Köln löst Blockade in Dortmund

Köln jubelt über das Tor von Ellyes Skhiri

Erster Saisonsieg für den FC

Köln löst Blockade in Dortmund

Der 1. FC Köln feiert in Dortmund das unverhoffte Ende der Sieglos-Serie. Ähnlich wie in der Vorsaison findet Coach Markus Gisdol unter Druck die richtigen Mittel.

Kölns Spieler und Verantwortliche wollten die Euphorie kaum zurückhalten, nach dem unverhofften 2:1-Erfolg bei Borussia Dortmund, dem ersten Sieg der Saison und dem Ende einer langen Negativserie. "Wir haben diese drei Punkte herbeigesehnt, da sind uns viele Steine vom Herzen gefallen", sagte FC-Torhüter Timo Horn am WDR-Mikrofon. Dass die Durststrecke ausgerechnet in Dortmund enden würde, bei einem "eigentlich übermächtigen Gegner“, so Horn, dies habe die Mannschaft vorher selbst kaum für möglich gehalten. Für Trainer Markus Gisdol war der Sieg, der erste seit dem vergangenen März, ein Zeichen dafür, dass "wir nicht verflucht sind und noch Spiele gewinnen können."

Köln 18 Spiele ohne Sieg

Exorzisten sind zwar keine gesichtet worden rund um das Kölner Geißbockheim. Und auch keine Voodoopriester, die den angrenzenden Stadtwald nach verwunschenen Gegenständen umgraben. Doch auch FC-Keeper Horn gab im Anschluss zu, dass die quälend lange Serie von 18 Spielen ohne Sieg, die in der Vorsaison nach der Corona-Spielpause angefangen hatte, längst zu einem psychologischen Ballast geworden war, den die Mannschaft mit in jedes Spiel schleppte: "Es ist mega-frustrierend, im Training hart zu arbeiten, Woche für Woche, und dann am Ende jedes Mal mit leeren Händen dazustehen."

Kölns Horn: "Vorbildlicher Kampf"

Sportschau 28.11.2020 02:21 Min. Verfügbar bis 28.11.2021 ARD Von Jan Wochner


"Natürlich hat die Sieglos-Serie genervt. Wir sind froh, nicht mehr damit konfrontiert zu werden", sagte auch Sportdirektor Horst Heldt am Sportschau-Mikrofon. "Dass das jetzt passé ist, das war wichtig. Jeder Einzelne kann jetzt mal durchatmen, das müssen wir jetzt auch genießen.

Kölner Blockade

Die zunehmend blockierten Auftritte hatten zuletzt mehr und mehr an die Abstiegssaison vor drei Jahren erinnert, als der FC sogar bis Weihnachten einem Ligasieg hinterherrannte und sich davon auch nicht mehr erholte. Auch in der aktuellen Spielzeit überließen die Kölner mit beängstigendem Automatismus die Punkte dem Gegner. Immer wieder schwächte sich der FC selbst durch Fehler und unreifes Defensivverhalten und brachte sich durch frühe Gegentore in Bedrängnis. Allein sechs der fünfzehn Gegentreffer kassierte der FC nach teils fahrlässig verursachten Elfmetern, genauso viele wie Schlusslicht Schalke.

Heldt: "Ist doch klar, dass es einen nervt" Sportschau 28.11.2020 00:36 Min. Verfügbar bis 28.11.2021 Das Erste

In der Offensive machten sich zudem die Ausfälle von Kreativspielern wie Jonas Hector und Florian Kainz bemerkbar, der technisch begabte Ondrej Duda muss fast die komplette Last der Spielgestaltung tragen. Die Sturmzentrale ist wegen der rätselhaften Verletzung von Anthony Modeste und nach den Abgängen von Jhon Cordoba und Simon Terodde verwaist, auch Neuzugang Sebastian Andersson ist seit Wochen angeschlagen.

Exemplarisch für Kölns Misere stand die Heimniederlage gegen Union Berlin in der Vorwoche, bei der die Gäste taktisch offensichtlich darauf eingestellt waren, einfach abzuwarten, dass der FC irgendwann Fehler machte, die dann auch zu Toren führten.

Gisdol vom Kölner Boulevard angezählt

Die Alarmstimmung in Köln angesichts der quälend langen Negativserie war zuletzt gewachsen. Dies war auch daran abzulesen, dass die örtliche Boulevardzeitung unter der Woche Kontakt nach Wien aufgenommen hatte, zum früheren Erfolgstrainer Peter Stöger, um die Modalitäten einer möglichen Rückkehr zu diskutieren. Ein deutliches Signal an die Adresse von Trainer Gisdol, dass das Vertrauen der Fangemeinde langsam aufgebraucht sei. Zitiert wurde bei der Gelegenheit auch Präsident Werner Wolf, eine Jobgarantie gebe es für niemanden, so Wolf.

Erfolgreiche Umstellungen in Dortmund

Kölns Coach reagierte vor dem Dortmund-Spiel mit einer Trotzreaktion - ähnlich wie im vergangenen Herbst als er einen Haufen Kölner Talente zu den Profis beförderte und den anschließenden Aufschwung einleitete. In Dortmund stellte Gisdol bei seinem dezimierten Team auf eine Dreierkette in der Abwehr um, hinten rechts gab der 19-Jährige Sava-Arangel Cestic sein Debüt - gegen den hochdekorierten BVB-Sturm um Erling Haaland, Marco Reus und Jadon Sancho. Auch vorne setzte Gisdol mit dem 18-Jährigen Jan Thielmann wieder auf den Jugendstil. Marius Wolf und Ismail Jakobs sicherten auf den Außenbahnen ab und machten zusätzlich Druck auf den Gegner.

Und tatsächlich gewann Köln an Stabilität, Kompaktheit und schaffte es endlich, den Selbstzerstörungsmodus abzustellen. Gisdol lobte im Anschluss die Geschlossenheit und die "abartige Laufleistung" seiner Mannschaft, die mit zunehmender Spieldauer auch den Glauben an sich wiederfand.

Köln profitiert von Dortmunds Nachlässigkeit

Womöglich hatte Gisdol seine Mannschaft vor dem Spiel auch an Dortmunds Mentalitätsprobleme erinnert. Auch gegen Köln schaltete der BVB nach einem Glanzauftritt in der Champions League wieder einmal auf einen gemütlichen Autopiloten - im Glauben, dies würde reichen gegen eine Mannschaft, die nachweislich aber immer noch in der Fußball-Bundesliga spielt. Kaum erstligareif war dagegen das Dortmunder Defensivverhalten bei den zwei FC-Toren, als Ellyes Shkiri, schon in den ergebnisarmen Wochen einer der stärksten Kölner, jeweils einen Eckstoß völlig ungehindert am zweiten Pfosten verwerten konnte. Beim zweiten Treffer hatte er sogar noch genügend Zeit, den Ball zu kontrollieren, bevor er ihn über die Linie drückte.

FC findet auch das Glück wieder

Der BVB fand erst zu spät einen Zugang zum Spiel, hätte aber den Kölner Befreiungsschlag um ein Haar doch noch verhindert, als Haaland Sekunden vor dem Abpfiff die Riesenchance zum Ausgleich aus kurzer Distanz vergab. Die offizielle Nachspielzeit war zu diesem Zeitpunkt schon abgelaufen, das Hadern bei den Kölnern wäre umso größer gewesen. So hat der FC am Ende in Dortmund auch das Glück wieder für sich entdeckt.

mixa/red | Stand: 29.11.2020, 11:45

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