Schweizer Ermittler stellen Untersuchung gegen Blatter offenbar ein

Sepp Blatter im Dezember 2019 bei der Beisetzung von Köbi Kuhn

FIFA-Korruptionsaffäre

Schweizer Ermittler stellen Untersuchung gegen Blatter offenbar ein

Die Schweizer Bundesanwaltschaft plant laut Medienberichten, die Ermittlungen zu einem heiklen FIFA-Vertrag einzustellen. Der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter bliebe damit in einer von zwei Untersuchungen, die noch gegen ihn laufen, unbehelligt.

Im Detail geht es um Ungereimtheiten beim Verkauf von TV-Rechten an die karibische Fußball-Union CFU für die Weltmeisterschaften 2010 und 2014. Die FIFA hatte unter Präsident Blatter diese Fernsehrechte zu einem Spottpreis an den damaligen CFU-Präsidenten Jack Warner veräußert. Warner - in verschiedenen Skandalen schwer belastet - konnte diese Rechte für einen vielfachen Millionengewinn weiterveräußern.

Blatter hat Bescheid noch "nicht persönlich erhalten"

Dies war eine von zwei Kriminalermittlungen, die 2015 gegen den Schweizer wegen des Verdachts unlauterer Geschäftsmethoden und Vertrauensmissbrauches eingeleitet worden waren. Nach Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde" sowie der "Süddeutschen" Zeitung hat die Schweizerische Bundesanwaltschaft nun entschieden, die Ermittlungen gegen den 84-Jährigen einzustellen.

Blatter, von 1998 bis 2016 an der Spitze der FIFA, teilte der französischen Nachrichtenagentur AFP am Freitag (10.04.2020) mit, einen betreffenden Bescheid der Schweizer Bundesanwaltschaft noch "nicht persönlich erhalten" zu haben: "Ich werde meinen Anwalt auffordern, mir das Dokument weiterzuleiten. Es geht darin um den Vertrag über TV-Rechte."

Befangener BA-Chef Lauber

Der höchsten Schweizer Justizbehörde wird bei dem Verfahrenskomplex rund um die FIFA ein milder Kurs nachgesagt, vor allem im Vergleich zur rigorosen US-Justiz, die in der vergangenen Woche Anklage erhoben hat. Nach Ansicht der US-Ermittler haben Russland und Katar den Zuschlag für die Ausrichtung der WM-Turniere 2018 und 2022 durch Bestechung führender FIFA-Funktionäre erkauft, beteiligt war auch hier Jack Warner, Schlüsselfigur im nun offenbar eingestellten Blatter-Prozess in der Schweiz. Dort gilt der Chef der Berner Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, laut eines Berichts der "Süddeutschen Zeitung" in den Augen des Bundesgerichts inzwischen als befangen. Grund dafür sind demnach drei informelle Treffen von Lauber mit dem jetzigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Daraufhin musste Lauber für einige FIFA-Verfahren in den Ausstand. 

Gegen Sepp Blatter indes läuft noch eine weitere Untersuchung, in der es um die Zahlung von umgerechnet 1,89 Millionen Euro an den damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini geht. Sobald dieser Fall ebenfalls geschlossen sei, "werde ich von der FIFA meine Rehabilitierung fordern", sagte Blatter, der seit Ende 2015 eine Sechsjahressperre für alle Ämter verbüßt: "Meine Suspendierung durch die Ethikkommission der FIFA fußte schließlich auf den Anschuldigungen der Schweizer Justiz." 

red/sid | Stand: 11.04.2020, 11:00

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