Der "Streif"-Check - wer sind die Kitzbühel-Favoriten?

Schwarze Silhouette vom gehockten Skifahrer vor weißer Winterlandschaft

Ski-alpin-Weltcup

Der "Streif"-Check - wer sind die Kitzbühel-Favoriten?

Von Bernd Eberwein

Der doppelte Skiklassiker: In Kitzbühel finden am Wochenende gleich zwei Abfahrten auf der legendären "Streif" statt. Wer sind die Favoriten, wer kann für Überraschungen sorgen, wie stark ist das deutsche Team? Der Kitzbühel-Check der Sportschau.


Aleksander Aamodt Kilde, nach drei Saisonabfahrten die Nummer eins im Disziplinenweltcup, verpasst mit einem Kreuzbandriss den Rest des Skiwinters. Beim Speed-Wochenende zum 90. Geburtstag der Kitzbüheler Hahnenkammrennen mit zwei Abfahrten und dem Super-G geht es also nicht nur um Siege in den prestigeträchtigen Rennen.

Gesucht wird auch ein neuer Führender im Abfahrtsweltcup. Der Favoritencheck der Sportschau und die Chancen der besten Fahrer des Deutschen Skiverbands (DSV) für die beiden Abfahrten am Freitag (22.01.21) und Samstag.

Der Rekordjäger: Dominik Paris (Italien)

Dominik Paris

Dominik Paris

So richtig rund läuft es beim Südtiroler Dominik Paris nach Kreuzbandriss im Januar mit anschließender Zwangspause noch nicht. 10, 15, 4 - das sind die Platzierungen in den bisherigen Saisonabfahrten von Val d'Isère, Gröden und Bormio, wo er nur knapp am Podest vorbeiraste. Dort scheint er allerdings endlich wieder sein Skigefühl gefunden zu haben. "Ich habe auf den Tag gewartet, an dem es wieder Spaß macht, sich den Hang hinunterzustürzen", sagte Paris nach dem Rennen auf der "Stelvio".

In Kitzbühel muss man Paris ohnehin immer zum Favoritenkreis zählen. Drei Mal gewann er bereits die Abfahrt, einmal den Super-G, insgesamt sechs Mal stand er auf dem Podest. Paris ist auf dem Weg, irgendwann zu Legenden wie Franz Klammer und Didier Cuche aufzuschließen. Klammer gewann vier Mal die "Streif"-Abfahrt, Cuche hält mit sechs Triumphen insgesamt (fünf Mal Abfahrt, einmal Super-G) die Bestmarke.

Beat Feuz (Schweiz) - kein "ewiger Zweiter" mehr?

Beat Feuz

Beat Feuz

Der Routinier aus dem Kanton Bern fährt seit 2006 im Weltcup. 13 Weltcupsiege, davon zehn in der Abfahrt, drei Mal gewann er den Abfahrtsweltcup, 2017 war er Abfahrtsweltmeister in St. Moritz - die Liste seiner Erfolge ist lang. Allerdings: Feuz gewann zwar schon Abfahrts- und Super-G-Klassiker in Wengen und Gröden. Nur ein Sieg auf der "Streif" blieb ihm bisher verwehrt.

Feuz haftet schon leicht der Stempel des "ewigen Zweiten" an. In Kitzbühel schrammte er schon einige Male nur ganz knapp am Sieg vorbei. Zuletzt 2019. Da musste er sich hinter Dominik Paris einreihen. Ein Jahr zuvor, 2018, schnappte ihm ein frecher Bursche aus Bayern den schon sicher geglaubten Sieg weg: Thomas Dreßen.

Zum Favoritenkreis muss man ihn trotzdem zählen. Denn so gut wie der 33-jährige Feuz kennt kaum ein Starter die Tücken der "Streif". Die Wettbüros sehen's genauso: Neben Paris ist er der Topfavorit auf einen "Kitz"-Sieg 2021.

Der Titelverteidiger: Matthias Mayer (Österreich)

Matthias Mayer

Matthias Mayer

Keine Favoritenliste ohne amtierenden Champion, auch wenn die Titelverteidigung in Kitzbühel in 90 Jahren überhaupt erst sieben Fahrern glückte, zuletzt Didier Cuche 2012. Doppel-Olympiasieger Matthias Mayer ist dies aber durchaus zuzutrauen. Der 30-Jährige Sieger des vergangenen Jahres ist mit den Plätzen acht und zehn in die Saison gestartet und gewann zuletzt den Klassiker in Bormio. Im Abfahrtsweltcup steht er auf Platz zwei hinter dem verletzten Kilde.

Mayer peilt in Kitzbühel also nicht nur die Titelverteidigung an, sondern auch die Führung im Disziplinenweltcup. Drei Speedrennen an drei Tagen nötigen in Sachen Kräfteverschleiß zwar auch den Topsportlern Respekt ab. Aber Mayer startet selbstbewusst: "Ich bin topfit. Ich bin körperlich fit, meine Knochen sind fit, meine Lunge ist fit, ich bin befreit."

Eine Rechnung offen: Vincent Kriechmayr (Österreich)

Vincent Kriechmayr

Vincent Kriechmayr

Vincent Kriechmayr reist mit der Empfehlung von Platz zwei in Bormio nach Kitzbühel. Mit der Abfahrtsstrecke in Tirol hat er noch einige Rechnungen offen. 2018 vergab er, auf Bestzeitkurs unterwegs, den Sieg in der Traverse. 2019 konnte er die "Streif" überhaupt nicht bändigen und schied aus, im vergangenen Winter dann ein starker zweiter Platz hinter Mayer.

