0:2-Niederlage in Frankfurt 1. FC Union verliert Spiel, behält aber die Tabellenführung

Stand: 03.10.2022 08:39 Uhr

Die Serie ist gerissen: Nach 14 Liga-Spielen ohne Niederlage hat der 1. FC Union in Frankfurt mit 0:2 verloren. Gerade in der ersten Hälfte machten offensiv wirbelnde Hessen den Köpenickern das Leben schwer. Die Tabellenführung bleibt dennoch in Berliner Hand.

Der 1. FC Union hat erstmals seit dem 19. März wieder ein Bundesliga-Spiel verloren. Bei Eintracht Frankfurt unterlagen die Köpenicker am Samstag mit 0:2 (0:2). Mario Götze und Jesper Lindström erzielten in der ersten Hälfte die Treffer für die Hessen. Die Tabellenführung bleibt trotzdem bei den Berlinern, da Verfolger Dortmund beim 2:3 in Köln patzte.

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1. Hälfte: Kolo Muani spielt Union schwindelig

Trainer Urs Fischer wechselte zum Auftakt in die Mammut-Wochen mit 13 Spielen bis Mitte November zwei Mal. Paul Jaeckel ersetzte Robin Knoche, für Andras Schäfer durfte Morten Thorsby von Beginn an ran. Beide waren Teil eines von Beginn an intensiven Spiels, in dem Eintracht Frankfurt früh in Führung ging: Randal Kolo Muani stürmte im Eiltempo über die Außenbahn nach vorne, überlief zwei Köpenicker und fand im Rückraum Mario Götze. Der Weltmeister von 2014 erzielte das 1:0 für die Hessen. Es war ein Konter-Tor, wie es sonst eigentlich eine Spezialität der Unioner ist: Es wirkte wie eine Kopie des Duos Becker/Jordan.
 
Frankfurt - angetrieben vom offensiv omnipräsenten Tor-Vorbereiter Kolo Muani - war spätestens jetzt das bessere Team. Der 1. FC Union zog sich weit in die eigene Hälfte zurück, die Eintracht spielte und konnte sich mit Hochgeschwindigkeits-Angriffen dem Zugriff der - ungewohnt wenig griffigen - Berliner Gegenspieler immer wieder entziehen. So hatte Luca Pellegrini nach 23 Minuten die Chance zum 2:0, der Italiener zielte aber von der Strafraumkante deutlich über das Tor. Vorbereiter war - fast schon selbstverständlich - Kolo Muani.
 
Nach 28 Minuten wurde dann der 1. FC Union erstmals richtig gefährlich. Mittelfeldspieler Janik Haberer zog aus der Distanz ab, SGE-Keeper Kevin Trapp flog, streckte sich und parierte. Es blieb jedoch eine seltene Ausnahme. Denn die nächsten Tor-Möglichkeiten gehörten wieder der Eintracht. Jesper Lindströms Schlenzer kratzte Union-Torwart Frederik Rönnow aus dem Eck (31.) und Pellegrinis Volley-Kracher klatschte an die Latte (36.). Das 2:0 war folgerichtig und fiel in der 42. Minute: Nach einem ungenauen Zuspiel verlor Jaeckel den Ball an Lindström, der eilte los, umkurvte seine Verfolger und schob souverän ein.

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2. Hälfte: Union drängt in Überzahl noch einmal

Nach dem Seitenwechsel machte die Eintracht zunächst da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatte - mit viel Ballbesitz und viel Druck. Die erste richtig gute Gelegenheit des zweiten Durchgangs hatten jedoch die Berliner. Nach einen Chipball von Becker kam erst Haberer mit ganz langem Bein an den Ball und prüfte Trapp, im Nachschuss vergab Niko Gießelmann aus aussichtsreicher Position (52.). Es war zumindest ein kleiner Wachmacher. Union war nun mehr als nur sporadischer Gast in der gegnerischen Hälfte und hatte - erneut durch Gießelmann - eine weitere (Halb-)Chance (64.).
 
Kurz darauf wurde die Hoffnung für die Köpenicker noch einmal größer. Kolo Muani - der Spieler der ersten Hälfte - musste nach einem Foul im gegnerischen Strafraum mit Gelb-Rot vom Platz. Die Gäste versuchten daraufhin noch einmal alles. Frankfurt beschränkte sich nun weitestgehend aufs Verteidigen. Die besten Chancen für die Eisernen hatte der eingewechselte Tim Skarke: Erst forderte er nach einer abgewehrten Ecke aus der Distanz Trapp heraus (79.), dann mit einem wuchtigen Volleyschuss aus zehn Metern (90.+4). Ein Treffer gelang dem Tabellenführer aus Berlin jedoch nicht mehr.

Das Spiel in der Kurzanalyse

"Es war nicht das Union, was wir sein und wie wir punkten wollen", monierte Oliver Ruhnert nach der ersten Bundesliga-Niederlage nach mehr als einem halben Jahr. Die Kritik des Managers der Köpenicker bezog sich dabei vor allem auf die erste Hälfte. Denn da zeigte nur eine Mannschaft die Tugenden, die eigentlich den 1. FC Union auszeichnen: Gegner Eintracht Frankfurt. "Sie waren heute ekliger, griffiger und in der Entscheidung schneller als wir", sagte Urs Fischer - und damit genau das, was sein Team zum Tabellenführer gemacht hat.
 
So war es eine verdiente Niederlage. Weil Frankfurt in Überzahl auch in der zweiten Hälfte dominant blieb und in Unterzahl einen sehr gut aufgelegten Kevin Trapp hatte. "Wir müssen uns am Limit bewegen. Das haben wir einfach nicht perfekt hinbekommen", sagte Fischer. Die Tabellenführung bleibt nach der Niederlage, die Ruhe auch. "Wir werden das gleich angehen, wie wenn wir gewonnen haben", kündigte Fischer an. Gewohnt pragmatisch. "Es gilt den Mund abzuwischen und weiter geht's." Und das schon am Donnerstag, in der Europa League in Malmö.

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Sendung: rbb24, 01.10.2022, 18 Uhr