Bundesliga ohne Fans - mehr Nettospielzeit, mehr Gelbe Karten

Eine Spielszene aus der Partie zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05

Erste Erkenntnise nach Coronapause

Bundesliga ohne Fans - mehr Nettospielzeit, mehr Gelbe Karten

Der erste komplette Spieltag in der Bundesliga ohne Zuschauer ist beendet. Es wäre viel zu früh, um von Trends zu sprechen. Aber hier sind die ersten Erkenntnisse.

Mehr Gelbe Karten

Pro Spiel gab es im Schnitt 0,9 Zweikämpfe weniger als zuletzt - aber 1,5 Fouls mehr. Die Folge waren 4,1 Gelbe Karten pro Spiel, vor Corona waren es "nur" 3,7.

Weniger Meter

Im Schnitt legte jede Mannschaft 115,5 Kilometer zurück - 700 Meter weniger als an den ersten 25 Spieltagen.

Hummels: "War eine ganz komische Atmosphäre"

Sportschau 19.05.2020 02:27 Min. Verfügbar bis 19.05.2021 ARD

Respekt vor Schiedsrichtern

Insgesamt erhielten die Zuschauer den Eindruck, dass die Schiedsrichter von den Akteuren wieder als das wahrgenommen wurden, was sie eigentlich sind: Spielleiter. Die Entscheidungen, auch wenn sie strittig waren oder mithilfe des Videoassistenten getroffen wurden, entfachten viel weniger Diskussionen. Über die Außenmikrofone war die Kommunikation der Unparteiischen untereinander deutlich zu verstehen. Das bot interessante Einblicke und half offensichtlich auch den Spielern. Es wurde längst nicht so gestenreich reklamiert wie vor der Coronapause.

Qualität schlägt Mentalität

Vor der Saisonfortsetzung betonten einige Experten, dass angesichts der ungewohnten Atmosphäre ohne Zuschauer die spielerische Klasse noch mehr zum Tragen kommen würde. Gerade in Augsburg (1:2 gegen Wolfsburg) und bei Union Berlin (0:2 gegen Bayern) war dies zu sehen. Der FCA und Union wurden nicht wie üblich von ihren Fans getragen. Die gewohnten Emotionen fehlten im Spiel, Qualität setzte sich durch - wie übrigens auch bei Dortmund gegen Schalke (4:0) und Gladbach in Frankfurt (3:1).

Schwarz-Gelbe Schaltzentrale in der Elf des Spieltages

Am ersten Geister-Spieltag der Bundesliga-Geschichte ist vor allem Borussia Dortmund der Kaltstart gelungen. Gleich vier Spieler des BVB stehen in der Elf des 26. Spieltages. Aber auch bei Gladbach, Leverkusen oder Freiburg gab es "Blitzstarter".

Mainz-Torhüter Florian Müller klärt vor Kölns Mark Uth

Tor - Florian Müller (1. FSV Mainz 05): Der Vertreter des verletzten Robin Zentner war bei beiden Gegentoren machtlos, wenn er aber etwas tun konnte, war er da. Gerade bei den Paraden gegen Skhiri und gegen Cordoba im zweiten Durchgang bewies er seine blitzschnellen Reflexe. Auch seine Ausflüge aus dem Tor hatten an diesem Tag allesamt Hand und Fuß.

Tor - Florian Müller (1. FSV Mainz 05): Der Vertreter des verletzten Robin Zentner war bei beiden Gegentoren machtlos, wenn er aber etwas tun konnte, war er da. Gerade bei den Paraden gegen Skhiri und gegen Cordoba im zweiten Durchgang bewies er seine blitzschnellen Reflexe. Auch seine Ausflüge aus dem Tor hatten an diesem Tag allesamt Hand und Fuß.

Abwehr - Kevin Mbabu (VfL Wolfsburg): Der flinke Wolfsburger Rechtsverteidiger machte gegen Augsburg eine mehr als ordentliche Partie und suchte immer wieder den Weg nach vorne. Mbabu hatte 103 Ballkontakte und brachte 75 Prozent seiner Zuspiele zum eigenen Mitspieler. Dazu gewann er auch drei Viertel seiner Zweikampfduelle. Die Krönung war aber seine Vorlage zum Siegtreffer von Ginczek.

Abwehr - Edmond Tapsoba (Bayer Leverkusen): Dass die beiden Bremer Spitzen Milot Rashica und Davie Selke quasi unsichtbar blieben, war maßgeblich das Verdienst von Tapsoba. Überragende Vorstellung des Innenverteidigers, der die meisten Zweikämpfe auf dem Platz gewann (13) und auch im Aufbau immer wieder zeigte, warum Jonathan Tah derzeit keine Chance mehr auf die Startelf hat.

Abwehr - Mats Hummels (Borussia Dortmund): Außer den Torleuten lief zwar kein Spieler auf dem Platz weniger als Dortmunds Abwehrorganisator, aber das ist ja auch nicht Hummels' Hauptaufgabe. Mit viel Übersicht lenkte er die Dortmunder Abwehr, so dass auch die wenige Momente, die Schalke mal durchkam, nicht gefährlich wurden. Zudem gewann der Routinier starke 91 Prozent seiner Zweikämpfe.

Abwehr - Ramy Bensebaini (Borussia Mönchengladbach): Der Gladbacher Linksverteidiger hat eine starke Saison auch nach zehnwöchiger Corona-Pause in Frankfurt fortgesetzt. Vor dem 2:0 durch Marcus Thuram drang er in den Strafraum ein und legt den Ball dann perfekt in die Mitte. Später blieb er vom Elfmeterpunkt cool und traf zur Entscheidung.