"Ich habe hier runter schon einige Rennen verschenkt, aber letztes Jahr war ein Signal nach oben", blickt Kriechmayr zurück. Der 29-Jährige ist heiß, dass er diesmal die "1" auf der Anzeigetafel erblickt, wenn er in den Zielraum fährt.

Die Wundertüte: Urs Kryenbühl (Schweiz)

Urs Kryenbühl

Urs Kryenbühl

Nein, eigentlich sollte man Urs Kryenbühl gar nicht zu den Favoriten zählen. In sechs Weltcupjahren, dazwischen immer wieder Europacup- und FIS-Rennen, fuhr er gerade drei Mal aufs Podest. Ein Sieg steht noch nicht in seiner Vita.

Aber bei Kryenbühl scheint derzeit - vor allem dank neuem Konditionstrainer - nichts mehr unmöglich. Als "schlampiges Genie" wurde er schon von seinen Trainern bezeichnet. Seit sich aber der frühere Schweizer Bobpilot Jürgen Loacker um die Fitness des 26-Jährigen kümmert, ist der plötzlich ein Podestkandidat.

Dritter in Val d'Isère, Dritter in Bormio, dazwischen allerdings nur Platz 24 in Gröden - im Abfahrtsweltcup steht er vor Kitzbühel trotzdem vor seinem erfolgsverwöhnten Landsmann Feuz auf Platz vier. Kryenbühl - auf der "Streif" auf jeden Fall ein Kandidat für eine Überraschung.

Die Spätzünder: Ryan Cochran-Siegle (USA) und Martin Cater (Slowenien)

Ryan Cochran-Siegle (links) und Martin Cater

Ryan Cochran-Siegle (links) und Martin Cater

Seit 2011 ist Ryan Cochran-Siegle im Weltcup unterwegs, Martin Cater seit 2013. Cochran-Siegle war 2012 sogar Junioren-Weltmeister in der Abfahrt. Beide zählten aber jahrelang nicht einmal zu sicheren Top-Ten-Fahrern.

Die Initialzündung in der aktuellen Saison: Cater gewann überraschend die Abfahrt in Val d'Isère zum Saisonauftakt und feierte den ersten Weltcupsieg seiner Karriere. Cochran-Siegle wurde Zweiter in der Abfahrt von Gröden, sein erster Weltcupsieg folgte zehn Tage später im Super-G von Bormio.

Im Abfahrtsweltcup liegen Cater und Cochran-Siegle auf den Plätzen sechs und drei. Mitfavoriten für Kitzbühel also? Das Beispiel Thomas Dreßen zeigt, wie sehr der erste Weltcupsieg der Karriere beflügeln kann. In die Kategorie "Die aussichtsreichsten Außenseiter" sollte man Cater und Cochran-Siegle in Kitzbühel auf jeden Fall packen.

Die deutschen Hoffnungsträger: Romed Baumann und Andreas Sander

Romed Baumann (links) und Andreas Sander

Romed Baumann (links) und Andreas Sander

Wer denkt, dass im deutschen Speedteam nach der Verletzung von Thomas Dreßen nicht viel möglich ist, irrt gewaltig. Routinier Romed Baumann, aufgewachsen nahe Kitzbühel in Hochfilzen, und Andreas Sander zeigten in den ersten Saisonabfahrten mit Top-Ten-Plätzen, dass die Weltspitze nicht weit entfernt ist. Im vergangenen Jahr sorgten beide auf den Rängen sieben und elf für die deutschen Top-Platzierungen in der Kitzbühel-Abfahrt.

Das Team des Deutschen Skiverbands (DSV) nutzte den Wegfall des Wengen-Wochenendes für Trainingseinheiten in Garmisch-Partenkirchen und im österreichischen Hinterreit. "Aktuell fühle ich mich sehr fit und bereit für die nächsten Wochenenden mit Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen. Ich hoffe, die Fortschritte der vergangenen Trainingseinheiten auch in den Rennen zeigen zu können", sagt Sander dosiert optimistisch. Aber warum sollte einer der DSV-Starter nicht wie Dreßen 2018 für eine Überraschung sorgen?

Das DSV-Aufgebot für die Rennen in Kitzbühel

Romed Baumann, Josef Ferstl, Simon Jocher, Andreas Sander, Manuel Schmid, Dominik Schwaiger

Zeitplan 81. Hahnenkammrennen
TagZeitWettbewerb
22. Januar11.30 UhrAbfahrt (Ersatz für Wengen)
23. Januar11.30 UhrAbfahrt
24. Januar10.20 UhrSuper-G

Rückblick: Die Abfahrt 2020 in voller Länge

Stand: 20.01.2021, 15:43

Ski Alpin | Weltcupstand Damen

NamePkt
1.Lara Gut-Behrami1227
2.Petra Vlhová1040
3.Michelle Gisin892
4.Marta Bassino790
5.Federica Brignone759

Ski Alpin | Weltcupstand Herren

NamePkt
1.Alexis Pinturault1034
2.Marco Odermatt824
3.Marco Schwarz718
4.Loic Meillard630
5.Matthias Mayer604
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