Timo Werner (2.v.r) klatscht mit Kai Havertz (11) nach dem Treffer zum 2:0 ab.

Fußball | Nationalmannschaft "Chelsea-Abend" der Nationalelf: Havertz macht Werner Konkurrenz

Stand: 27.03.2022 12:26 Uhr

Die neue Standardstärke im deutschen Nationalteam fällt auf. Havertz und Werner treffen nach Eckball und Freistoß. Die zwei Chelsea-Kollegen könnten zu Konkurrenten werden.

Gute Strategien zahlen sich im Profi-Sport meistens aus. Auch im Fußball. Die neue Standardstärke der deutschen Nationalelf nach der Einstellung des dänischen Standard-Spezialtrainers Mads Buttgereit bescherte Deutschland mit dem 1:0 nach einem Eckball und dem 2:0 nach einem Freistoß den erfolgreichen Start des WM-Countdowns.

Kai Havertz hielt beim 2:0-Sieg gegen Israel ideal den Kopf hin, Timo Werner seinen rechten Fuß: Es war ein "Chelsea-Abend" in Sinsheim. Mit zwei sehr unterschiedlichen Protagonisten aus demselben Verein.

Flick lässt Werner spielen - der dankt es mit Toren

"Nach vier Monaten war es für das erste Spiel im neuen Jahr ein guter Auftritt", resümierte Werner. Für den 25-Jährigen war er besonders wichtig. Während der 22-jährige Havertz sein Selbstbewusstsein aus starken Wochen beim englischen Klub FC Chelsea einfach ins Nationaltrikot übertrug und dabei den Eindruck noch verstärkte, dass er bereit ist für eine große Rolle auf der WM-Bühne, genoss es Werner, nach schwierigen Monaten in London mal wieder als Torschütze von den Fans bejubelt zu werden.

"Bei Chelsea läuft es nicht so, wie ich mir das wünsche", sagte Werner nach dem Spiel im ZDF: "Umso schöner ist es, dass ich hier das Vertrauen habe." Hansi Flick macht ihm einerseits Dampf, aber er unterstützt ihn auch. Der Bundestrainer lässt Werner spielen - der dankt es mit Toren. Sechs sind es inzwischen, Spitzenwert aller Nationalspieler in den acht Länderspielen unter Flick. "Wir sind dazu da, dass wir ihm die Spielzeit geben. Wichtig für einen Stürmer ist, dass er Tore schießt", sagte Flick.

Die Mittelstürmer-Position ist eine Baustelle

Flick braucht Werner. Die Mittelstürmer-Position ist eine Baustelle. "Timo hat in den letzten Wochen und Monaten wenig gespielt. Er war krank. Er hat einiges aufholen müssen", betonte Flick: "Man merkt, dass er vom Rhythmus her nicht ganz so im Spiel war." Werner hatte einige gute Szenen, aber auch immer mal wieder die für ihn typisch unglücklichen. Er hätte auch häufiger treffen können - allerdings Teamkollege Havertz ebenso.

Flick gefällt Werners Engagement. "Er ist immer einer, der versucht, tiefe Laufwege zu machen." Er sieht darum einen Sinn darin, Werner zu protegieren: "Es hat schon häufiger funktioniert, dass er Tore und gute Spiele bei der Nationalmannschaft macht und das Selbstvertrauen mitgenommen hat zu Chelsea."

Werner wird womöglich im Sommer handeln müssen, trotz seines Langzeitvertrags bis 2025 beim FC Chelsea. In Sinsheim sagte er jedenfalls einen bemerkenswerten Satz: "Vielleicht passt das Spiel hier mehr zu mir. Ich fühle mich sehr wohl hier."

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Havertz inzwischen eine prägende Figur

Werners Mannschaftskollege Havertz ist dagegen beim Champions-League-Sieger glücklich. Er ist bei Chelsea und im Nationalteam inzwischen eine prägende Figur. "Kai hat wirklich ein gutes Spiel gemacht. Gerade in der ersten Halbzeit war er immer wieder in guten Situationen", lobte der Bundestrainer.

Havertz könnte mit seiner Vielseitigkeit in der Offensive sogar zur Gefahr für Kumpel Werner werden. Als verkappter Neuner könnte er ganz nach vorne rücken, wenn Flick dahinter eine Bayern-Reihe mit Thomas Müller, Leroy Sané, Serge Gnabry oder Talent Jamal Musiala formieren möchte.

Diese Rolle nimmt Havertz bei Chelsea längst häufiger ein. Auch Flick ist das nicht entgangen. Er könnte das sogar schon am Dienstag (20.45 Uhr, LIVE im Ersten!) gegen Holland mal ausprobieren: "Kai kann vorne viele Positionen ausfüllen. Man kann ihn durchaus als Neuner sehen."