Union Berlin besiegelt Fortuna Düsseldorfs Abstieg

Enttäuscht: Düsseldorfs Steven Skrzybski

1. FC Union Berlin - Fortuna Düsseldorf 3:0

Union Berlin besiegelt Fortuna Düsseldorfs Abstieg

In Angst erstarrt: Fortuna Düsseldorf ist bei Union Berlin sang- und klanglos untergegangen und zum sechsten Mal in der Klubgeschichte aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen.

Keine Leidenschaft, kein Kampf, kaum Torgefahr: Fortuna Düsseldorf hat am letzten Bundesliga-Spieltag bei Union Berlin eine verdiente 0:3 (0:1)-Niederlage kassiert und damit noch den Relegationsplatz an Werder Bremen verloren. Als Tabellenvorletzter ist die Fortuna am Samstag (27.06.2020) nach zwei Jahren im Fußball-Oberhaus direkt in die 2. Liga abgestiegen.

Düsseldorfs Niederlage leitete ausgerechnet ein Ex-Bremer ein: Anthony Ujah erzielte in der 26. Minute das 1:0 für Union. In der zweiten Halbzeit legte Christian Gentner das 2:0 (54.) nach, der eingewechselte Suleiman Abdullahi (90.) sorgte für den Endstand.

Anthony Ujah: "Natürlich habe ich auch viel an Werder gedacht"

Sportschau 27.06.2020 02:07 Min. Verfügbar bis 27.06.2021 ARD Von Jakob Rüger

Rösler: "Eine unheimliche Leere"

Düsseldorfs Trainer Uwe Rösler zeigte sich nach dem Schlusspfiff am Sportschau-Mikrofon tief deprimiert: "Es hat am Ende leider nicht gereicht. Es tut mir leid für unsere Fans, für den Verein. Alle erleben gerade eine unheimliche Leere. Wir müssen jetzt erstmal Abstand gewinnen." Fortunas Routinier Adam Bodzek sagte der Sportschau zerknirscht: "Wir hätten es heute richten können, mit einem Sieg in die Relegation zu kommen. Wenn man dann im letzten Spiel so die Klasse verliert, das ist natürlich nicht schön." Unions Trainer Urs Fischer hingegen freute sich noch einmal über den schon am 32. Spieltag erreichten Klassenerhalt und den Sieg: "Meine Mannschaft hat eine herausragende, tolle Saison gespielt."

Uwe Rösler: "Die Tore heute waren zu billig" Sportschau 27.06.2020 00:39 Min. Verfügbar bis 27.06.2021 Das Erste

Offensive Düsseldorfer Aufstellung

Die Düsseldorfer gingen mit einem Zwei-Punkte-Vorsprung und eine um vier Treffer bessere Tordifferenz gegenüber Bremen ins Saisonfinale. Trotz der besseren Ausgangssituation agierten die Rheinländer augenscheinlich wie vor Angst gelähmt. Die frühe und hohe Bremer Führung gegen den 1. FC Köln hatte wohl zusätzliche Verunsicherung geschürt. Dabei hatte Fortuna-Trainer Rösler verstärkt auf Offensive gesetzt: Er stellte mit Top-Torjäger Rouwen Hennings, Kenan Karaman, Erik Thommy und Steven Skrzybski gleich vier Offensivspieler auf.

Die Abstiegssaison von Fortuna Düsseldorf

Fortuna Düsseldorf ist zum sechsten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Zu viele Spiele wurden aus der Hand gegeben, auch ein Trainerwechsel half am Ende nicht.

Kaan Ayhan (Düsseldorf/Mitte) jubelt nach seinem Tor gegen Bremen im August 2019.

Mit Dodi Lukebakio (Hertha BSC) und Benito Raman (FC Schalke 04), die mit ihren Toren maßgeblich zum vorzeitigen Klassenerhalt beigetragen hatten, verlor die Fortuna vor der Saison ihre Top-Angreifer. Doch die Sorgen über mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive sind schnell verflogen: Zum Auftakt der Spielzeit gewinnt Düsseldorf mit 3:1 bei Werder Bremen und zeigt sich vor dem Tor eiskalt. Kaan Ayhan (Bild) erzielt den dritten Treffer. Nach dem 1. Spieltag ahnt noch niemand, dass Werder am Ende der ärgste Konkurrent im Abstiegskampf werden wird.

Mit Dodi Lukebakio (Hertha BSC) und Benito Raman (FC Schalke 04), die mit ihren Toren maßgeblich zum vorzeitigen Klassenerhalt beigetragen hatten, verlor die Fortuna vor der Saison ihre Top-Angreifer. Doch die Sorgen über mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive sind schnell verflogen: Zum Auftakt der Spielzeit gewinnt Düsseldorf mit 3:1 bei Werder Bremen und zeigt sich vor dem Tor eiskalt. Kaan Ayhan (Bild) erzielt den dritten Treffer. Nach dem 1. Spieltag ahnt noch niemand, dass Werder am Ende der ärgste Konkurrent im Abstiegskampf werden wird.

