Timothy Weah feiert seinen Treffer für die USA gegen Wales

FIFA WM 2022 Timothy Weah - aus dem Schatten des Weltfußballer-Vaters

Stand: 24.11.2022 18:59 Uhr

Beim ersten Spiel der USA hat Timothy Weah etwas geschafft, was seinem Vater George Weah nie gelungen ist: Der einstige Weltfußballer trat nie bei einer WM an - und sein Sohn ist nun sogar Torschütze.

Von Sebastian Hochrainer

Gerade im Profisport haben es Söhne von ehemaligen Legenden nicht leicht. Die Vergleiche mit dem einst so erfolgreichen Vater oder der Mutter, die große Siege feierte, sind unvermeidbar. So ungerecht sie dann aber auch sind, so schwer sind sie auch zu bewältigen. Der Schatten bleibt über die gesamte Karriere im Normalfall zu groß.

Weah senior bei der Heldentat von Weah junior live dabei

Bei Timothy Weah ist das anders. Der Sohn von George Weah, der 1995 zum FIFA-Weltfußballer des Jahres ernannt wurde und heute Präsident seines Heimatlandes Liberia ist, hat etwas erlebt, was sein Vater bei allen Erfolgen nie als Spieler erlebt hat: eine Weltmeisterschaft.

Beim 1:1 gegen Wales feierte Weah junior im Team USA seine WM-Premiere - und traf sogar zur Führung. Ein Erfolgserlebnis, das er am Freitag (25.11.2022) im Spiel gegen England (20.00 Uhr, Livestream und Ticker bei Sportschau.de) gerne wiederholen würde.

Das alles geschah direkt vor den Augen seines Vaters. "Er war hier heute Abend mit meiner Mutter und meinem Onkel", erzählte Weah nach dem Spiel. Es war ein Besuch, der sich für die Familie äußerst gelohnt haben dürfte. Sie waren dabei, als ihr Sohn und Neffe Familiengeschichte schrieb. "Es ist ein Traum, der wahr wird - für jeden Angreifer und jeden Spieler, der bei einer WM trifft", sagte Weah.

George Weah auf der Tribüne

Timothy wollte nur für die USA spielen

Dass er diese Gelegenheit bekam, liegt daran, dass er für eine andere Nation antritt als sein Vater zu dessen aktiver Zeit. Heute lenkt Weah senior die politischen Geschicke Liberias, in den 90er-Jahren stürmte er für das Land. 61 Spiele machte er für sein Heimatland, erzielte dabei 22 Tore - das alles jedoch fernab einer Weltmeisterschaft, für die sich Liberia bis heute noch nie qualifizieren konnte.

Liberia, Frankreich, Jamaika oder USA?

Weah junior hätte auch die Möglichkeit gehabt, für die Afrikaner zu spielen - aber eben auch für Frankreich (George Weah wurde vor Timothys Geburt auch französischer Staatsbürger), Jamaika (Heimatland der Mutter) und die USA. Weah wurde in New York geboren, verbrachte mit seiner Mutter die Jugend in dem Land, begann das Fußballspielen dort - und musste nicht groß überlegen, dass er für die Nationalmannschaft der USA spielen möchte. Die Entscheidung sei "sehr einfach" gewesen, sagte er einst.

Eine Karriere mit Dellen

2012 debütierte Weah bereits in der U14, durchlief die weiteren Jugendteams dann solange, bis er 2018 einen Monat nach seinem 18. Geburtstag erstmals für die A-Nationalmannschaft eingeladen wurde. Insgesamt hat Weah seitdem 26 Länderspiele gemacht, gegen Wales gelang ihm sein vierter Treffer.

Vorschusslorbeeren bei Paris St. Germain

Mit heute 22 Jahren blickt der Weltfußballer- und Präsidentensohn jedoch schon auf eine Karriere zurück, die auch von Enttäuschungen geprägt ist. Als Weah A-Nationalspieler wurde, spielte er in der zweiten Mannschaft von Paris St. Germain, wenige Monate später gelang ihm der Sprung ins Profiteam. Er galt als kommender Star, die Verantwortlichen sahen in ihm das Talent des Vaters, der von 1992 bis 1995 für PSG 55 Tore in 138 Partien erzielte - und in seinem letzten Jahr als weltbester Spieler ausgezeichnet wurde.

In Lille fand Weah wieder das Glück

Timothy Weah konnte diese Erwartungen aber keinesfalls erfüllen. Für die Pariser Profis kam er nur sechsmal zum Einsatz, wechselte dann nach Schottland zu Celtic Glasgow, wo es auch nicht allzu gut lief. Der OSC Lille hatte den Glauben an das einstige Supertalent jedoch nicht verloren und investierte zehn Millionen Euro in Weah - der sich vor allem in den letzten Wochen vor der WM nach überstandener Fußverletzung wieder ins Rampenlicht gespielt und einen Stammplatz in Klub und Nationalmannschaft erkämpft hat.

Bei allen persönlichen Schwierigkeiten hat Weah aber auch schon eine ordentliche Titelsammlung. Mit Paris, Glasgow und Lille wurde er jemals Meister, viermal war er mit seinem Team bereits die nationale Nummer eins. "Die Meisterschaft mit Lille war mit Sicherheit einer der besten Momente in meiner Karriere. Es war ein fantastisches Jahr, und ich bin unglaublich stolz darauf, dass ich diese Momente mit meiner Mannschaft teilen konnte", sagte Weah Anfang des Jahres im Interview mit "11freunde".

Das Ziel: "Einer der größten Spieler aller Zeiten"

Im gleichen Gespräch betonte er auch, wie sehr er die Möglichkeit, für die Nationalmannschaft der USA spielen zu dürfen, schätzt. "Gregg Berhalter gibt mir viel Einsatzzeit und ich liebe das Team und meine Mitspieler", sagte Weah.

Dort möchte er jedoch herausragen. Über sich lesen möchte der Außenstürmer mal die Schlagzeile "Timothy Weah - einer der größten Spieler aller Zeiten". "Darauf läuft es bei all der Arbeit hinaus. Ich arbeite definitiv darauf hin, irgendwann auch mal eine Legende zu werden", erklärte Weah. Für seinen Vater dürfte er es nach dem ersten WM-Tor der Familie schon jetzt sein.