FC Liverpools Trainer Jürgen Klopp

Konaté, Sancho und Bailey folgen De Bruyne, Firmino, Sané und Co. Aus der Bundesliga nach England - Aderlass geht weiter

Stand: 02.08.2021 13:11 Uhr

Mit Ibrahima Konaté, Jadon Sancho, und nun Leon Bailey verliert die Bundesliga erneut drei starke Spieler an die Premier League. Der Aderlass geht weiter. Allerdings spülen die Wechsel auch viel Geld in die Kassen, mit dem nun vor allem in anderen Ländern nach Ersatz gesucht wird.

Von Marcus Bark

Manche, wie Jérôme Boateng, kamen schnell wieder zurück. Manche, wie Edin Dzeko, blieben der Bundesliga bis heute fern. Vor etwa zehn Jahren wechselten die beiden Spieler aus der Bundesliga in die Premier League, Boateng vom Hamburger SV zu Manchester City, ein paar Monate später traf er dort Dzeko, der vom VfL Wolfsburg kam.

Manchester City, zu einem äußerst erfolgreichen Klub geworden dank der Milliarden aus Abu Dhabi, überwies seitdem einige hundert Millionen Euro an Klubs aus der Bundesliga. Wolfsburg kassierte bei Kevin De Bruyne fett ab, Borussia Dortmund bei Ilkay Gündogan, der FC Schalke 04 bei Leroy Sané.

Hunderte Millionen an Ablösesummen

Einen großen Anteil am Umsatz der Bundesliga in den vergangenen Jahren hat auch Roman Abramowitsch, der russische Eigner des FC Chelsea. Kai Havertz, Timo Werner und Christian Pulisic fanden den Weg nach London. Abgegeben wurden sie von Klubs, die schon zuvor überdurchschnittlich gute Bundesligaspieler an die Premier League verloren hatten.

Für Bayer Leverkusen spielten etwa Bernd Leno, Heung-min Son und auch Chicharito, bevor sie auf die Insel wechselten. Vor Werner gab Leipzig Naby Keita nach England ab, wie nun Konaté an den FC Liverpool. Dort trainiert Jürgen Klopp auch Joel Matip, einst beim FC Schalke 04 ausgebildet, und Roberto Firmino, der mal für die TSG Hoffenheim Tore schoss.

Pulisic wurde bei Borussia Dortmund zu einem sehr begehrten Spieler, wie vor ihm Gündogan, Henrich Mchitarjan, Pierre-Emerick Aubameyang und noch früher Shinji Kagawa, der 2012 zu Manchester United wechselte, später dann reumütig zurückkam. Das ist bei Jadon Sancho weniger wahrscheinlich. Mindestens 85 Millionen Euro zahlt United für den englischen Nationalspieler. Nur etwa 60 Millionen davon fließen an den BVB, der wiederum etwa die Hälfte davon an die PSV Eindhoven überweist, weil er aus den Niederlanden Donyell Malen holte, der Sancho ersetzen soll.

Ersatz aus Frankreich

Die Premier League bedient sich an der Bundesliga, diese an der Eredivisie, der österreichischen Bundesliga oder an der höchsten Liga in Belgien. Noch beliebter aber ist die Ligue 1 geworden, denn in Frankreich finden sich viele junge Talente, die häufig noch entwicklungsfähig sind, vor allem auch den Marktwert betreffend. Bei RB Leipzig kommt der Sonderfall des Schwesterklubs aus Salzburg, bei dem wie Keita auch Dayot Upamecano spielte, der - eben nicht in die Premier League wechselte, sondern zum FC Bayern.

Der deutsche Rekordmeister ist der einzige Klub, der den Angeboten aus England widerstehen kann. Das war etwa bei Thomas Müller so, den Manchester United mal haben wollte. Sie bekamen ihn aber nicht, anders als Bastian Schweinsteiger, den wiederum die Bayern nicht halten wollten, genau wie Renato Sanches und Pierre Emile Höjbjerg, die ebenfalls den Weg auf die Insel fanden.

Drei Millionentransfers aus dem Breisgau nach England

Es sind aber nicht nur die Anwärter auf häufige Teilnahmen an der Champions League wie Dortmund, Leipzig, Leverkusen und Wolfsburg, die wichtige Spieler an die Premier League verloren und dadurch viel Geld verdienten.

