Eine Ära ist beendet - Messi verlässt den FC Barcelona

Lionel Messi

Primera División

Eine Ära ist beendet - Messi verlässt den FC Barcelona

Das schier Unvorstellbare ist wahr geworden: Lionel Messi spielt nicht mehr für den FC Barcelona.

Der 34 Jahre alte Fußball-Superstar - seit dem 1. Juli bereits vereinslos - wird keinen neuen Vertrag bei seinem Herzensklub unterschreiben. Die Verhandlungen scheiterten am Donnerstag (05.08.2021) praktisch in letzter Minute.

Acht Zeilen Presseerklärung

Was vor rund 21 Jahren mit einer Unterschrift angeblich auf einer Serviette begonnen hatte und unter anderem zu 35 gemeinsamen Titeln führte, endete mit einer achtzeiligen Presseerklärung. "Auch wenn der FC Barcelona und Lionel Messi eine Einigung erzielt haben und die klare Absicht beider Parteien vorlag, einen neuen Vertrag heute zu unterzeichnen, kann das wegen finanzieller und struktureller Hindernisse (Regelwerk Spanische Liga) nicht geschehen", hieß es in der Mitteilung. "Beide Seiten bedauern zutiefst, dass die Wünsche des Spielers und des Vereins letztlich nicht erfüllt werden."

Details, warum es nicht möglich war, die Zusammenarbeit fortzusetzen, nannte der Verein zunächst noch nicht. Entscheidende Gründe für die Trennung dürften aber die Schuldenkrise des Vereins und die Regeln des Financial Fairplay in Messis Wahlheimat sein. Dabei legt die Liga die Obergrenzen der zulässigen Gesamtsumme bei Gehaltszahlungen der Klubs fest. Ein neuer Vertrag für Messi hätte diese Regelung wohl verletzt. Messi soll nach Medienberichten zu einem Gehaltsverzicht von 50 Prozent bereit gewesen sein. Doch selbst das genügte offenbar nicht.

Barca-Präsident Laporta: "Barcelona steht über seinen Spielern" Sportschau 06.08.2021 01:27 Min. Verfügbar bis 06.08.2022 Das Erste

672 Tore - und wohin jetzt?

Fakt ist nun aber: Es ist vorbei, was seinesgleichen im Sport sucht. Neben insgesamt 35 Titeln mit dem FC Barcelona trug sich Messi als bester Torschütze mit 672 Treffern in der 121-jährigen Geschichte des Klubs ein. 778 Spiele bestritt er für den FC Barcelona, der ihn 2000 als 13-Jährigen aus Rosario in Argentinien geholt hatte.

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Lionel Messi mit seinem damaligen Trainer Pep Guardiola

Lionel Messi im März 2010 mit seinem damaligen Trainer Pep Guardiola

Die große Frage ist nun: Wo geht der sechsmalige Weltfußballer hin? Pep Guardiola, sein einstiger Erfolgscoach beim FC Barcelona, und Manchester City wurden und werden immer wieder gehandelt. Paris Saint-Germain könnte sich den sechsmaligen Weltfußballer, der jüngst mit der Nationalmannschaft den so ersehnten ersten Titeltriumph feierte und die Copa América gewann, sicher auch leisten.

Noch kein Wort von Messi

Messi, der mit seinen drei Söhnen und seiner Frau rund 20 Kilometer von Barcelona lebt, hat sich bisher noch nicht geäußert. Sein Weggang aus Barcelona hatte sich eine Zeit lang angedeutet. Vor einem Jahr drängte er massiv, den Klub verlassen zu können.

Indiskretionen, die ihm und der Mannschaft geschadet hatten, dazu sportliche Tiefschläge wie das desaströse 2:8 im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Bayern München hatten die Beziehung des Ausnahmefußballers mit dem Klub nachhaltig beschädigt. Messi wollte weg, die festgeschriebenen aberwitzigen 700 Millionen als Ablösesumme und das Veto des damaligen Vereinspräsidenten Josep Bartomeu hinderten ihn aber.

Kein neuer Vertrag für Messi

Sportschau 05.08.2021 01:39 Min. Verfügbar bis 05.08.2022 ARD


Verkauf seines Freundes Suárez nicht förderlich

Dass später Sturmpartner Luis Suárez verkauft wurde und mit Atlético Madrid den Meistertitel feierte, wirkte auch nicht gerade lindernd auf Messis Missmut. Im März dieses Jahres kehrte Joan Laporte auf den Posten des Klub-Chefs zurück, die Hoffnung wuchs wieder, dass Messi besänftigt und sich für einen weiteren Vertrag entscheiden würde.

