Fans beim Eisschnelllauf in Heerenveen

Eisschnelllauf | Heerenveen Vorfreude auf volle Oranje-Halle, aber Blick Richtung Olympia 2026

Stand: 11.03.2022 14:48 Uhr

Null Medaillen bei Olympia, null Medaillen bei der WM: Die deutschen Eisschnellläufer blicken auf eine mittelprächtige Saison zurück. Auch deshalb denken sie im Verband weit übers Abschlusswochenende im wilden Heerenveen hinaus.

Von Johannes Kirchmeier

Heerenveen, die Gemeinde in den Niederlanden, ist einer der Sehnsuchtsorte für die Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer. Eine ganze Halle in Orange sorgt jedes Jahr für beste Stimmung im Weltcup-Winter. Die Niederlande, das dürfte mittlerweile allseits bekannt sein, ist die vielleicht Eisschnelllauf-verrückteste Nation der Welt.

Doch im vergangenen Jahr war da bekanntlich eine Pandemie, in der es noch an Impfstoff mangelte, und die war noch ein deutlich bestimmenderes Thema. Nix war's also mit dem vollen Oranje-Eisstadion Thialf - benannt nach Thialfi, einem Diener des Gottes Thor in der nordischen Mythologie.

Das ändert sich nun, wenn am Wochenende der letzte Weltcup-Halt dieses Winters in Heerenveen ansteht: "Die Läuferinnen und Läufer freuen sich auf ein volles Haus im Thialf-Stadion", schreibt der Internationale Eislaufverband ISU auf seiner Webseite.

Olympia erneut ohne deutsche Medaillen

Saison-Abschluss, das heißt auch Bilanz ziehen - und aus deutscher Sicht fällt die nicht sonderlich positiv aus. Im Gegenteil: Sie ist einigermaßen ernüchternd. Die einstige Top-Nation ist mittlerweile im Mittelfeld der Welt angesiedelt - und das nicht erst seit dieser Saison.

Im Verband fand deshalb ein Umbruch statt. Strukturen wurden verändert. Dass diese nicht sofort fruchten würden, hatte die DESG-Spitze befürchtet. Sportdirektorin Nadine Seidenglanz blickt deshalb nicht gänzlich unzufrieden zurück. "Wir haben nicht zu viel erwartet und eine Tendenz gesehen, die nach oben geht. Der Trend ist positiv", sagte sie der Sportschau.

Nach einem "wackligen Start" in den Weltcup seien vor allem die beiden Auftritte in Übersee sehr gut gewesen: "Dort haben wir uns wirklich gesteigert." Bei Olympia, gab Seidenglanz zu, habe man sich mehr erwartet. In Peking gewannen wie 2018 in Pyeongchang die Medaillen allesamt andere Nationen.

Bei der Mehrkampf-WM in Hamar in der vergangenen Woche erreichten die Deutschen im Einzel ebenfalls keine Top-Ränge, im Männer-Teamsprint wurden Hendrik Dombek (München), Nico Ihle (Chemnitz) und Moritz Klein (Erfurt) immerhin Fünfte.

Pechstein und Beckert beste Deutsche im Weltcup

Gunda Niemann-Stirnemann verlor zudem ihren 21 Jahre alten Hamar-Rekord über 3.000 Meter an die niederländische Olympiasieger Irene Schouten. Eine Weggefährtin Niemann-Stirnemanns, Claudia Pechstein (Berlin), ist noch immer, auch zwei Wochen nach ihrem 50. Geburtstag, die bestimmende deutsche Eisschnellläuferin.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein in Heerenveen 2013

Derzeit ist sie 20. im Weltcup über die langen Distanzen, sie freut sich aber jetzt auf die Zuschauer in Heerenveen, ließ sie schon wissen. Stärkster im Weltcup bei den Männern ist derzeit Patrick Beckert (Erfurt) als Achter über die langen Distanzen.

Nils van der Poel - oder: Aufhören, wenn es am schönsten ist

Schnellster Mann der Welt über die 5.000 und 10.000 Meter ist allerdings der Schwede Nils van der Poel. Der ist gerade einmal halb so alt wie Pechstein - und kündigte schon an, aufhören zu wollen. "Ich werde die Saison als Profi beenden und dann für den Rest meines Lebens ein Amateur-Eisläufer sein", sagte er auf einer Pressekonferenz in Hamar.

Er würde seine Karriere auf dem Höhepunkt beenden - nach zwei Olympiasiegen samt einem Weltrekord über zehn Kilometer und dem völlig ungefährdeten Mehrkampf-Titel in Hamar.

Eisschnellläufer Nils van der Poel

Deutscher Blick geht Richtung Olympia 2026 in Mailand/Cortina

Bis zu solchen Erfolgen ist es für das deutsche Team aber noch ein äußerst weiter Weg. Hoffnung geben der Mannschaft der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) daher ganz andere Medaillen von Anfang März: die bei der Studierenden-WM in Lake Placid.

Claudia Pechstein - eine bewegte Karriere mit Höhen und Tiefen

Sportschau, 05.02.2022 03:00 Uhr

Sieben Mal Edelmetall hat das deutsche Team dort gesammelt - und gezeigt, dass schon noch Talente da sind: Die 22-jährige Lea Sophie Scholz vom TSC Berlin wurde Weltmeisterin über 1.500 Meter, Fridtjof Petzold (24) gewann die Goldmedaille über 5.000 Meter und im Mixed-Team-Wettbewerb holte Scholz gemeinsam mit Michael Roth (22) Gold.

Das ergab Platz zwei in der Nationenwertung hinter Japan. "Es kommt etwas nach", sagt Seidenglanz und wirkt dabei sehr hoffnungsvoll. Auch wenn bei der Studierenden-WM nicht die absolute Weltspitze am Start war. Die Besten liefen zeitgleich bei der WM in Hamar.

"Der Blick geht weiter nach vorne. Zusammen sind wir stark und schaffen es. Road to Milano and Cortina d'Ampezzo 2026", schreibt die DESG auf ihrer Webseite. Das zeigt: Sie denken im Verband nach einer mittelprächtigen Saison schon weit über das Abschlusswochenende im wilden Heerenveen hinaus.