Aber in den folgenden sechs Spielen bleibt Düsseldorf ohne Sieg und rutscht auf Platz 15 ab. Dabei zeigt die Fortuna keine schlechten Leistungen: In fünf dieser sechs Partien geht das Team von Trainer Friedhelm Funkel mit 1:0 in Führung - so auch beim 1:3 bei Hertha BSC (Foto) am 7. Spieltag.

Gegen Mainz (1:0) feiert Düsseldorf am 8. Spieltag den zweiten Saisonerfolg und bleibt dabei zum ersten Mal in der Saison ohne Gegentor. Im Anschluss zeigt die Fortuna beim 0:2 in Paderborn eine der schwächsten Leistungen in der Hinrunde. Im Derby gegen den 1. FC Köln präsentiert sich die Mannschaft aber wieder in guter Form und feiert nach Toren von Rouwen Hennings und Erik Thommy (Foto) einen verdienten 2:0-Sieg.

Doch Düsseldorf kann keine der sechs folgenden Partien gewinnen. Der bittere Tiefpunkt ist die 0:5-Niederlage bei Borussia Dortmund am 14. Spieltag, bei der die Fortuna nach der Halbzeit erstmals auseinanderfällt. Nach dem 16. Spieltag steht Düsseldorf auf Rang 17. Linksverteidiger Niko Gießelmann (Foto) ist nach dem Spiel enttäuscht.

Am letzten Hinrunden-Spieltag kurz vor Weihnachten beendet Düsseldorf die Negativserie und erarbeitet sich einen 2:1-Erfolg gegen Union Berlin: Der Klub überwintert zumindest auf dem Relegationsplatz. Joker Erik Thommy erzielt mit einem Sonntagsschuss in der letzten Minute das Siegtor und lässt die Düsseldorfer Arena jubeln.

Doch die Freude ebbt nach der Winterpause wieder ab. Nach Niederlagen gegen Bremen und Leverkusen entscheiden sich die Klubverantwortlichen dazu, Trainer Friedhelm Funkel zu entlassen. In der Vorsaison sollte Funkel bereits entlassen werden, aber massive Fan-Proteste und eine Intervention des Aufsichtsrates hatten dies verhindert. Für Funkel war es die letzte Trainerstation in seiner langen Karriere. Einen Tag vorher war er noch als "Düsseldorfs Trainer des Jahres" ausgezeichnet worden. "Ich werde immer einer von euch bleiben und die Fortuna im Herzen tragen", schreibt der 66-Jährige in einem emotionalen Brief an die Fans.

Funkels Nachfolger wird Uwe Rösler, der mit der Fortuna zum ersten Mal eine Bundesligamannschaft trainiert. Unter Rösler stabilisiert sich die Mannschaft etwas und spielt wieder mutiger nach vorne. "Ich bin noch nie mit einer Mannschaft, bei der ich Trainer war, abgestiegen", betont Rösler.

Doch von den nächsten sechs Spielen kann die Fortuna nur eins gewinnen (2:0 gegen den SC Freiburg). Zu leichtfertig verspielt Düsseldorf immer wieder sicher geglaubte Punkte. Beispielhaft dafür steht das Spiel gegen Hertha BSC am 24. Spieltag, in dem Düsseldorf zur Pause 3:0 führt - und sich am Ende mit einem 3:3 begnügen muss.

Bisher konnte die Fortuna zumindest im DFB-Pokal Selbstvertrauen tanken. Nach Siegen gegen Villingen, Erzgebirge Aue und Kaiserslautern zieht Düsseldorf ins Viertelfinale ein, wo der Regionalligist 1. FC Saarbrücken wartet. Der Außenseiter geht in Führung und der Fortuna gelingt erst in letzter Minute der Ausgleich durch Zanka - nach Vorlage von F95-Keeper Florian Kastenmeier. Im Elfmeterschießen zeigt Saarbrückens Torwart Daniel Batz eine überragende Leistung und pariert vier Elfmeter - zuvor hatte er schon in der regulären Spielzeit einen Elfmeter gehalten. Saarbrücken zieht als erster Viertligist in der DFB-Pokal-Geschichte ins Halbfinale ein, Fortuna ist raus.

In der Liga läuft es nicht viel besser. Gegen Schlusslicht Paderborn kommt Düsseldorf nicht über ein 0:0 hinaus, gegen Köln verspielt das Team eine 2:0-Führung (2:2). Am 28. Spieltag feiert die Fortuna mit einem 2:1 über Schalke 04 den vorerst letzten Sieg in der Bundesliga. Rouwen Hennings und Kenan Karaman (Foto) drehen das Spiel nach einem Rückstand.

