Newcastles Callum Wilson

Fußball | Premier League Newcastle United - viel Geld, wenig Punkte

Stand: 30.11.2021 12:51 Uhr

Newcastle United gilt seit kurzer Zeit als der reichste Fußball-Klub der Welt, ist aber Letzter der Premier League. Die nächsten Spiele sind richtungsweisend - auch in Sachen Transfers.

Ein hohes Jahresgehalt und ein üppiges Handgeld: Newcastle United will Ousmane Dembélé in die Premier League locken und hat dem Franzosen vom FC Barcelona ein "astronomisches Angebot" gemacht. Das berichten spanischen Medien. Die Engländer sollen zudem Interesse an Barcas Torwart Marc-André ter Stegen haben, auch Bayern Münchens Abwehrchef Niklas Süle ist wohl im Gespräch. Das sind nur drei Namen auf einer langen Liste von Spielern, die derzeit mit dem Klub aus dem Nordosten Englands in Verbindung gebracht werden.

Der wohl reichste Klub der Welt ist noch ohne Sieg

Newcastle wurde jüngst von einem Konsortium übernommen, an dem der staatliche Investmentfonds Saudi-Arabiens 80 Prozent hält. Vorsitzender des Fonds ist der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Anders ausgedrückt: Newcastle United gilt derzeit als der reichste Klub der Welt und will in der nächsten Transferperiode üppig auf Einkaufstour gehen.

Was aber potenzielle Zugänge abhalten könnte, ist ein Blick auf die Tabelle der Premier League. Die "Magpies" sind Tabellenletzter und noch ohne Sieg. Nach 13 Spielen stehen nur sechs Punkte auf dem Konto, sechs Zähler beträgt auch der Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz. Das entbehrt freilich nicht einer gewissen Ironie.

Richtungsweisende Partien

Die nächsten Spiele sind richtungsweisend. Zunächst empfängt das Team von Trainer Eddie Howe am Dienstag (30.11.2021) den Vorletzten Norwich, am Samstag kommt das ebenso abstiegsgefährdete Burnley in den St. James' Park. Zwei Siege sind fast schon Pflicht.

Ein Abstieg würde die Pläne der Saudis, die Newcastle in den kommenden Jahren zu einem Topklub machen wollen, durchkreuzen. Das würde nicht nur Fußball-Romantiker erfreuen. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Der Vorsitzende von Amnesty International in England, Sacha Deshmukh, erklärte, man sei besorgt, "wie unsere Fußballvereine für Sportswashing verwendet werden". Als Sportswashing bezeichnet man Versuche, durch den Sport das eigene Image aufzupolieren und Missstände zu verdecken.

Der Tabellenletzte träumt vom Titel

Fans und Verantwortliche in Newcastle blenden das offenbar größtenteils komplett aus. Sie träumen schon von Titeln. An die bisher letzte Trophäe erinnern sich nur noch ältere Fans. 1955 holten die "Magpies" den englischen FA Cup. Seine vierte und bislang letzte Meisterschaft in England gewann der Verein 1927.

Dass der Kronprinz eine Leidenschaft für Fußball oder speziell Newcastle United hätte, ist übrigens nicht bekannt. Eher eifert er wohl seinen Nachbarn nach, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die haben sich längst schon bei Manchester City und Paris Saint-Germain eingekauft. Der Griff nach Newcastle mag auch dem Wunsch entspringen, endlich mit diesen Nachbarn am Persischen Golf gleichzuziehen. Deren Wettstreit wird auch auf der europäischen Fußball-Bühne ausgetragen.

Emery hat schon abgesagt

Mohammed bin Salman und seine Berater hätten aber mal besser auf Newcastles Kader geschaut. Der scheint nicht tauglich zu sein für die Premier League. Deutschen Fans sind allenfalls der Schweizer Fabian Schär und der Brasiliener Joelinton bekannt. Beide spielten bei 1899 Hoffenheim.

Ob es trotz der immensen Möglichkeiten schon im Winter zu Toptransfers kommt, ist fraglich. Und auch nicht jeder ist bereit, das Finanzielle über das Sportliche zu stellen. So war Trainer Eddie Howe dem Vernehmen nach nur zweite Wahl. Wunschkandidat Unai Emery hatte abgesagt.