Eine Spider-Cam beim Fußball - getestet wurden Intervies im laufenden Spiel.

Fußball | Bundesliga DFL: "Keinerlei Planungen" für Interviews während des Spiels

Stand: 16.05.2022 19:08 Uhr

Interviews während des Spiels per Spider-Cam oder Drohne - diese Idee der DFL wurde bei einer Messe vorgestellt. Die Empörung war groß, die DFL dementiert nun, dass eine konkrete Umsetzung geplant ist.

Von Chaled Nahar

Manjou Wilde vom 1. FC Köln stand am Elfmeterpunkt. Der Ball lag für einen Strafstoß in einem arrangierten Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach bereit, aber die Ausführung musste noch warten. Die Spider-Cam, eine Kamera an Drahtseilen über dem Spielfeld, war zu der Kölner Spielerin runtergefahren. Blechern erklang die Frage: "Bist Du eine erfahrene Elfmeterschützin?" Wilde antwortete: "Ja! In diesem Team noch nicht, ich bin noch ziemlich neu. Aber generell schon, ja."

Zu sehen ist die Szene auf einem Video (ab 00:40 Minuten), das die Deutsche Fußball Liga (DFL) veröffentlicht hat. Interviews auf dem Spielfeld, während das Spiel läuft? Diese Idee wurde bei der Messe "Sports Innovation" in Düsseldorf vorgestellt. Nun ist die Empörung groß.

Große Empörung über Interviews vor dem Elfmeter

Von der ganzen Idee hätte wohl kaum jemand Notiz genommen, wenn nicht der "Kicker" in einem Beitrag zu der Messe diesen Satz aufgenommen hätte: "Die DFL testet gerade auch die Möglichkeit, per Mini-Drohne On-Field-Interviews mit Spielern während des Spiels durchzuführen - vor Elfmetersituationen etwa." Zwar war es im Beispiel die an Seilen hängende Spider-Cam und keine Drohne, der Autor des Textes gab aber letztlich nur wieder, was bei der Messe vorgeführt wurde. Der Satz wurde später vielfach so gedeutet, als ob die Einführung eines solchen Interviewformats bevorstünde und die Idee oft negativ kommentiert.

"Digitalste oder dümmste Liga der Welt? DFL-Chefin (Donata, d. Red.) Hopfen zwischen Innovation und Idiotie" titelte beispielsweise das Portal "90min.de". In sozialen Netzwerken kritisierten viele Menschen eine weitere Entfremdung des Profifußballs von seinen Fans. Die DFL versuchte später, das Thema einzufangen.

DFL: "Es gibt keinerlei Planungen für Drohneninterviews"

"Es gibt keinerlei Planungen für Drohneninterviews", schrieb die Organisation bei Twitter. "Bei der Sports Innovation haben Aussteller mit verschiedensten technologischen Innovationen experimentiert und diese einem Fachpublikum präsentiert - unabhängig davon, ob sie jemals im regulären Spielbetrieb zum Einsatz kommen."

Die Messe bietet vielen Ideen für technische Neuentwicklungen Raum. Man wolle "die digitalste Liga der Welt" werden, sagte Hopfen bei einer Begrüßungsrede auf der Messe. Während in den meisten Bundesliga-Stadien Fans vergeblich von einem stabilen WLAN träumen, um nur die Zwischenergebnisse auf den anderen Plätzen in Erfahrung zu bringen, wird bei der Messe in Düsseldorf der übernächste technische Schritt präsentiert. Einige Ideen von dort werden später umgesetzt, viele landen im virtuellen Papierkorb.

In diesem Jahr wurde beispielsweise vorgestellt, wie mit Augmented Reality für Fans die aktuelle Herzfrequenz oder andere Daten der Spielerinnen und Spieler sichtbar werden. Ein großes Thema war die Personalisierung wie eine individuell zusammengestellte Fernsehkonferenz. Gezeigt wurden für die Produktion von TV-Bildern auch neue Kameras sowie Kameraperspektiven und dabei die Idee mit dem Interview.

Interviews auf dem Spielfeld - ist das erlaubt?

Abgesehen davon, dass die Chance auf eine Umsetzung der Interviews per Spider-Cam während des Spiels nach der Messe noch kleiner sein dürfte als vorher, stellt sich noch eine andere Frage: Wäre das überhaupt erlaubt? In den Spielregeln wird kein Bezug auf Spider-Cams oder Drohnen genommen.

In Regel 4 steht aber: "Spielern (einschließlich Auswechselspielern, ausgewechselten und des Feldes verwiesenen Spielern) ist es nicht erlaubt, irgendeine Form von Elektro- oder Kommunikationsgeräten zu tragen oder einzusetzen."

Spielerin im Interview: "Ich schieße nach links!"

Ein weiteres Hemmnis könnte eine sportliche Einflussnahme sein. Gefragt wurde die Kölner Spielerin Manjou Wilde, in welche Ecke sie schießen werde. Sie kündigte einen Schuss nach links an und sagte mit Blick auf die gegnerische Torhüterin: "Mal sehen, ob sie mir glaubt." Wilde schoss nach rechts, der Ball war im Tor - und die Idee mit den Interviews während des Spiels vielleicht schon wieder Geschichte.