Saisonabbruch - UEFA droht mit Ausschluss aus der Champions League

Das Stadion des FC Brügge

Coronavirus

Saisonabbruch - UEFA droht mit Ausschluss aus der Champions League

Von Chaled Nahar

Belgien will die Saison in seiner Profiliga angesichts der Coronavirus-Pandemie abbrechen. Bei der UEFA hat man nun anscheinend Angst davor, dass andere Länder folgen - und droht mit dem Ausschluss aus der Champions League. Doch Belgiens Liga will sich nicht einschüchtern lassen.

Die Meldung, dass die belgische Liga ihren Spielbetrieb einstellen will, war gerade wenige Stunden alt, da erreichte ein Schreiben die Mitgliedsverbände der UEFA. Der Brief enthielt eine unverhohlene Drohung an die Verbände.

UEFA: "Wer die Saison abbricht, darf vielleicht nicht in die Champions League"

"Die Teilnahme an den Klub-Wettbewerben der UEFA wird anhand der erreichten sportlichen Ergebnisse am Ende eines vollständigen nationalen Wettbewerbs festgelegt", heißt es in dem UEFA-Schriftstück, das der Sportschau vorliegt. "Ein Abbruch würde Zweifel aufwerfen, ob diese Voraussetzung erfüllt ist. Die UEFA behält sich das Recht vor, den Anspruch der Vereine auf Zulassung zu beurteilen."

Kurz gesagt: Wird eine Saison abgebrochen, kann den Klubs die Teilnahme an der Champions League und der Europa League verweigert werden. Die belgische Pro League reagierte umgehend - und deutlich.

Belgien: "Akzeptieren nicht, dass die Ligen gezwungen werden"

Es habe eine Telefonkonferenz mit der UEFA gegeben, heißt es in einer Mitteilung. Die Liga habe deutlich gemacht, sie werde einen Ansatz nicht akzeptieren, der "die Verbände unter Androhung des Ausschlusses aus den Klub-Wettbewerben dazu zwingt, die Ligen in der aktuellen allgemeinen Gesundheitskrise fortzusetzen". Weitere Gespräche seien vereinbart worden.

Der Ausschluss aus der Champions League ist die wohl größtmögliche Drohung, denn derzeit gibt es für die Klubs in Europa nirgends so viel Geld zu verdienen. Der FC Brügge, der mit 15 Punkten Vorsprung die Tabelle in Belgien anführt und nach den Plänen zum Meister erklärt werden soll, verdiente als Teilnehmer der Gruppenphase in der Saison 2018/19 mehr als 30 Millionen Euro - ein gigantischer Betrag für einen Klub aus der belgischen Liga. Und der wird mit dem Brief im kommenden Jahr infrage gestellt. Belgien hat als aktuell Achter der UEFA-Fünfjahreswertung einen Startplatz in der Gruppenphase der Champions League für seinen Meister sicher, der Vizemeister kommt in die 3. Qualifikationsrunde.

Sprecher der belgischen Liga: "Gesundheit sollte oberste Priorität haben" Sportschau 03.04.2020 00:47 Min. Verfügbar bis 03.04.2021 Das Erste Von Chaled Nahar

Belgiens Entscheidung ist noch nicht final

Die Unterzeichner des Schreibens sind laut AP neben der UEFA auch die Klubvereinigung ECA und der europäische Ligaverband European Leagues. Sie beziehen sich auf die Regularien der Champions League und der Europa League. In beiden Regelwerken heißt es jeweils zu Beginn von Artikel 4: "Um am Wettbewerb teilnehmen zu können, müssen die Vereine (...) sich auf sportlichem Wege für den Wettbewerb qualifiziert haben." Diesen Passus nutzt die UEFA nun, um einen Dominoeffekt, der von Belgien ausgehen könnte, zu verhindern.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin wiederholte am Freitag (03.04.2020) die Kritik an der belgischen Entscheidung. "Das ist nicht der richtige Weg, Solidarität ist doch keine Einbahnstraße", sagte der Slowene im Interview mit dem ZDF, das am Samstag im Aktuellen Sportstudio ausgestrahlt wird. "Man kann nicht nach Hilfe fragen und dann einfach selbst entscheiden, wie es gerade passt." Er bekräftigte die im Brief angesprochene Drohung, wonach bei einem Abbruch die Teilnahme am Europapokal riskiert werde.

Peter Croonen, Vorsitzender der belgischen Pro League, nannte die Einstellung der Fußballwettbewerbe in seinem Land "die einzige sozial verantwortliche Entscheidung". Der Vorstand der Pro League sei einstimmig zu diesem Schluss gekommen, die Generalversammlung muss am 15. April noch zustimmen - final ist die Entscheidung also noch nicht. Aber: "Das Land hat jetzt andere Prioritäten als Fußball", sagte Croonen. Eine Argumentation, die moralisch richtig und gesellschaftspolitisch logisch klingt. Dass eine Liga wie Belgien diese Entscheidung als erste trifft, ist allerdings naheliegend.

TV-Geld spielt in Belgien eine kleinere Rolle

Denn hier spielt der Verkauf von Eintrittskarten eine größere Rolle, während im Fernsehmarkt des belgischen Fußballs deutlich weniger Geld als in anderen Wettbewerben steckt.

Die UEFA versucht mit aller Macht, die Champions League und die Europa League 2019/20 noch zu einem sportlichen Ende zu bringen. Genauso suchen die Bundesliga oder die englische Premier League nach Wegen, zur Not ohne Zuschauer im Stadion zumindest den Fans vor den Fernsehern und den Rechteinhabern eine sportliche Entscheidung zu präsentieren. Nur wenn ein Wettbewerb vom TV-Geld abhängig ist, profitiert er von sogenannten Geisterspielen - Belgiens Pro League gehört nicht dazu. Hinzu kommt, dass in Belgien das TV-Geld für die nationale Liga schon vollständig geflossen ist.

Entscheidende Tage für die UEFA

Für die UEFA stehen also entscheidende Tage an. Die große Frage: Kann sie die Ligen zusammenhalten, damit sie die Grundlage für die Champions League und die Europa League in der kommenden Saison liefern? Auch wenn die großen Ligen aus Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich meist im Fokus stehen, braucht die UEFA für den vollständigen Wettbewerb auch die anderen Ligen. In der Europa League sind im aktuell unterbrochenen Achtelfinale sieben Klubs vertreten, die nicht aus den fünf großen Ligen kommen.

Auch in den Niederlanden wird immer öfter ein Saisonabbruch gefordert. Marc Overmars, Sportdirektor bei Ajax Amsterdam, kritisierte die Verantwortlichen mit klaren Worten. AZ Alkmaar und die PSV Eindhoven positionierten sich ähnlich. Klar ist: Wenn auch andere Ligen die Saison abbrechen, liegt der Druck nicht mehr auf Belgien, sondern auf der UEFA.

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Denn die Champions League und die Europa League sind neben der EM die größte Einnahmequelle der UEFA. Die EM sollte Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro bringen, ist aber verschoben. Die Klub-Wettbewerbe der Saison 2018/19 brachten fast 3,9 Milliarden Euro ein. Beide Einnahmemöglichkeiten fallen für die UEFA nun vorerst ganz oder teilweise aus.

Stand: 03.04.2020, 13:12

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