Regelhüter sprechen über längere Halbzeit und Abseits-Revolution

Linienrichter im Fußball hebt die Abseits-Fahne

Fußballregeln

Regelhüter sprechen über längere Halbzeit und Abseits-Revolution

Von Volker Schulte

Die Fußball-Regelhüter des IFAB besprechen Ende Oktober eine revolutionäre Abseitsregel, die Angreifer bevorteilen würde. Und längere Halbzeitpausen zugunsten von Showeinlagen.

Das Abseits gehört zu den großen Streitpunkten im Fußball-Regelwerk, besonders seit der Einführung des Videobeweises. Denn seitdem werden mitunter Tore zurückgenommen, bei denen der Video-Assistent erst nach minutenlangem Prüfen festgestellt hat, dass sich ein Körperteil des Angreifers wenige Zentimeter im Abseits befand.

"Deshalb müssen wir prüfen, ob wir die Abseitsregel anpassen müssen", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino beim FIFA-Kongress am 21. Mai. "Vor Einführung des VAR galt für die Schiedsrichter: Im Zweifel für den Angreifer. Mit VAR gibt es keine Zweifel mehr."

Revolutionäre Abseits-Änderung wird getestet

Eine Reformidee, vorangetrieben von FIFA-Entwicklungsdirektor Arsene Wenger, soll solche knappen Abseitssituationen verhindern und würde den Angreifern einen deutlichen Vorteil verschaffen. Demnach befände ein Spieler erst im Abseits, wenn er sich komplett vor der Abseitslinie befindet, also Licht zwischen ihm und dem Verteidiger zu sehen ist. Die Arme blieben als Körperteile, mit denen der Angreifer kein Tor erzielen darf, weiterhin ausgenommen.

Infantino rechnete vor, dass in der vergangenen Premier-League-Saison im Schnitt vier Abseitspositionen gegeben hatte. "Mit der neuen Regel wären zwei davon kein Abseits gewesen. Vielleicht wären ein paar Tore zusätzlich gefallen", sagte Infantino. "Natürlich müssen wir aber schauen, welchen Einfluss die Regel auf das Spiel hätte. Deshalb testen wir sie in Amerika und China, Professor Arsene Wenger überwacht diese Tests." Allerdings werden die Tests nach Sportschau-Informationen wohl erst Anfang 2022 starten, da viele Turniere pandemiebedingt ausgefallen sind.

Abseits auf der Tagesordnung

Das International Football Association Board (IFAB) legt die globalen Fußballregeln fest und wird sich am 27. Oktober unter anderem mit den Abseits-Versuchen beschäftigen. Sie stehen auf der am Freitag (15.10.2021) veröffentlichten Tagesordnung für die Sitzung des Fußball- und Technik-Beratungsgremiums.

Dieses Gremium aus Spielern und Schiedsrichtern hilft dem IFAB bei der Entscheidungsfindung. Regeländerungen kann allerdings nur die Jahresversammlung beschließen, die in der Regel im Februar oder März stattfindet. Dem Weltverband FIFA gehören vier der acht IFAB-Stimmen, er hat also großen Einfluss.

Automatische Abseitsmeldung schon bei der WM 2022?

Wenger deutete am Dienstag bei einem Pressegespräch in Paris zudem an, dass Abseits-Situationen schon bei der WM 2022 in Katar automatisiert bewertet werden könnten. "Es gibt eine große Chance, dass dies schon im kommenden Jahr passiert. Mehr kann ich jetzt nicht sagen, aber das wird die nächste große Entwicklung bei den Schiedsrichtern", sagte der frühere Weltklasse-Trainer. Die Technologie könnte nach FIFA-Angaben ähnlich wie die Torlinientechnik ein Signal an den Schiedsrichter senden, ohne eine Entscheidung zu treffen.

Längere Pausen für Halbzeit-Shows?

Thema in der IFAB-Gremiumssitzung ist auch die noch bis Ende 2022 gültige Pandemie-Sonderregel, nach der fünf statt drei Spielerwechsel möglich sind. Denkbar ist, dass die Zahl der Wechsel auch nach der Pandemie dauerhaft erhöht bleibt.

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung: die Länge der Halbzeitpause. Der südamerikanische Verband Conmebol hatte mit Blick auf Endspiele wie bei der Copa Libertadores eine Verlängerung von 15 auf 25 Minuten vorgeschlagen. Das soll bessere Halbzeitshows nach Vorbild des Super Bowls im American Football ermöglichen. Vor zwölf Jahren hatte die FIFA bereits vorgeschlagen, die Pause auf 20 Minuten zu verlängern. Der Vorstoß war abgelehnt und als kommerzieller Schritt bewertet worden.

Stand: 15.10.2021, 15:52

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