mit weniger außergewöhnlichen Talenten, das er mit dem "Projekt Zukunft" angehen will, auch ein quantitatives drohen.

Die Gefahr, dass der Amateurfußball nach dem Ende der Pandemie viele Mitglieder verlieren wird, ist laut der Umfrage gering. Jeweils deutlich mehr als 90 Prozent gaben unterteilt nach Spielern, Trainern, Vereinsmitarbeitern, Schiedsrichtern und Eltern an, dass sie wieder ins Vereinsleben zurückkehrten, wenn es denn möglich sei. Keller wertete dies als "klares Signal", dass die Plätze schnell wieder geöffnet werden müssten.

Die Politik hatte am Mittwoch (03.03.2021) einige Lockerungen beschlossen. Sie sind gelten auch für den Sport. Spiele im Amateurfußball sind aber frühestens ab dem 22. März und bei einem Inzidenzwert möglich, der wahrscheinlich bis dahin nciht erreicht werden wird.

Coronajahr kostet Mitglieder

Das Coronajahr hat den Fußballvereinen schon etliche Mitglieder gekostet. Dass die Zahl der Austritte "spürbar gestiegen" sei, sagten 22 Prozent der Teilnehmer. Es sei davon auszugehen, dass in den betroffenen Vereinen "zehn bis 30 Mitglieder" ausgetreten seien. Genau Zahlen habe der DFB nicht.

Bei 35 Prozent der Umfrageteilnehmer blieb es aus mangelnder Kenntnis offen, ob es zu einem Mitgliederschwund gekommen sei. Nur 43 Prozent sagten, dass "kein spürbarer Unterschied zu den Vorjahren" festzustellen gewesen sei.

Gemeinschaftsgefühl wird sehr vermisst

Noch mehr als "das Fußballspielen" (68 Prozent) wurde unter den Teilnehmern "die Gemeinschaft/das Gemeinschaftsgefühl" vermisst. Das Drumherum eines Sportplatzbesuches mit Diskussionen über den Bundesligaspieltag und die Nationalmannschaft, die Fortsetzung des Spiels im Vereinsheim, die Gespräche in der Kabine über neue Serien und Computerspiele, all das fehlt.

Die vom DFB schon zuvor mit Nachdruck geäußerte Forderung an die Politik, möglichst schnell wieder den Spiel- und Trainingsbetrieb zu ermöglichen, dürften die meisten Teilnehmer der Umfrage unterstützen. Die Sorge, dass sich Spieler und Zuschauer auf dem Sportplatz mit dem Coronavirus infizieren, wird als gering eingeschätzt. Unter den Eltern sind es nur acht Prozent, die eine Infektion auf dem Spielfeld fürchten, "außerhalb des Spielfelds" sind es 14 Prozent.

Das eindeutigste Ergebnis der gesamten Studie gab es wenig überraschend auf die allgemein gehaltene Frage: "Vermisst du den Amateurfußball?" Darauf antworteten 98 Prozent mit "Ja".

Stand: 08.03.2021, 17:58

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