Streit um Fußballerreisen - Flick kündigt Gespräch mit Lauterbach an

Hansi Flick (l.) und Karl Lauterbach

Corona-Pandemie

Streit um Fußballerreisen - Flick kündigt Gespräch mit Lauterbach an

Bayern Münchens Trainer Hansi Flick weist die Kritik am Fußball wegen der Reisen in der Corona-Pandemie zurück und appelliert an die Politik. Dabei wettert er gegen "sogenannte Experten", namentlich gegen Karl Lauterbach. Der studierte Epidemiologe antwortet bei Twitter: "Nicht unfair sein!"

Es würde sehr befremdlich klingen, wenn Karl Lauterbach den Trainer von Bayern München einen "sogenannten Experten" nennen würde, wenn es um Fußball ginge. Schließlich führte Hansi Flick den FC Bayern zu sechs Titeln in nur einer Saison, er wurde als Assistent von Joachim Löw 2014 Weltmeister, spielte selbst in der Bundesliga, auch für den FC Bayern.

Es klang daher sehr befremdlich, als Hansi Flick am Sonntag (14.02.2021) nicht nur ihn, sondern auch jenen Lauterbach als "sogenannten Experten" bezeichnete. Lauterbach, das sagen auch andere Mitglieder seiner Partei, kann sehr anstrengend sein. Er ist seit dem Beginn der Corona-Pandemie Dauergast in Talkshows, gibt etliche Interviews. Er warnt und mahnt, die Wochenzeitung "Die Zeit" überschrieb ein Portrait mit "Der Besser-Wisser".

Karl Lauterbach mag manche nerven, aber er ist eben auch ein studierter Mediziner, seinen Doktortitel erlangte er an der renommierten Harvard-Universität in Boston nach einem Studium der Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. Lauterbach ist kein sogenannter Experte, sondern ein Experte, wenn es um das Coronavirus geht und die damit verbundenen Gefahren. Viele seiner Prognosen trafen ein.

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"Mal was Positives"

Am Sonntag kam es zu einem öffentlich ausgetragenen Streit zwischen den beiden Experten Flick und Lauterbach. Der Fußballtrainer sagte bei der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel der Münchner gegen Arminia Bielefeld: "Ich finde, die sogenannten Experten, die Politik sollen sich zusammensetzen und wirklich mal eine Strategie entwickeln, dass man irgendwann mal wieder Licht im Tunnel sieht. Das ist aktuell zu wenig, gerade für die Bevölkerung, für die Bürger, die nicht in der Situation sind wie wir Fußballer." Es müsse mal "was Positives" verkündet werden.

Treffen "unter vier Augen"

Nach dem 3:3 der Bayern gegen die Arminia am Montagabend schlug Flick versöhnliche Töne an: "Vielleicht ist es ganz gut, wenn ich mich mal mit dem Karl Lauterbach ausspreche. Nicht in einer Talkshow, persönlich unter vier Augen." Er hätte nicht erwartet, dass seine Aussagen "aus der Emotionalität heraus" so hohe Wellen schlagen, meinte Flick.

Zugleich warb er aber um Verständnis dafür. Er habe am Sonntag nicht nur als Trainer, sondern auch als Familienvater, Großvater und ehemaliger Unternehmer gesprochen. "Die Pandemie ist für uns alle eine wahnsinnige Belastung. Das nagt an uns allen, da wird man ein bisschen müde. Viele Menschen leiden, haben extreme Ängste." Zu Lauterbach ergänzte Flick: "Ich bin keiner, der einen Menschen, wenn er einen nicht kennt, in so ein Licht stellen möchte." Grundsätzlich stehe er zwar zu seinen Aussagen, aber: "Das ein oder andere könnte man anders formulieren."

"Sogenannte Experten"

Angesprochen auf die Reisen der Fußballmannschaften, die Rückreise seines Spielers Thomas Müller mit einer Corona-Infektion aus Katar und die Kritik von Lauterbach an eben jenen Flugreisen in Zeiten der Pandemie hatte Flick am Sonntag gesagt: "Der Herr Lauterbach hat immer zu irgendwas einen Kommentar abzugeben."

Das sei vor allem immer dann der Fall, wenn man selbst nicht in der Verantwortung stehe und nur ein Ergebnis bewerten müsse, kritisierte Flick: "So langsam kann man die sogenannten Experten gar nicht mehr hören, auch Herrn Lauterbach."

"Flick soll einfach seine Argumente bringen"

Lauterbach reagierte via Twitter. "'Sogenannte Experten' äußern sich, weil Journalisten sie um Einschätzung bitten. Wenn Hansi Flick anderer Meinung ist, soll er einfach seine Argumente bringen. Dafür muss er nicht Experte sein. Auch andere Argumente zählen. Aber als Amateur Sportler sage ich: nicht unfair sein!"

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Fußball mit "Sonderstatus"

Flick hatte zugegeben, dass der Profifußball in Deutschland einen "Sonderstatus" genieße. Aber für die Berufsausübung unterwerfe er sich auch strengen Regeln. Er selbst sei bereits an die 100-mal getestet worden, sagte Flick. Die Reise nach Katar zur Klub-WM sei berufsbedingt und zwingend notwendig gewesen.

Er habe oft das Gefühl, dass viele versuchten, aus der Situation Profit zu schlagen, um bei der nächsten Wahl mehr Prozente zu bekommen, sagte Flick. "Das ist weit an dem Thema vorbei, welche Aufgabe sie aktuell haben in der Politik: Wirklich gemeinsam daran zu arbeiten, dass es irgendwann mal wieder zur Normalität kommt."

Dagmar Freitag: Müssen über die Sonderrechte des Fußballs reden Sportschau 09.02.2021 04:53 Min. Verfügbar bis 09.02.2022 Das Erste

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm Flick ausdrücklich von der Kritik aus. Sie nehme sich in der schwierigen Zeit nicht zu wichtig. "Sie ist immer vornedran und wird natürlich wie immer auch bewertet, mit allem, was sie macht. Sie ist auch nur ein Mensch, wie wir alle, und wir alle machen Fehler", sagte Flick. "Sie darf auch Fehler machen. Nur wie das bewertet wird von den sogenannten Experten oder Politikerkollegen, ist schon ganz krass."

bar/dpa/sid | Stand: 16.02.2021, 08:47

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