Unruhige Zeiten für Borussia Mönchengladbach

Enttäuschte Gladbacher Spieler

Fußball

Unruhige Zeiten für Borussia Mönchengladbach

Von Frank van der Velden

Mit großen Ambitionen hatte Trainer Adi Hütter seinen neuen Job bei Borussia Mönchengladbach angetreten, doch nach der Niederlage bei Union Berlin ist der Fehlstart perfekt. Der Kader ist in der Breite nicht gut genug aufgestellt, doch Sportdirektor Max Eberl sind die Hände gebunden.

Jordan Beyer war ein wenig zu bedauern. Erstmals seit April stand der 21-Jährige in der Startelf von Borussia Mönchengladbach. Im Bundesligaspiel bei Union Berlin machte er seine Sache zunächst sehr gut. Bis zur 22. Minute. Denn da verlor er 30 Meter vom dem Tor im Spielaufbau den Ball, und die "Eisernen" nutzen das gleich mal zum Konter und zum Führungstreffer durch Niko Gießelmann.

Am Ende verloren die "Fohlen" im Stadion "An der alten Försterei" mit 1:2. Taiwo Awoniyi hatte kurz vor der Pause für die Berliner nachgelegt, der Anschlusstreffer von Jonas Hofmann kam zu spät. Der Fehlstart der Gladbacher in die neue Saison ist damit perfekt. Nach drei Spieltagen hat das Team nur einen Punkt und damit eben noch keinen Sieg auf dem Konto. Viel zu wenig für die eigenen Ambitionen, die da heißen: Europapokal-Teilnahme.

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Nur wenige Alternativen für Hütter

Der Kader gibt das auch her, wenn er denn komplett ist. Ist er aber nicht. Beyer, der in der vergangenen Saison mehr Spiele in der Regionalliga West als in der Bundesliga absolviert hat, ersetzte in Berlin den mit dem Coronavirus infizierten Matthias Ginter - einen Nationalspieler.

Das zeigt, welche Möglichkeiten der neue Gladbacher Trainer Adi Hütter in der aktuellen Verletztenmisere hat. Eine Alternative zu Beyer wäre Tony Jantschke gewesen, der zwar viel Erfahrung hat, aber mittlerweile nicht mehr der Schnellste und auch nicht mehr erste Wahl ist.

Probleme vorne wie hinten

Auf der rechten Seite verteidigte der 18-Jährige Joe Scally für den verletzten Stefan Lainer. Das tat er souverän, doch gerade in der Offensive vermag er nicht die Kraft von Lainer zu entwickeln, der wegen eines Knöchelbruchs lange ausfällt.

Apropos Offensive: Dort agierte der junge Hannes Wolf ein ums andere Mal eher unglücklich und war weit davon entfernt, Marcus Thuram und Breel Embolo zu ersetzen, die beide verletzt sind.

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Viel Unruhe

Zusätzlich zum Verletzungspech gab es in den Tagen vor der Partie jede Menge Unruhe rund um den Borussia-Park. Jonas Hofmann und Matthias Ginter sollen bei Bayern München im Gespräch sein, auch die Zukunft von Denis Zakaria ist vor dem Ende der Transferperiode am 31. August noch nicht geklärt.

Laut Sportdirektor Max Eberl bleibt das Trio dem Klub aber erhalten. Dabei hätte ein Transfer von Ginter oder Zakaria Sinn gemacht. Beide gehen in ihr letztes Vertragsjahr und wären nach Ende der Saison ablösefrei zu haben.

Wie anderen Vereinen auch fehlt es der Borussia in Zeiten der andauernden Corona-Pandemie an Geld. Eberl müsste eigentlich zumindest für die noch länger fehlenden Lainer und Thuram Ersatz finden, kann er aber nicht. Weil kein Spieler den Klub verlässt, kann auch keiner kommen. 

Offensiv viel zu schwach

Das alles darf die Leistungen der Gladbacher in Berlin vor allem in der Offensive aber nicht entschuldigen. Denn dort spielten neben Hofmann ja auch noch Alassane Pléa und Lars Stindl vor den beiden Sechsern Florian Neuhaus und Christoph Kramer.

Doch Gladbach blieb lange viel zu harmlos. Kurz vor der Halbzeit hätte Jonas Hofmann den Anschluss erzielen müssen. Neuhaus setzte den Nachschuss kläglich am Tor vorbei. Trotz viel Ballbesitz ließ die Borussia die Genauigkeit in den Offensivaktionen vermissen. Union stand tief und verteidigte die Anläufe der Gäste sauber weg. Die Flanken waren zu lasch und zu ungenau, ebenso Hofmanns Eckbälle.

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Hütter: "Stahlhelm auf"

Die anstehende Länderspielpause kommt Hütter jetzt gewiss gerade recht. Die Borussen müssen sich sammeln und die Wunden lecken. Gegen Arminia Bielefeld am nächsten Spieltag ist ein Sieg Pflicht. In den Kader zurückkehren könnte dort jedoch allenfalls Ginter. "Eine bittere Pille, eine bittere Niederlage", sagte Hütter: "Wir müssen wieder punkten, damit wir der Kapelle nicht hinterherlaufen."

Ob das Spiel in Berlin bei Eberl einen Sinneswandel in Sachen Transfers bewirkt, ist nicht anzunehmen. Er gilt schließlich auch in Krisenzeiten als sehr besonnener Sportdirektor. "Unser Kader für die Saison steht", sagte der 47-Jährige.

Kein Ersatz für die Langzeitverletzten und ein Fehlstart: Den Gladbachern stehen unruhige Zeiten bevor, doch zu ändern ist das wohl nicht. Hütter bringt es auf den Punkt: "Stahlhelm auf, da müssen wir durch."

Stand: 29.08.2021, 19:00

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