Relativ früh ist klar, dass es für Düsseldorf wohl "nur" noch um Relegationsplatz 16 gehen wird. Diesen verteidigt die Fortuna bis zum letzten Spieltag. Bei zwei Punkten Vorsprung auf Werder Bremen würde vielleicht ein Unentschieden reichen, wenn Werder im Parallelspiel nicht mit mindestens vier Toren Differenz gegen den 1. FC Köln gewinnt. Doch es kommt anders: Werder fegt Köln mit 6:1 vom Platz, während die Fortuna beim 0:3 bei Union Berlin ein über weite Strecken schwaches Spiel macht und ein wirkliches Aufbäumen vermissen lässt. Fortuna steigt zum sechsten Mal aus der Bundesliga ab.

Fortuna zu ängstlich und passiv

Auf dem Platz schlug sich das nicht nieder. Düsseldorf agierte viel zu passiv, zuweilen geradezu lethargisch. Auch nach zwei vergebenen Chancen durch Kaan Ayhan (12.) und Karaman (16.) blieb das Fortuna-Spiel uninspiriert und zerfahren. Die Quittung folgte alsbald: Nach einer Ecke reagierte Ujah gedankenschnell und stocherte den Ball zum 1:0 über die Linie. Adam Bodzek schlug den Ball erst hinter der Linie zurück ins Feld. Fortunas Abwehrspieler Mathias "Zanka" Jörgensen verletzte sich auch noch bei der Entstehung des Gegentores und musste ausgewechselt werden.

Kaan Ayhan: "Fühlt sich heute unfair an"

Sportschau 27.06.2020 02:24 Min. Verfügbar bis 27.06.2021 ARD Von Jakob Rüger

Erst danach versuchten die Düsseldorfer, den Druck zu erhöhen. Trainer Rösler, der über die hohe Führung der Bremer informiert war, coachte noch engagierter an der Seitenlinie. Doch seine Spieler leisteten sich zu viele Fehler im Aufbauspiel - so wie Kevin Stöger, der kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einem unnötigen Ballverlust beinahe das 0:2 durch Marius Bülter eingeleitet hätte.

Reaktionen zum Düsseldorfer Abstieg: "Entschuldigen uns" Sportschau 27.06.2020 00:55 Min. Verfügbar bis 27.06.2021 Das Erste

Sechster Bundesliga-Abstieg insgesamt

Auch nach dem Seitenwechsel kam von den Gästen einfach zu wenig. Die Berliner Defensive hatte kaum Schwierigkeiten, die Angriffe der Düsseldorfer schon vor dem Strafraum zu stoppen. Nach dem 0:2 gingen die Köpfe der Düsseldorfer noch tiefer nach unten. Die Fortunen bemühten sich zwar weiter, kamen aber über das reine Bemühen in keiner Phase des Spiels hinaus. Am Ende fingen sie sich dann noch das 0:3, das sportliche Schicksal war aber schon vorher besiegelt. So stand am Ende der sechste Bundesliga-Abstieg der Düsseldorfer Vereinsgeschichte.

Fußball · Bundesliga · 34. Spieltag 2019/2020

Samstag, 27.06.2020 | 15.30 Uhr

Wappen 1. FC Union Berlin

1. FC Union Berlin

Gikiewicz – Trimmel, M. Friedrich, K. Schlotterbeck, K. Reichel – Kroos (61. Malli), Prömel (66. Becker) – Bülter (81. Parensen), Gentner, Mees (62. Schmiedebach) – Ujah (61. Abdullahi)

3
Wappen Fortuna Düsseldorf

Fortuna Düsseldorf

Kastenmeier – Mat. Zimmermann, Ayhan, Zanka (29. A. Hoffmann), Gießelmann (62. Suttner) – Stöger, Bodzek (62. Morales), Thommy – Karaman (74. J. Zimmer), Skrzybski (62. Kownacki), Hennings

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Ujah (26.)
  • 2:0 Gentner (54.)
  • 3:0 Abdullahi (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Kownacki (4 )

Schiedsrichter:

  • Harm Osmers (Hannover)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Stand der Statistik: Samstag, 27.06.2020, 17:39 Uhr

Wappen 1. FC Union Berlin

1. FC Union Berlin

Wappen Fortuna Düsseldorf

Fortuna Düsseldorf

Tore 3 0
Schüsse aufs Tor 7 3
Ecken 6 10
Abseits 2 1
gewonnene Zweikämpfe 89 105
verlorene Zweikämpfe 105 89
gewonnene Zweikämpfe 45,88 % 54,12 %
Fouls 15 5
Ballkontakte 535 661
Ballbesitz 44,73 % 55,27 %
Laufdistanz 116,65 km 115,64 km
Sprints 192 203
Fehlpässe 76 75
Passquote 77,18 % 82,56 %
Flanken 3 17
Alter im Durchschnitt 28,8 Jahre 28,1 Jahre

sid/dpa/red | Stand: 27.06.2020, 18:40

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München3482
2.Bor. Dortmund3469
3.RB Leipzig3466
4.Bor. M´gladbach3465
5.Bayer Leverkusen3463
 ...  
16.Werder Bremen3431
17.Fort. Düsseldorf3430
18.SC Paderborn 073420
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