Mittelfeld - Robin Koch (SC Freiburg): Koch (Foto r.) ackerte wie kein anderer auf dem Platz und spulte 12,2 Kilometer ab. Zudem gewann er 86 Prozent seiner Zweikämpfe. Beides starke Werte für einen defensiven zentralen Mittelfeldspieler. Mit etwas Glück wäre er der Mann des Tages geworden. Koch hatte in letzter Minute der Verlängerung das 2:1 erzielt, sein Kollege Lucas Höler stand zuvor aber circa einen Zentimeter im Abseits. Aber das sollte die starke Leistung von Koch nicht schmälern.

Mittelfeld - Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund): Der Portugiese ist fester Bestandteil des Dortmunder Offensiv-Spektakels. Dank seiner Schnelligkeit profitiert er von den glänzenden Anspielen seiner Mitspieler wie Brandt, Hakimi oder Hazard. Im Revierderby feierte er Premiere: seinen ersten Doppelpack in dieser Saison. Wie er es außerdem beim 4:0 schaffte, mit dem linken Außenrist zu schießen, ohne sich die Hüfte auszukugeln, war schon ganz große Fußballkunst.

Mittelfeld - Thorgan Hazard (Borussia Dortmund): Eigentlich stand der Belgier gar nicht in der Startelf der Dortmunder. Dort hatte Trainer Lucien Favre den jungen Gio Reyna vorgesehen. Doch dann verletzte sich der Youngster beim Aufwärmen, und so durfte Hazard doch von Beginn an ran. Es sollte sich lohnen. Hazard zeigte sich spielfreudig, war ein belebender Faktor in der Offensive und torgefährlich. Das 1:0 durch Haaland bereitete er mit starkle Flanke vor, das 3:0 erzielte er nach Brandt-Zuspiel selbst. Auftrag mehr als erfüllt.

Mittelfeld - Julian Brandt (Borussia Dortmund): Der Nationalspieler knüpfte an seine starke Leistungen der Vor-Corona-Zeit an. Das Führungstor leitete er mit schönem Absatztrick auf Flankengeber Hazard ein. Beim 2:0 schickte er ebenfalls mit einem perfekt getimten Ball den Torschützen Guerreiro auf den Weg und auch das 3:0 bereitete Brandt gedankenschnell vor. Das alles wirkt bei Brandt federleicht und stets durchdacht und macht ihn so zu einem der wertvollsten Offensivspieler der Bundesliga.

Angriff - Kai Havertz (Bayer Leverkusen): In der ersten halben Stunde fremdelte Kai Havertz noch mit seiner ungewohnten Mittelstürmer-Position, aber dann ging er zweimal so wuchtig in die Kopfbälle, dass das Spiel entschieden war. Danach glänzte der Nationalspieler immer wieder mit technischen Feinheiten, leitete zahlreiche Angriffe ein und hätte sogar noch das ein oder andere Tor mehr machen können.

Angriff - Alassane Plea (Borussia Mönchengladbach): 36 Sekunden hat Alassane Plea gebraucht, um Borussia Mönchengladbach in Frankfurt in Führung zu bringen. Dabei half ihm auch sein Instinkt als Stürmer. Auch im weiteren Spielverlauf war der Franzose ein ständiger Unruheherd für die Frankfurter Defensive. Toll sein Schuss im zweiten Abschnitt von der Strafraumgrenze, bei dem nur der Innenpfosten seinem zweiten Tor im Wege stand.

Die Elf des 26. Spieltages von sportschau.de.

Anlaufschwierigkeiten

Nicht nur Kölns Trainer Markus Gisdol hatte bei seinem Team Probleme in der Abstimmung und Aufteilung ausgemacht, auch bei den (meisten) anderen lief längst noch nicht alles rund. Die Situation sei vergleichbar mit dem ersten Spieltag nach der Sommerpause, meinte FC-Manager Horst Heldt. Im Vorfeld war viel über den Sonderstatus des Fußballs diskutiert worden, es gab zahlreiche kritische Stimmen gegen den Neustart inmitten der Corona-Krise. Dennoch bescherte die Übertragung dem TV-Sender Sky eine Rekordquote. Mehr als fünf Millionen Fans sahen die Liveübertragungen der Spiele am Samstag im TV und im Livestream. 3,81 Millionen schalteten am Samstagnachmittag bei der Konferenz und den Einzelspielen ein. Allein 2,45 Millionen verfolgten die frei empfangbare Konferenz bei Sky Sport News HD. Der Marktanteil am Nachmittag lag bei 27,2 Prozent.

Fanverband zu Geisterspielen Mittagsmagazin 18.05.2020 02:22 Min. Verfügbar bis 18.05.2021 Das Erste

Mehr Spielzeit

Die Nettospielzeit bei den acht Spielen des Wochenendes betrug im Schnitt 58:17 Minuten. Das ist 1:12 Minute länger als vor der Corona-Pause (57:05 Minuten).

Wechselflut

Da jedes Team nun fünf Spieler pro Begegnung tauschen darf, fiel wie zu erwarten der Wechselrekord: 79 Auswechslungen gab es in den neun Begegnungen, bislang waren auch theoretisch nur 54 möglich.

Heimnachteil

Borussia Dortmunds Derbysieg gegen Schalke - das war's. Ansonsten war für die Bundesliga-Gastgeber am ersten "Geisterspieltag" nicht viel zu holen. Einzig am sechsten Spieltag hatten noch weniger Mannschaften zu Hause gewonnen - nämlich keine.

sid | Stand: 19.05.2020, 15:14

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