Handball | Bundesliga "Geschichte schreiben" - SC Magdeburg vor Deutscher Meisterschaft

Stand: 02.06.2022 07:54 Uhr

Ein Punkt reicht, und der SC Magdeburg würde seine Fabelsaison mit dem ersten deutschen Meistertitel seit 21 Jahren krönen. Trainer Bennet Wiegert ist vom Erfolg fest überzeugt und will von Nervenflattern nichts wissen.

Das Drama von Lissabon ist vergessen, der Fokus ist einzig und allein auf das große Ziel gerichtet: Die Deutsche Meisterschaft. Schon ein Unentschieden würde den Handballern des SC Magdeburg am Donnerstag (19:05 Uhr im Liveticker auf sport-im-osten.de und in der "SpiO"-App) gegen die HSG Balingen-Weilstetten reichen, um nach über zwei Jahrzehnten wieder die Schale im Konfettiregen in die Höhe zu strecken.

Eine Bundesliga-Saison ohne Grenzen

Es wäre nicht weniger als der verdiente Lohn einer einzigartigen Saison. Der SCM spielte in dieser Bundesliga-Spielzeit in einer eigenen Liga. Vor allem in der ersten Saisonhälfte wurden die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig gespielt. Einzig zwei Niederlagen gegen Flensburg und Kiel weisen leichte Flecken auf der sonst blütenweißen Weste der Magdeburger auf.

Schon vor Monaten prophezeite die Konkurrenz, dass der Meistertitel in dieser Saison nach Sachsen-Anhalt geht. Und auch dort ist man - trotz der auf der Zielgeraden der Saison verspielten Titel im DHB-Pokal und in der European League - über jeden Zweifel erhaben. Fest steht: Das große Zittern soll und wird es nicht mehr geben.

SCM kann am Donnerstag Geschichte schreiben

Wiegert strotzt vor Energie

"Daraus wird nichts. Wir haben es die ganze Saison nicht bekommen, und werden es auch jetzt nicht kriegen", ist sich Erfolgstrainer Bennet Wiegert sicher und ergänzte: "Angst kenne ich nicht, sie ist ein absoluter Leistungshemmer. Zudem erleben wir doch gerade jetzt eine erstrebenswerte Zeit. Wir haben uns drei Matchbälle erarbeitet für diesen einen Punkt. Jetzt wollen wir ernten und uns belohnen."

Angst kenne ich nicht, sie ist ein absoluter Leistungshemmer. Bennet Wiegert | Trainer SC Magdeburg

Der 40-Jährige, seit 2015 im Amt, kennt den Verein wie seine Westentasche. Und er weiß, wie er sich anfühlt, der 2,9 Kilogramm schwere "Meister-Teller". Schließlich war Wiegert beim letzten Bundesliga-Titelgewinn des SCM 2001 als 19-jähriger Spieler dabei. Die Erinnerungen daran sind zwar schon etwas verblasst. Doch sowieso ist der "schönste Titel immer der aktuellste. Außerdem will ich mit der aktuellen Mannschaft eine eigene Geschichte schreiben", blickte Wiegert voraus.

Bennet Wiegert, Trainer SC Magdeburg, gibt Anweisungen und gestikuliert mit den Armen.

Magdeburg: Eine Stadt fiebert dem Titel entgegen

Auch für ihn wäre die Meisterschaft die Krönung der Arbeit der vergangenen Jahre. Eine Chance, die nur wenigen Spielern und Trainern zuteilwird. "Es gibt schließlich Vereine, die zig Jahre in der Bundesliga spielen und nie Meister werden", unterstrich Magdeburgs Trainer: "Die Meisterschaft hat für mich einen extrem hohen Stellenwert. Als Vereinstrainer in Deutschland, der stärksten Liga der Welt, geht es nicht größer."

Das gilt im Übrigen nicht nur für den Club. Die ganze Stadt Magdeburg fiebert dem Titel entgegen, "die Euphorie kennt keine Grenzen", weiß Wiegert und setzte zum Loblied an. "Den Puls dieser Stadt fühle ich als gebürtiger Magdeburger ganz gut. Allein, wie uns die Fans am Montagabend kurz vor Mitternacht nach dem verlorenen Europacup-Finale zurück in der Stadt empfangen haben. Es gab einen grün-roten Autokorso. Echt Wahnsinn. Wir können es alle noch gar nicht begreifen, was wir hier gerade erleben."

Weber: "Da wird die Hölle brennen"

Es trifft sich gut, dass der letzte Schritt zum Meistertitel vor den eigenen Fans vollzogen werden kann. Nationalspieler Philipp Weber, vor der Saison von Leipzig nach Magdeburg gewechselt, erwartet eine aufgeheizte Stimmung. "Da wird die Hölle brennen", freute sich der 29-jährige Rückraumspieler in der "Magdeburger Volksstimme" (Mittwochsausgabe). "Wir spielen zu Hause. Die Halle ist restlos ausverkauft. Das wird ein riesengeiles Ding. Und dafür werden wir alles reinhauen."

Philipp Weber klatscht jubelnd nach dem Sieg.

Mit Balingen hat der SCM zudem gute Erinnerungen in dieser Spielzeit gemacht. Das Hinspiel im September gewann man mit mehr als zehn Treffern Unterschied (28:17). Und trotzdem dürfte die Partie gegen die Baden-Württemberger alles andere als ein Spaziergang werden, steckt das Team von Trainer Jens Bürkle doch bis zum Hals im Abstiegskampf. In Magdeburg interessiert das aber wenig. "Wir freuen uns schon riesig und werden das Ding reißen. Wir haben untereinander schon gesprochen und ich habe gesagt, dass wir Donnerstag in die Geschichte eingehen wollen", so Weber.

Sollte die Meisterschaft gelingen, soll es eine spontane Party geben, erklärte Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt. Die ganz große Feier wird es erst nach dem letzten Saisonspiel am 12. Juni geben.

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jsc/sid