Lukas Blohme vom VfL Gummersbach jubelt nach seinem Tor

Handball | 2. Liga

"Sofa-Aufstieg" des VfL Gummersbach - eine Handball-Legende kehrt zurück

Stand: 11.05.2022, 00:03 Uhr

Der VfL Gummersbach wird nach drei Jahren in der 2. Liga in der nächsten Saison wieder in der Handball-Bundesliga spielen. Doch nicht nur deswegen ist der Traditionsverein auf einem guten Weg.

Von Andreas Ahn

Um Punkt 21 Uhr am Dienstag (10.05.2022) war der Aufstieg des VfL Gummersbach perfekt. Das 27:27-Unentschieden des Konkurrenten ASV Hamm-Westfalen im Nachholspiel beim TV Großwallstadt sorgte dafür, dass der Traditionsverein aus dem Oberbergischen fünf Spieltage vor Saisonende nicht mehr von den Aufstiegsplätzen der 2. Handball-Bundesliga verdrängt werden kann. Ein Siebenmeter nach der Schlusssirene sorgte für das 27:27 und den "Sofa-Aufstieg" Gummersbachs.

Rudelgucken mit komischem Gefühl

Mannschaft, Trainer, Geschäftsführung und Geschäftsstellenmitarbeiter erlebten den Aufstieg auf dem Steinmüller-Gelände im Beach 51, in der Nähe der eigenen Halle. Kurz nachdem feststand, dass der VfL in die 1.Bundesliga zurückkehrt, wurde von Geschäftsführer Christoph Schindler in den Feier-Modus geschaltet.

"Es ist schon eine komische Situation, wenn man ohne Trikot, ohne Schweiß und ohne getane Arbeit dann plötzlich in die 1. Liga aufgestiegen ist", sagte er im Sportschau-Gespräch. "Das stellt man sich in seinen Wunschvorstellungen natürlich etwas anders vor. Am besten mit 4.000 Leuten im Rücken. Von daher war das eine sehr merkwürdige Situation. Insgesamt ist das eine tolle Sache, und jetzt freut sich jeder auf das nächste Heimspiel am Samstag. Das wird, glaub ich, eine lange Woche in Gummersbach.“

Lieber hätte der VfL Gummersbach dieses Erlebnis und die damit verbundenen Emotionen mit seinen vielen Fans gegen die Eulen Ludwigshafen geteilt. "Vor dem Fernseher zu sitzen und aufzusteigen, ist vom Prinzip her erst mal nicht so cool, aber letztendlich war es uns egal, sonst hätten wir es am Wochenende gemacht", sagten Kreisläufer Jonas Stüber und Rechtsaußen Lukas Blohme. "Wir feiern trotzdem. Wir sind jetzt offiziell aufgestiegen, am Samstag können wir uns im Heimspiel krönen und Meister werden, das ist Ansporn genug für alle."

Eine harte Zeit findet ihr Ende

Nach drei Jahren hat der VfL den Sprung aus der 2. Liga geschafft. Es war eine schwere Zeit. Den dramatischen Abstieg am Ende der Saison 2018/19, als nur ein Punkt zur Rettung fehlte, haben die wenigsten der aktuellen VfL-Spieler miterlebt. Dann die Corona-Zeit mit abgebrochener Saison, Spielen ohne Zuschauer und damit verbunden keinen Einnahmen.

Der ehemalige Weltklasse-Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson, der von 2005 bis 2008 in Gummersbach gespielt hat, wurde 2020 als Trainer verpflichtet – ein Coup von Geschäftsführer Christoph Schindler, der sich mehr als bezahlt gemacht hat. Der 42-jährige Isländer besticht mit Strahlkraft, identifiziert sich mit dem Klub und den Fans. Er könnte vor einer großen Trainerkarriere stehen, Gummersbach ist seine erste Station in der Funktion.

Köster ist das Aushängeschild

Dass mit dem 22-jährigen Julian Köster ein aktueller A-Nationalspieler seit Januar 2021 in der 2. Bundesliga beim VfL spielt, hilft dem Verein ungemein. Köster ist trotz seiner jungen Jahre eine Identifikationsfigur. Im "Handball Performance Index" der HBL2, einer Wertung in puncto Effizienz, steht Köster an der Spitze aller Spieler. Auf 151 Treffer kommt der Rückraumschütze bei 30 Einsätzen, über 61 Prozent seiner Würfe fanden den Weg ins Tor.

Doch auch wirtschaftlich hat sich Gummersbach erholen können. "Schön, dass es nicht nur sportlich sehr gut bei uns läuft", sagte Schindler. Nach dem Abstieg gab es um den Klub eine wichtige Trotzreaktion samt Dauerkartenrekord und Fortführung der Zusammenarbeit mit Partnern und Sponsoren. Alle wollten dem VfL helfen, um möglichst schnell in die Bundesliga zurückzukehren. Für die hat der Klub die Lizenz übrigens erhalten.

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