Österreich bleibt nur noch ein kleiner Strohhalm

Österreicherischer Cheftrainer Franco Foda

Enttäuschende WM-Qualifikation

Österreich bleibt nur noch ein kleiner Strohhalm

Österreich hat in der Qualifikation für die Fußball-WM 2022 den Playoff-Platz verpasst, doch die Hoffnung auf ein Ticket nach Katar bleibt. Ob das aber mit Trainer Franco Foda sinnvoll ist, bleibt fraglich.

Franco Foda gab sich zerknirscht. Er sei dafür "der falsche Ansprechpartner“, sagte er zu Fragen nach seiner Zukunft als österreichischer Nationaltrainer. Sein Team hatte am achten Spieltag der WM-Qualifikation gerade mit 0:1 in Dänemark verloren und seine Chancen auf das Erreichen des Playoff-Platzes endgültig verspielt.

Ein Sieg in Kopenhagen wäre auch ein Wunder gewesen. Schließlich sind die Dänen auf dem Weg nach Katar so etwas wie eine Über-Mannschaft in Europa. Acht Zu-Null-Siege stehen zu Buche. Mit dem Sieg gegen die Alpenrepublik buchte das Team das WM-Ticket endgültig.

Bittere Pleiten gegen Israel und Schottland

Vergeigt hatten die Österreicher den Playoff-Platz schon vorher. Im September verloren sie zunächst nach einer völlig desolaten Vorstellung mit 2:5 in Israel, danach setzte es eine 0:1-Niederlage gegen Schottland. Schon damals hallten "Foda-Raus-Rufe“ durch das Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Ob Foda zu halten ist, erscheint in der Tat fraglich. Seit November 2017 betreut der 55-Jährige das Team und führte es bei der EM 2020 ins Achtelfinale, wo es nur ganz knapp mit 1:2 nach Verlängerung am späteren Europameister Italien scheiterte. Der gebürtige Mainzer war der erste Teamchef, dem es gelang, bei einem großen Turnier in die K.o.-Runde einzuziehen. Die Euphorie um die Mannschaft war damals groß, doch Fodas Kredit scheint jetzt aufgebraucht.

Hintertür Nations League

Der Trainer bleibt kämpferisch. "Ich von meiner Seite habe einen laufenden Vertrag und werde bis zum letzten Tag hier alles geben, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Dazu haben wir beim nächsten Lehrgang die Möglichkeit. Da wollen wir beide Spiele gewinnen, um dann mit einem positiven Gefühl auch ins nächste Jahr zu gehen. Das ist meine Aufgabe“, sagte er.

Und die Hoffnung bleibt. Zu verdanken hat Foda das den abstrusen Qualifikationsregeln. Denn sollten vier Teams aus dem Quintett Frankreich, Belgien, Italien, Spanien und Wales in ihren WM-Qualifikation-Gruppen auf Platz eins oder zwei landen, dürfen die Österreicher dann doch in den Playoffs antreten. Und zwar, weil sie in der vergangenen Saison der Nations League im Pool B ihre Gruppe gewonnen haben. Eine Qualifikation durch die Hintertür wäre also noch möglich. 1998 in Frankreich war Österreich zum bisher letzten Mal bei einer WM dabei.

Keine klare Linie

Doch auch wenn das gelingen sollte, die Probleme sind eklatant. Eine klare Linie war zuletzt nicht zu erkennen. Immer wieder brachte Foda neues Personal. Mal spielte er mit einer Dreierkette und mal im 4-2-3-1-System, das bei der EM zum Erfolg geführt hatte. Es half alles nichts. Österreich präsentierte sich in Israel und gegen Schottland in der Offensive ideenlos und war hinten enorm fehleranfällig. Dass einige Schlüsselspieler wie Marcel Sabitzer, Xaver Schlager, Sasa Kalajdzic, Julian Baumgartlinger und Stefan Lainer ausfielen, darf gegen solche Gegner nicht als Ausrede gelten.

Die Ergebnisse sind insgesamt ernüchternd. In der WM-Qualifikation gelangen bislang nur gegen die Färöer und Moldau Siege. In den sechs anderen Partien holte die ÖFB-Auswahl erst einen mageren Punkt.

Erste Gespräche mit Milletich

Gerhard Milletich, der bald zum neuen Präsidenten des Österreichischen Fußballbundes gewählt werden soll, hatte schon im September erklärt, auch Alternativen für den Posten des Teamchefs in Betracht zu ziehen. "Wir waren gemeinsam Mittagessen, haben über viele Dinge gesprochen. Es war eigentlich ein sehr angenehmes Gespräch. Alles Weitere wird man sehen“, sagte Foda, der über keine Inhalte berichten wollte: "Aber es war ein gutes Gespräch.“

Gegen Israel und Moldau stehen im November noch zwei Heimspiele an. Sollte das Team da erneut patzen, hat Foda in den weiteren Gesprächen wohl denkbar schlechte Karten.

sid/dpa | Stand: 13.10.2021, 10:41

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