Löw verzichtet weiter auf Müller, Hummels und Boateng

Nachfolger gesucht: Bundestrainer Joachim Löw hört nach der EM im Sommer auf.

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Löw verzichtet weiter auf Müller, Hummels und Boateng

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw will die beiden Top-Talente Jamal Musiala und Florian Wirtz für die kommenden Länderspiele nominieren. Das ausgebootete Weltmeister-Trio Hummels, Müller und Boateng wird weiterhin nicht berücksichtigt.

"Ich denke, man kann jetzt schon sagen, dass wir mit beiden planen", sagte der 61-Jährige am Dienstag (16.03.2021) der RTL/ntv-Redaktion. Mit Blick auf die Europameisterschaft im Sommer sei es "gut, dass ich sie mal ein paar Tage bei uns sehe, wie sie sich in unserem Kreis eben auch zeigen, das ist vielleicht ein guter Fingerzeig in Richtung Turnier".

Die vor zwei Jahren ausgebooteten Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng seien zunächst keine Option, sagte Löw wenig überraschend. Das Trio kenne die Abläufe im DFB-Team gut und ließe sich mit Blick auf die EM auch kurzfristig problemlos integrieren, sagte Löw. Mit einer endgültigen Entscheidung sei somit erst bei der EM-Nominierung im Mai zu rechnen.

Kuntz fährt ohne Wirtz zur U21-EM

Über eine Nominierung des 18 Jahre alten Musiala für die drei Länderspiele gegen Island (25. März), Rumänien (28. März) und Nordmazedonien (31. März) war seit längerem spekuliert worden, nachdem sich Löw mit ihm getroffen und sich der Spieler zuletzt für die deutsche Nationalmannschaft statt der englischen entschieden hatte. Florian Wirtz (17) war zuletzt nicht von U21-Coach Stefan Kuntz für die EM nominiert worden - möglicherweise, weil ihm zu diesem Zeitpunkt bereits Löws Absichten bekannt waren.

"Keine Versprechungen" an Musiala

Laut Löw hatte sich Musiala, der bereits für deutsche Jugendauswahlmannschaften, aber auch für die englische U21 aufgelaufen war, freiwillig und ohne Zusagen für die deutsche Nationalmannschaft entschieden. "Wir haben ihm da keine Versprechungen gemacht oder keine Zusage, nur diese, dass wir uns eben halt an seiner Leistung auch erfreuen, dass wir ihm auch helfen, den Weg zu gehen, aber es war seine Entscheidung, und eine Zusage für ein Länderspiel kann man trotzdem nicht geben", sagte Löw.

Fünf Legionäre könnten fehlen - Spielverlegung kein Thema

Dabei werden Löw Ende des Monats wohl fünf Spieler fehlen. Sofern sich an der Einstufung des Vereinigten Königreichs als Virusvarianten-Gebiet nichts ändert, will Löw seine England-Legionäre nicht mal für das Spiel in Bukarest dazuholen. "Wir sind ja in einer Blase, und wenn dann Spieler dazukommen, dann birgt das immer Gefahren", gab er zu bedenken, "das ist nicht die Lösung, die wir haben wollen." Demnach muss er ohne Ilkay Gündogan, Timo Werner, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Bernd Leno planen.

Die Spiele wie im Europacup zu verlegen, um Quarantäne-Anordnungen zu umgehen, lehnt Löw strikt ab. Ein solches Vorgehen entbehre für ihn "jeglicher Logik", sagte er mit Blick auf die teilweise sogar höheren Corona-Zahlen am Champions-League-Ersatzort Budapest. "Wir haben gesagt, die Länderspiele verlegen wir nicht irgendwo hin (...), weil das für uns jetzt auch wenig Sinn macht", sagte der 61-Jährige über die Heimpartien in Duisburg.

Vor der vorletzten Kadernominierung seiner 15-jährigen Amtszeit blickte der im Sommer scheidende Bundestrainer "zufrieden" zurück - und zuversichtlich nach vorne. Die Probleme in der Abwehr werde er in der EM-Vorbereitung "gut hinbekommen", glaubt er. Größere Sorgen bereiten ihm die vielen Ballverluste wie beim 0:6-Debakel in Spanien: "Das ist viel schwieriger zu trainieren." Trotzdem ist Löw sicher, dass sein Team "ein klasse Turnier" spielen werde.

Nachfolge? - Löw "nicht befugt, Vorschläge zu machen"

Und sein Erbe? "Ich bin nicht befugt, Vorschläge zu machen", betonte er, gab seinem noch unbekannten Nachfolger aber schon mal eine Warnung mit auf den Weg: Die Arbeit als Nationaltrainer sei eine ganz andere als die im Verein.

red/sid/dpa | Stand: 16.03.2021, 17:44

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