Laporte war schon mal Präsident gewesen, als Messis Profi-Karriere bei Barça mit 17 Jahren begann. Ende Mai gab der FC Barcelona dann auch noch bekannt, dass Sergio Agüero kommen würde. Die Sache schien dann auch eigentlich klar, Messi wollte Medienberichten zufolge sogar auf die Hälfte des bisherigen Gehalts verzichten und für weitere fünf Jahre unterschreiben. Nach seinem Familienurlaub in Miami und auf Ibiza sollte alles klar gemacht werden. Dann aber kam alles anders.

Tricks, Tore, Titel - "La Pulga" verzauberte Barcelona

Von Christian Hornung

Lionel Messi kam mit 13 und geht 21 Jahre später als größter Fußballer der Welt. "La Pulga", der Floh, hat Spuren beim FC Barcelona hinterlassen, in die vermutlich niemals jemand hineinpassen wird. Die Sportschau geht einigen seiner Stationen nach.

Lionel Messi noch ganz jung

Als Lionel Messi im Jahr 2000 zum FC Barcelona kam, tat er dies auch, weil der Verein seiner Familie versprach, ihm beim Kampf gegen seine Hormonstörung zu helfen. Messi litt unter Somatropinmangel und hatte deshalb eine Wachstumsstörung: Mit 13 Jahren maß er nur knapp 1,40 Meter. Er wuchs immerhin noch um 30 Zentimeter, wird aber von den Fans trotzdem liebevoll "La Pulga" genannt: der Floh.

Als Lionel Messi im Jahr 2000 zum FC Barcelona kam, tat er dies auch, weil der Verein seiner Familie versprach, ihm beim Kampf gegen seine Hormonstörung zu helfen. Messi litt unter Somatropinmangel und hatte deshalb eine Wachstumsstörung: Mit 13 Jahren maß er nur knapp 1,40 Meter. Er wuchs immerhin noch um 30 Zentimeter, wird aber von den Fans trotzdem liebevoll "La Pulga" genannt: der Floh.

Sein erstes Mal im Profiteam hatte "Leo" am 16. Oktober 2004 im Derby gegen Espanyol. Er wurde acht Minuten vor Schluss eingewechselt und musste auf der für ihn damals noch ungewohnten rechten Außenbahn ran. Mit 17 Jahren, drei Monaten und 22 Tagen war er seinerzeit der jüngste Spieler, der für Barcelona in einem Pflichtspiel auf dem Platz stand. Acht Mal war er im weiteren Saisonverlauf noch Joker, in der Champions League durfte er in derselben Saison erstmals gegen Schachtjor Donezk mitwirken.

Lange mussten die Barca-Fans nicht auf das erste Messi-Tor warten: Gleich in seiner Debütsaison traf er - mit einem prominenten Assistgeber: Ronaldinho legte ihm am 1. Mai 2005 gegen Albacete den Treffer auf. Mit 17 Jahren, zehn Monaten und sieben Tagen war er damals der jüngste Torschütze der Barca-Historie.

Mit Messi kam auch das Glück zurück: Kaum war der Argentinier da, beendeten die Katalanen eine sechs Jahre dauernde Durststrecke und holten die Meisterschaft. Auch in der Folgesaison wurde Barcelona Erster in der Primera División - insgesamt gab es in der Messi-Ära zehn nationale Meisterschaften.

Auch auf internationaler Bühne trumpfte das Dreamteam Messi/Barcelona sehr schnell auf: In seiner zweiten Saison gelang Messi der Triumph in der Champions League. Drei weitere Titel in der Königsklasse kamen hinzu.

2009 begann eine weitere Serie: Lionel Messi wurde insgesamt sechs Mal zum besten Fußballer der Welt gekürt. Damit hält er den Rekord für die meisten Auszeichnungen. Messi gewann seine ersten vier Ballon d'Or direkt aufeinanderfolgend von 2009 bis 2012. Die nächste Auszeichnung bekam er im Dauerduell mit Cristiano Ronaldo 2015, seine bis heute letzte Wahl zum Weltbfußballer war im Jahr 2019.

In der Primera Division wurde Lionel Messi acht Mal bester Torschütze. 2009/10 lag er mit 34 Toren erstmals ganz vorn, 2011/12 kam er auf unglaubliche 50 Ligatreffer. 2012/12 triumphierte er in dieser Kategorie erneut, dazu kommen seit 2016/17 bis zu seinem Abschied jetzt weitere fünf Mal Platz eins in Serie.

Lionel Messi verlässt Barcelona nach 778 Pflichtspielen mit 672 Toren und 305 Vorlagen. Er gewann mit seinem einzigen Klub als Profi 35 Titel, neben der Primera Division und der Champions League beispielsweise noch siebenmal die Copa del Rey, achtmal den spanischen Supercup und dreimal die Klub-Weltmeisterschaft - für einen Floh mit Wachstumsstörung unfassbar große Sprünge.

dpa | Stand: 05.08.2021, 20:26

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