Golf

Regelbremse für die Kraftprotze im Golfsport

Von Jan Wochner

Weil immer mehr Profi-Golfer den Ball immer weiter schlagen, reagiert der Sport mit einer neuen Regel. Die Schlägerlänge wird ab dem kommenden Jahr limitiert. Einige Golfstars reagierten empört auf die Ankündigung. Andere haben Alternativvorschläge.

Wer Bryson de Chambeau nicht kennt und ihm zufällig begegnen sollte, wird bei seinem Anblick ganz sicher nicht an einen Profi-Golfer denken. Muskulöse Schultern, ein breiter Nacken, massive Oberarme, ein komplett austrainierter Oberkörper.

De Chambeau wirkt eher wie ein "Pumper" aus dem Fitnessstudio. Weniger wie ein Weltklasse-Golfer, der er aber ist. Der US-Amerikaner rangiert aktuell auf dem sechsten Platz der Weltrangliste.

Muckis für weitere Abschläge

Den Golfsport hat der 28-jährige Kalifornier seit mehr als einem Jahr aus den Angeln gehoben. Während der coronabedingten Pause im Profisport transformierte de Chambeau seinen Körper, trainierte sich rund 20 Kilogramm Muskelmasse an.

Sein Ziel: Die weitesten Abschläge im internationalen Spitzengolf. Bei den ersten Turnieren nach der Coronapause verblüffte de Chambeau die Konkurrenz und alle Experten. Er schlägt den Ball seitdem regelmäßig rund 350 Meter weit ab. Viel weiter als die Konkurrenz.

Den Charakter des Spiels verändert

Auf einer sichelförmigen Bahn bei einem Turnier in den USA feuerte de Chambeau den Ball über einen See hinweg direkt in Richtung Fahne. Dieser bis dahin nicht für möglich gehaltene Schlag über hunderte Meter Wasser hinweg begeisterte die Fans. Bei den Regelhütern des Sports aber sorgte er für Stirnrunzeln.

Denn die Golfplätze sind für derartige Weiten schlichtweg nicht ausgelegt. Fairway-Bunker, die die Landezonen beim Abschlag verkleinern sollen, kümmern de Chambeau wenig. Er schlägt einfach über sie hinweg und verändert damit den Charakter des Spiels.

Regelhüter limitieren die Schlägerlänge

Feingefühl und Ballkontrolle verlieren an Bedeutung. Enorme Weiten dank Kraft und Athletik gewinnen an Einfluss. Die Golforganisationen Royal and Ancient (R&A) und die United States Golf Association (USGA) haben nun reagiert. Sie begrenzen mit einer neuen Regel die Schlägerlänge. Diese dürfen dann maximal 46 Zoll (1,17 Meter) lang sein, bisher waren 48 Zoll (1,22m) erlaubt. Nur Putter sind ausgenommen.

De Chambeau hatte die längeren Modelle für seine Abschläge genutzt. Durch den größeren Radius beim Schwung erlaubten sie ihm eine höhere Geschwindigkeit beim Schlag. Ein Teil seines Geheimnisses auf der Jagd nach immer weiteren Abschlägen.

"Ich werde spielen, so wie sie sagen, dass es legal ist..."

"Ich fühle mich geschmeichelt", sagte de Chambeau, angesprochen auf die Regel. Und mit Blick auf die Regelhüter: "Es zeigt doch, dass ich sie an ihre Grenzen gebracht habe." Sorgen, dass ihn die neue Regel zu sehr einschränkt, hat der US-Amerikaner aber nicht: "Ich werde spielen, so wie sie sagen, dass es legal ist und dann den besten Weg für mich finden."

Andere Golfstars dagegen sind empört. Golflegende Phil Mickelson gewann vor wenigen Monaten mit 50 Jahren als ältester Spieler in der Geschichte ein Major-Turnier. Bei seinem Erfolg bei den PGA Championship nutzte er einen Schläger für die Abschläge, der 47,9 Zoll lang war.

Die allermeisten Profis nutzen kürzere Schläger

"Das ist erbärmlich", wütete er nach Bekanntwerden der Regel auf Twitter. Er fürchte durch den kürzeren Schwungradius ein erhöhtes Verletzungsrisiko aufgrund "der kürzeren und heftigeren" Bewegung. Und er sei wütend, dass die Regel den Spaß am Spiel beim ersten Golf-Boom seit Jahrzehnten zerstöre.

Für den Amateurbereich gilt die Limitierung der Schlägerlänge allerdings nicht. Auf der PGA-Profitour wird sie ab dem kommenden Jahr jedoch in Kraft treten. Die allermeisten Spitzengolfer sind sowieso nicht betroffen, sie spielen kürzere Schläger.

Max Kieffer und sein Alternativvorschlag

Golfer Max Kieffer | Bildquelle: Kazuhiro Nogi/AFP

Wie auch Max Kieffer, deutscher Olympiateilnehmer bei den Spielen in Tokio diesen Sommer. Er blickt auch deshalb gelassen auf die Einführung der neuen Regel: "Die Länge hat im Golf immer geholfen, aber es geht auch um Distanzkontrolle, das Ballgefühl oder das Putten", sagt Kieffer. Für ihn gäbe es andere Wege, die Weitenjäger des Sports einzubremsen.

"Vielleicht sollten wir mehr über das Design der Golfplätze sprechen. Wenn die Fairways enger und die Grüns kleiner wären und es mehr tiefes Gras an den Rändern geben würde, dann würde die Länge auch keine so große Rolle mehr spielen", merkte Kieffer an. Doch selbst das würde Kraftprotz Bryson de Chambeau wohl nicht schocken. "Die Person, die am schnellsten schwingt und das gleichzeitig kontrollieren kann, wird immer im Vorteil sein", sagte der US-Open-Sieger kürzlich. Daran werden wohl auch die neuen Regeln wenig ändern können.