FIFA WM 2022 Weltmeister mit 35 Jahren - Messi krönt mit Argentinien seine Karriere

Stand: 19.12.2022 08:10 Uhr

Lionel Messi hat es endlich geschafft: Bei seiner fünften und letzten WM ist der Superstar endlich mit Argentinien Weltmeister geworden. Es ist der Höhepunkt seiner ohnehin schon großartigen Karriere.

Es ist geschafft: Lionel Messi wird nicht als "der Unvollendete" in die Fußball-Historie eingehen. Der Superstar führte seine Argentinier als Kapitän im Endspiel gegen Frankreich (4:2 i.E.) zum ersehnten dritten WM-Titel.

In einem Atemzug mit Diego Maradona

Damit endet für die Südamerikaner eine lange Zeit des Wartens. Vor 36 Jahren in Mexiko (3:2 gegen Deutschland) krönte sich die "Albiceleste" letztmals zum Weltmeister. Damals hieß der absolute Superstar des Turniers Diego Maradona - bei der WM 2022 in Katar hieß er Messi.

Mats Nickelsen, Sportschau, 20.12.2022 15:32 Uhr

Sein komplettes Fußballerleben lang wurde Messi mit Maradona verglichen, bislang blieb "der Goldjunge" unerreichbar für den 35-Jährigen. Trotz unzähliger Titel auf Klubebene und zahlreicher Auszeichnungen (siebenfacher Gewinner des "Ballon d'Or", sechsfacher Sieger bei der Wahl zum FIFA-Weltfußballer des Jahres). Vorbei und vergessen: Jetzt ist Messi der Größte.

2006 sammelte der 18-jährige Messi erste Impressionen

Bei seiner ersten Endrunde 2006 in Deutschland war er noch kein Stammspieler. Er kam damals drei Mal zum Einsatz und erzielte beim 6:0 in der Vorrunde gegen Serbien und Montenegro mit damals 18 Jahren und 357 Tagen auch einen Treffer.

Für die Argentinier war allerdings im Viertelfinale Schluss. Sie scheiterten ohne Messi, der in diesem Spiel nicht zum Einsatz kam, im Elfmeterschießen (2:4) an Gastgeber Deutschland.

Lionel Messi bei seiner ersten WM 2006 gegen die Niederlande

2010 im Viertelfinale gegen Deutschland chancenlos

Vier Jahre später in Südafrika war erneut in der Runde der besten acht Schluss - und wieder erwies sich die DFB-Auswahl als zu stark. Das junge deutsche Team erwischte gegen die Südamerikaner einen absoluten Sahnetag und gewann sensationell deutlich mit 4:0 gegen Messi und Co.. Der damalige Star vom FC Barcelona ging mit seiner Mannschaft unter, Argentinien war chancenlos gegen ein entfesseltes Deutschland.

Der junge Messi, der beim FC Barcelona zu dieser Zeit immer besser und dominanter wurde, kam 2010 in allen fünf argentinischen WM-Spielen über die vollen 90 Minuten zum Einsatz. Allerdings schaffte er es nicht, dem Turnier seinen Stempel aufzudrücken. Ein Treffer gelang ihm nicht, lediglich ein Assist im Achtelfinale gegen Mexiko stand zum Abschluss der WM in seiner Bilanz.

Lionel Messi im Spiel gegen Deutschland bei der WM 2010 in Südafrika

2014 - Top-WM ohne Titel

2014 in Brasilien war Messi wohl auf dem Zenit seines Könnens und schon seit geraumer Zeit der Anführer Argentiniens. Die "Albiceleste" setzte sich in der K.o.-Phase in drei engen Partien gegen die Schweiz, Belgien und die Niederlande durch und zog ins Finale ein. Messi erzielte im Laufe des Turniers vier Treffer.

Lionel Messi im Zweikampf mit dem deutschen Nationalspieler Jerome Boateng im WM-Finale 2014

Im Endspiel hieß der Gegner wieder einmal Deutschland. Und zum dritten Mal in Folge spielte die DFB-Auswahl Schicksal. In einer engen und umkämpften Partie hatten beide Teams die Möglichkeit, sich den begehrten Pokal zu sichern. In der 88. Minute schickte dann Bundestrainer Joachim Löw Joker Mario Götze für Miroslav Klose aufs Feld - begleitet von den Worten: "Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi!" Es kam, wie es kommen musste: Götze entschied das WM-Finale mit seinem Treffer in der 113. Minute - die Argentinier und ihr Superstar hatten erneut das Nachsehen.

2018 eher blass - 2022 überragend

2018 in Russland war schließlich im Achtelfinale Schluss für Argentinien. Dass die "Albiceleste" nach der wahrscheinlich besten Partie des Turniers die Heimreise antreten musste (3:4 gegen Frankreich), dürfte nur ein schwacher Trost gewesen sein. Auch für Messi, der in Russland blass geblieben war.

Nun also das Happy End in Katar. Im Golf-Staat war Messi Kapitän, Anführer und absoluter Leistungsträger der argentinischen Mannschaft. Und er holte nicht nur den ersehnten dritten WM-Titel mit den Südamerikanern, er stellte auch noch jede Menge Rekorde auf. Gegen Polen wurde er mit seinem 22. Einsatz zu Argentiniens WM-Rekordnationalspieler. Im Finale gegen Frankreich wurde er sogar alleiniger WM-Rekordspieler. Mit 26 Einsätzen ließ er in dieser Statistik Lothar Matthäus hinter sich.

Lionel Messi im Spiel für Argentinien gegen Frankreich bei der WM 2018 in Russland

Und noch viel wichtiger: Messi lieferte auf hohem Niveau, war da, als es drauf ankam. Sieben Tore und drei Vorlagen trug der Superstar zum Triumph seiner Mannschaft bei, zweimal traf er alleine im Finale, dazu blieb er im Elfmeterschießen erneut cool.

Messis zweiter großer Titel mit dem Nationalteam

Kaum zu glauben, aber wahr: Es war Messis erst zweiter großer Titel mit dem Nationalteam. Den ersten holte er 2021 bei der Copa America. Messi hatte sein Land damals endlich zum Titel geführt, nachdem die "Albiceleste" mit ihrem Superstar seit 2007 dreimal den zweiten Platz belegt hatte. Und das ausgerechnet in Brasilien, beim Erzrivalen. Mit vier Treffern war er Torschützenkönig des Turniers, zudem waren ihm fünf Vorlagen gelungen.

An diese Leistungen knüpfte er nun in Katar an. Und er holte endlich den ersehnten WM-Titel. Auch ohne den Goldpokal wäre Messi zwar einer der Größten seines Sports gewesen. Fast 700 Pflichtspieltore und über 300 Vorlagen alleine beim FC Barcelona, insgesamt 35 Titel, dazu fast unglaubliche 172 Länderspiele, in denen ihm 98 Treffer und 55 Vorlagen gelangen.

Doch erst mit dem WM-Titel ist seine fußballerische Lebensleistung komplett. Messi hat es geschafft - bei seinem letzten Weltturnier. Seinen vor der Partie angekündigten Rücktritt nahm er dann auch prompt nach der Partie zurück - "Ich möchte noch ein paar Spiele als Weltmeister bestreiten", sagte er.

Aber er muss nichts mehr beweisen, auch nicht im Trikot Argentiniens. Denn spätestens jetzt steht er auf einer Stufe mit Diego Maradona. Mindestens.