Der deutsche Nationalspieler Robin Koch wechselte für eine zweistellige Millionensumme zu Leeds United, der türkische Nationalspieler Caglar Söyüncü zu Leicester City. Im Winter 2011/12 erlöste der SC Freiburg die damalige Vereinsrekordablöse von zwölf Millionen Euro für Papiss Demba Cissé, der von Newcastle United verpflichtet wurde.

Mainz mit vielen Exporten

Der 1. FSV Mainz 05 sieht mit Klopp und Thomas Tuchel nicht nur zwei ehemalige Trainer in der Premier League an der Seitenlinie, sondern auch viele ehemalige Spieler, die dort ihr Geld verdienen. Das geht von den Torhütern Loris Karius und Jonas Lössl bis zu Jean-Philippe Mateta, Jean-Philippe Gbamin, Leon Balogun, Yoshinori Muto und Shinji Okazaki.

Das ist schon ein ziemlicher Aderlass, der aber immer wieder gut aufgefangen wurde. Ganz im Gegensatz zum FC Schalke 04, der zwar auch viel Geld von englischen Klubs erhielt, etwa für Sané. Joel Matip, Sead Kolašinac und auch Max Meyer verließen den Klub aus dem Revier allerdings ablösefrei. Der Ruf der Premier League war zu verlockend, selbst als die Schalker selbst noch fürstliche Gehälter zahlten.

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2021
Spieler von zu
Jadon Sancho Borussia Dortmund Manchester United
Ibrahima Konaté RB Leipzig FC Liverpool
Leon Bailey Bayer Leverkusen Aston Villa

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2020
Spieler von zu
Timo Werner RB Leipzig FC Chelsea
Kai Havertz Bayer Leverkusen FC Chelsea
Robin Koch SC Freiburg Leeds United
Thiago FC Bayern München FC Liverpool
Jean-Philippe Mateta 1. FSV Mainz 05 Crystal Palace

Ex-Hoffenheimer Joelinton (l.) im Zweikampf mit Luke Shaw

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2019
Spieler von zu
Joelinton TSG Hoffenheim Newcastle United
Sébastien Haller Eintracht Frankfurt West Ham United
Jean-Philippe Gbamin 1. FSV Mainz 05 FC Everton

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2018
Spieler von zu
Bernd Leno Bayer Leverkusen FC Arsenal
Naby Keita RB Leipzig FC Liverpool
Caglar Söyüncü SC Freiburg Leicester City
Christian Pulisic Borussia Dortmund FC Chelsea
Yoshinori Muto 1. FSV Mainz 05 Newcastle United
Leon Balogun 1. FSV Mainz 05 Brighton & Hove Albion

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2017
Spieler von zu
Chicharito Bayer Leverkusen West Ham United
Sead Kolašinac FC Schalke 04 FC Arsenal
Eric Maxim Choupo-Moting FC Schalke 04 Stoke City
Pierre-Emerick Aubameyang Borussia Dortmund FC Arsenal

Ilkay Gündogan gegen Mahmoud Dahoud

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2016
Spieler von zu
Ilkay Gündogan Borussia Dortmund Manchester City
Leroy Sané FC Schalke 04 Manchester City
Joel Matip FC Schalke 04 FC Liverpool
Granit Xhaka Borussia Mönchengladbach FC Arsenal
Henrich Mchitarjan Borussia Dortmund Manchester United
Loris Karius 1. FSV Mainz 05 FC Liverpool
Ragnar Klavan FC Augsburg FC Liverpool

Tottenhams Heung-Min Son im Spiel gegen Southampton

Auswahl Wechsel aus der Bundesliga in die Premier League 2015
Spieler von zu
Kevin De Bruyne VfL Wolfsburg Manchester City
Heung-min Son Bayer Leverkusen Tottenham Hotspur
Philipp Wollscheid Bayer Leverkusen Stoke City
Roberto Firmino TSG Hoffenheim FC Liverpool
Christian Fuchs FC Schalke 04 Leicester City
Shinji Okazaki 1. FSV Mainz 05 Leicester City
Kevin Wimmer 1. FC Köln Tottenham Hotspur