Verstöße von BVB-Spielern gegen Hygienekonzept bleiben wohl ungeahndet

Mit frisch geschnittenen Haaren in der Bundesliga: Jadon Sancho

Friseurbesuch

Verstöße von BVB-Spielern gegen Hygienekonzept bleiben wohl ungeahndet

Von Chaled Nahar

Der Besuch eines Friseurs bei mehreren Spielern von Borussia Dortmund spricht gegen das Hygienekonzept der DFL. Konsequenzen gibt es wohl keine - und es bleibt die Frage, ob das Konzept bald angepasst wird.

Jadon Sancho, Axel Witsel, Thorgan Hazard, Raphael Guerreiro, Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji - gleich sechs Spieler haben Medienberichten zufolge in ihren Privatwohnungen einen Friseur empfangen, der ihnen die Haare geschnitten hat. Das geht die Öffentlichkeit eigentlich wenig an, und von Interesse wäre es auch nicht - doch der Besuch des Friseurs bei den Spielern ist ein Verstoß gegen das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga. Und so wird der Haarschnitt in Zeiten der Coronavirus-Pandemie ein großes Thema.

Hygienekonzept: "Keine Besuche empfangen"

Bei einer Pressekonferenz von Borussia Dortmund, bei der Medienschaffende ihre Fragen im Vorfeld schriftlich einreichen sollten, sah sich Sportdirektor Michael Zorc gezwungen, die Friseurtermine seiner Spieler zu kommentieren. "Wir haben mit dem Friseur gesprochen, wir haben mit unseren Spielern gesprochen. Alle versichern, dass während des Haareschneidens die Hygienemaßnahmen eingehalten worden sind", sagte Zorc. Die Maske sei nur für Fotos abgenommen worden. "Das ist nicht richtig, das haben wir den Spielern klargemacht." Die Darstellung, dass beim Haareschneiden eine Maske getragen wurde, wird allerdings durch Bilder, die der Friseur bei Instagram veröffentlichte und wieder löschte, widerlegt.

Zorc: "Alle versichern, dass die Hygienemaßnahmen eingehalten wurden" Sportschau 04.06.2020 01:10 Min. Verfügbar bis 04.06.2021 Das Erste

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Im Konzept zum Sonderspielbetrieb der DFL steht im Unterpunkt "häusliche Hygiene" ganz deutlich: "Keine Besuche empfangen." Der noch so überfällige Haarschnitt steht also in einer Reihe mit dem Abklatschen der Hertha-Spieler in der Kabine oder dem Zahnpasta-Kauf von Heiko Herrlich während der im Konzept verordneten Quarantäne. Zorc sagte: "Wir sind mit der DFL im Dialog, um diesen Sachverhalt aufzuklären." Und da besteht Gesprächsbedarf.

Unangenehme Gespräche zwischen DFL und BVB

Sanktionen muss der BVB zwar kaum befürchten, da auch Hertha BSC und Heiko Herrlich straffrei davon kamen. Nach Informationen der Sportschau gab es aber zumindest sehr unangenehme Gespräche zwischen der DFL und dem BVB. Denn die DFL, die den Klubs mit dem Konzept die Möglichkeit zum Spielbetrieb lieferte, steht nun erneut in der Kritik, dass sich Akteure aus der Bundesliga nicht an die Vorgaben gehalten haben.

Jeder Ausreißer schadet der Glaubwürdigkeit des Konzepts, das von drei Bundesministerien, der Bundesregierung, der Bundeskanzlerin und den Landesregierungen für tragbar befunden wurde - wenn es denn eingehalten wird. Und das war in Dortmund nicht der Fall.

Ist das Konzept überholt?

Das medizinisch-organisatorische Konzept sowie das Informationshandbuch Diagnostik und Monitoring sind nach einem Beschluss der DFL-Vollversammlung vom 14. Mai nun zwar Teil der Spielordnung. Diese definiert allerdings keine Verstöße und nennt auch keine möglichen Sanktionen. Auch deshalb stand es bisweilen in der Kritik.

Klar ist aber auch: Die Regel, dass der Besuch durch einen Friseur verboten ist, wirkt bei der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung merkwürdig. Und so beginnt die Debatte, wie lange man dieses Konzept eigentlich noch braucht.

Völler fordert Änderung des Konzepts

Rudi Völler, Sport-Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen, fordert schon eine Nachjustierung des Konzepts. "Mittlerweile ist es schwer nachvollziehbar, dass Menschen in Cafés ohne Mundschutz ihren Cappuccino trinken dürfen, während unsere Co-Trainer, die Ersatzspieler und wir Offiziellen auf der Tribüne mit großem Abstand und an der frischen Luft noch eine Maske tragen müssen", sagt er in "Bild". Das Konzept der DFL sei vor sechs Wochen erstellt worden, als ganz andere Rahmenbedingungen herrschten.

"Es ist ein fließender Prozess", sagt Michael Zorc und zeigt sich ebenfalls offen für Veränderungen. "Man kann natürlich darüber nachdenken, ob es noch sinnvoll ist, wenn x-fach getestete Spieler in zwei Meter Abstand eine Maske zu tragen haben. Aber solange wir das Konzept haben, sollten wir es zu hundert Prozent anwenden. Punkt, aus."

Stand: 04.06.2020, 14:46

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