Probleme beim Training für den "Tag X"

 Das von VfL Wolfsburg überlassene Foto zeigt die Spieler Kevin Mbabu () und Ismail Azzaoui, die sich auf Spinningrädern fit halten

Corona und Fußball

Probleme beim Training für den "Tag X"

Von Marcus Bark

Der Spielbetrieb bis mindestens Mai ausgesetzt, ein Mannschaftstraining noch wochenlang verboten: Im deutschen Profifußball gibt es derzeit auch das große Problem der Trainingssteuerung.

Eine Vorbereitung auf den "Tag X", von der im Sport häufig geredet wird, ist überwiegend eine Vorbereitung auf einen schon exakt bestimmten Tag. In den Zeiten der Corona-Pandemie steht das "X" aber tatsächlich für eine Variable.

Die 36 Vereine, die in der Deutschen Fußball Liga organisiert sind, werden am Dienstag (31.03.2020) wahrscheinlich der Empfehlung ihres Präsidiums folgen, den Betrieb bis einschließlich des 30. April auszusetzen. Ob dann am 1. Mai wieder gespielt werden kann, ist fraglich. Vielleicht wird es auch der 15. Mai sein, vielleicht der 31., vielleicht wird es Juni, vielleicht noch später.

Training für ein unbestimmtes Ziel

Ralph Gunesch (damals FC Ingolstadt) grüßt die Fans auf der Tribüne

Fußballer kennen es nicht, auf einen "Tag X" hin zu trainieren. Bei all den physischen und psychischen Belastungen, die wegen der Pandemie auftreten (können), ist die Trainingssteuerung eine weitere. "Das Hauptproblem ist derzeit, dass du nicht weißt, worauf du trainierst", sagte der ehemalige Bundesligaspieler Ralph Gunesch zur Sportschau.

In seinen 15 Profijahren, unter anderem beim FC St. Pauli und 1. FSV Mainz 05, habe er "nach vier, fünf Wochen Sommerpause immer das Gefühl gehabt, drei Jahre nicht mehr Fußball gespielt zu haben". Dabei habe er nach dem reinen Urlaub auch die Trainingspläne verfolgt, die derzeit zu Hause und allein von den Spielern abgearbeitet werden. Zum Einstieg der Vorbereitung mit der Mannschaft sei es in "einfachen Spielformen" darum gegangen, "wieder das Gefühl für den Ball zu bekommen".

Gruppentraining frühestens am 20. April möglich

Seit Mitte März ruht der Fußball in Deutschland, sollte Anfang Mai wieder gespielt werden können, wäre die Spanne zwischen zwei Spielen ein Mittelding zwischen Sommer- und Winterpause, allerdings unter schwierigsten Bedingungen. In den Bundesländern gelten teils unterschiedliche Regelungen, aber es ist wahrscheinlich, dass frühestens am 20. April zumindest in größeren Gruppen wieder auf dem Platz trainiert werden kann.

Gunesch, der 2019 die A-Lizenz als Trainer erwarb und bis zum Stopp als Experte für den Streamingdienst "Dazn" kommentierte: "Am ersten Spieltag brauchst du den besten körperlichen Zustand. Darauf ist der Trainingsplan ausgerichtet. Es geht um eine Periodisierung, die ineinander greift, also um einen richtigen Mix von Belastungen und Pausen, um die richtigen Anteile Kraft und Ausdauer."

Unterschiedliche Ansätze der Klubs

In der aktuellen Phase knapp zwei Wochen nach dem Spielstopp gebe es unterschiedliche Ansätze für Trainerstäbe, so Gunesch: "Es geht um die Frage, körperliche Fitness zu erhalten oder aufzubauen." Florian Kohfeldt hat sich für einen Aufbau entschieden. "Die Situation ist nicht vergleichbar mit der Sommer- oder Winterpause, bei denen es um Regeneration geht. Wir wollen die Zeit nutzen, um individuell konditionelle Reize setzen zu können. Daher haben wir die Spieler bis zum 30. März mit individuellen Trainingsplänen ausgestattet, die nicht der Erhaltung, sondern der Reizsetzung dienen sollen", sagte der Trainer von Werder Bremen den klubeigenen Medien.

DFL-Präsidium empfiehlt Bundesliga-Pause bis mindestens 30. April

Sportschau 24.03.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 24.03.2021 ARD Von Philipp Hofmeister

Bei Bayer Leverkusen sieht das anders aus. "Wir kommen nicht in diese fußballspezifischen Belastungen rein. Wir können nur zu Hause trainieren oder Läufe vor der Haustür machen. Darum geht es darum, möglichst langsam Fitness zu verlieren", sagte Schahriar Bigdeli dem Fachmagazin "kicker". Der viermalige deutsche Meister im Weitsprung ist Athletiktrainer bei den Leverkusenern. "Das sind im Grunde jetzt die Cheftrainer", sagt Ralph Gunesch aufgrund der komplexen Fragen in der Trainingssteuerung: "Es ist derzeit unheimlich schwierig. Da muss jeder seinen Weg finden. Es gibt kein Patentrezept."

Unterschiedliche Voraussetzungen für Klubs

Zumal die Voraussetzungen auch unterschiedlich sind. Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, genau wie Leverkusen noch in der Europa League und im DFB-Pokal vertreten, haben deutlich höhere Belastungen hinter und vielleicht ab Mai vor sich als Konkurrenten. Selbst wenn nur noch die Saison in der Bundesliga beendet werden könnte, hätten die Frankfurter eine Partie mehr auszutragen als 16 andere Mannschaften.

Ihr Spiel bei Werder Bremen war verlegt worden, weil die Hessen nach einer wegen eines Sturms verschobenen Partie in Salzburg nur zwei Tage Pause gehabt hätten. Inzwischen wären alle Klubs froh, wenn sie in einer knappen Taktung die Saison zu Ende spielen könnte. Welche Folgen dies mit Blick auf das Verletzungsrisiko, zu geringen Regenerationszeiten und einer vernünftigen Vorbereitung auf die kommende Saison hätte, ist eine Frage, die auf die "Zeit X" verschoben wird.

Stand: 25.03.2020, 10:00

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