"Elektrisierend" bis "verantwortungslos" - Texas Rangers starten Saison vor Zuschauern

Fans auf der Tribüne beim Spiel der Texas Rangers am 05.04.2021

Major League Baseball

"Elektrisierend" bis "verantwortungslos" - Texas Rangers starten Saison vor Zuschauern

Von Heiko Oldörp

Erstmals seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hat es in den USA wieder ein volles Stadion gegeben. Zum ersten Heimspiel der Texas Rangers in der Major League Baseball kamen mehr als 38.000 Fans - das Echo ist geteilt.

Es sind ungewohnte Bilder, die da am Montag (05.04.2021) aus Texas zu sehen sind. Ein volles Stadion beim ersten Heimspiel der Texas Rangers in der Major League Baseball gegen die Toronto Blue Jays. Zuschauer dicht gedrängt - das gab es im US-amerikanischen Profisport zuletzt am 11. März 2020, ehe Covid-19 alles komplett zum Erliegen brachte.

390 Tage, mehr als 30 Millionen positiver Covid-Fälle und über eine halbe Million Covid-Tote in den USA später (Quelle: Johns Hopkins University) stehen zehntausende Fans vor den Eingangstoren des Globe Life Field in Arlington, knapp 30 Kilometer westlich von Dallas.

Der republikanische Gouverneur Greg Abbott hatte es möglich gemacht und am 2. März die Aufhebung der Maskenpflicht sowie der Kapazitätsgrenzen für Restaruants und andere Unternehmen bekanntgegeben. "Jetzt ist die Zeit, Texas 100 Prozent zu öffnen", betonte er.

Fans in den Testspielen noch zögerlich

Die Texas Rangers teilten daraufhin umgehend mit, ihre letzten beiden Vorbereitungsspiele Ende März und die erste Heimpartie der neuen Saison, mit "100 Prozent Kapazität" bestreiten zu wollen. In den Tests waren die Fans noch zögerlich gewesen, gegen die Milwaukee Brewers waren 12.911 und 10.859 Anhänger gekommen. Am Montag pilgerten dann aber zum "home opener" 38.238 Zuschauer in den Ballpark, der 40.158 Fans Platz bietet.

Endlich kein Hallen mehr und auch keine Echos in einer fast leeren Arena, wie noch im Vorjahr, als alle 30 Rangers-Heimspiele ohne Zuschauer stattfinden mussten. Stattdessen Raunen, Kreischen, Jubeln, Jammern - in einer Lautstärke, die es eben seit fast 13 Monaten in keinem nordamerikanischen Stadion mehr gegeben hatte.

"Es hat sich wie ein richtiges Spiel angefühlt. Wie in den alten Tagen mit voller Auslastung. Großartig, elektrisierend", sagte Rangers-Trainer Chris Woodward nach der 2:6-Niederlage.

Liga-Boss hofft auf volle Arenen im Sommer

Die MLB ist die erste Liga in Nordamerika, die wieder Zuschauer in allen Stadien erlaubt. Eine Ausnahme bilden die Toronto Blue Jays. Kanadas einziges Team in der stärksten Baseball-Liga der Welt muss wegen der geschlossenen Grenze zu den USA seine Heimspiele in Dunedin im Bundesstaat Florida austragen. Dort bestreiten die Blue Jays jedes Jahr die Saisonvorbereitung.

Wie voll die Stadien der 30 Klubs werden, hängt von den Vorgaben der Gesundheitsämter in den jeweiligen Bundesstaaten oder Städten ab. Liga-Commissioner Rob Manfred hatte gegenüber der "Associated Press" vergangene Woche die Hoffnung geäußert, dass Fans "im Hochsommer in allen Arenen uneingeschränkten Zugang haben werden."

Doch das beinahe volle Stadion in Texas bleibt die Ausnahme - vorerst werden leere Sitzschalen überwiegen. Bei den Boston Red Sox ist eine Kapazität von zwölf Prozent erlaubt - so wenig wie in keinem anderen Ballpark. Meister Los Angeles Dodgers darf 20 Prozent der Ränge füllen, Vorjahresfinalist Tampa Bay Rays 36 Prozent.

Trotz Kritik: US-Baseball-Liga startet vor Publikum in New York

Sportschau 01.04.2021 01:16 Min. Verfügbar bis 01.04.2022 ARD Von Peter Mücke


Biden bezeichnet Rangers-Vorhaben als Fehler

"Endlich eine Dosis von Normalität - und es hat sich noch nie so gut angefühlt", hieß es in der Saisonvorschau der "USA Today" angesichts der offenen Stadiontore. US-Präsident Joe Biden klang weniger begeistert. Gegenüber "ESPN" hatte er das Vorhaben der Rangers als "Fehler" bezeichnet. "Es ist eine Entscheidung, die sie getroffen haben. Ich denke, sie ist verantwortungslos", so Biden.

Zwar werden in den USA derzeit im Schnitt täglich mehr als drei Millionen Menschen geimpft und in Nordtexas sind die Zahlen bei Coronafälle und Krankenhauseinweisungen seit Wochen rückläufig. Dennoch hält auch Dr. Phillip Huang, Direktor für Gesundheitspflege und soziale Dienste in Dallas County, große Menschenansammlungen für falsch. "Es ist zu früh dafür. Und je mehr wir davon haben, desto größer ist die Möglichkeit, dass sich das Virus verbreitet", warnt Huang.

Kaum Masken und Abstände

Den Fans schienen derlei Bedenken egal. Zwar wiesen die Rangers auf ihrer Internetseite darauf hin, dass im Stadion ein Mundschutz erforderlich sei und dieser nur zum Essen oder Trinken abgenommen werden dürfe. Zudem waren in der Arena zahlreiche Schilder angebracht, mit der Bitte, Maske zu tragen. Viele Anhänger ignorierten dies jedoch. Sie hatten den Mundschutz locker um den Hals hängen, am Kinn - oder sogar schlichtweg ganz darauf verzichtet.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Und die Lautsprecher-Durchsagen, mit denen immer wieder aufs "Social Distancing" aufmerksam gemacht wurde, verhallten weitgehend ungehört. Wie sollen auch 38.238 Zuschauer die Sicherheitsabstände von zwei Metern in einer Arena einhalten, die für 40.158 Zuschauer zugelassen ist?

Fünf Coronafälle bei den Washington Nationals

Das Covid der Zuschauer-Renaissance in Texas zum Trotz noch immer präsent ist, erfuhr man bei den Washington Nationals. Nachdem vier Spieler und ein Mitarbeiter positiv getestet wurden, mussten alle bisherigen vier Partien der Nationals verschoben werden. Das Team aus der US-Hauptstadt ist somit das einzige ohne ein Saisonspiel.

Stand: 06.04.2021, 09:21

Darstellung: