Fußball | Bundesliga Rudi Völlers Abschied: Tante Käthe, das Lama und die Weißbier-Wut

Stand: 13.05.2022 13:17 Uhr

Rudi Völler verlässt am Samstag (14.05.2022), dem letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga in dieser Saison die große Bühne. In 45 Jahren im Profi-Fußball hat er zwar nicht alle Titel, aber dafür viele Fans gewonnen.

Von Dirk Burkhardt

Am Samstag wird Rudi Völler als Geschäftsführer Sport von Bayer 04 Leverkusen im Rahmen des Heimspiels gegen den SC Freiburg in den finalen Ruhestand verabschiedet. Dann werden sicher einige seiner schönsten und wichtigsten der 362 Profi- und Länderspieltore zwischen 1977 und 1996 gezeigt.

Auch wird man Völler mit dem WM-Pokal 1990 oder 1993 im Trikot von Olympique Marseille mit dem Champions-League-Pott sehen. Aber es sind andere Szenen, die das beschreiben, was Rudi Völlers 45 Jahre im Profi-Fußball ausmachen.

Völler zwischen Brutalo-Foul, Spuckattacke und Wutrede

Rudi Völler, wie er 1985 als Stürmer von Werder Bremen von Bayern-Verteidiger Klaus Augenthaler so derbe im Vollsprint gefoult wird, dass er nach dem Meisterschaftsduell mit dem FC Bayern fünf Monate ausfällt.

Rudi Völler, wie er 1990 im WM-Achtelfinale gegen die Niederlande zu Unrecht die Rote Karte sieht, von Gegenspieler Frank Rijkaard angespuckt wird und wenige Tage später den gewinnbringenden Elfmeter im Finale gegen Argentinien herausholt, den Andreas Brehme zum WM-Triumph veredelt.

Rudelbildung beim Spiel Deutschland gegen die Niederlande: Rijkaard hatte Rudi Völler angespuckt

Rudi Völler im Leverkusen-Trikot, wie er 1996 den weinenden Brehme tröstet, nachdem Bayer 04 am letzten Spieltag ein 1:1 im Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern reicht, um den Abstieg zu vermeiden und Brehmes Pfälzer in die 2. Liga zu schicken.

Rudi Völler, wie er 2003 im Sportschau-Interview mit Waldemar Hartmann als deutscher Teamchef mit seiner legendären "Weißbier-Wutrede" ein müdes 0:0 der Nationalmannschaft in Island verteidigt.

"Scheißdreck, Weizenbier, unterste Schublade" - Völlers Wutrede als DFB-Teamchef

WDR, 12.12.2003 19:25 Uhr

Streitbar und versöhnlich

Diese Szenen beschreiben sehr gut, warum der heute 62-jährige Völler Kult geworden und geblieben ist. In seinem öffentlichen Fußballleben war Völler auf und neben dem Feld geradlinig und manchmal mit den Beinen oder dem Mund schneller, als gut für ihn war.

Aber neben der Fähigkeit, wieder aufzustehen, konnte er auch eingestehen, wenn er über das Ziel hinaus geschossen war. TV-Moderator Hartmann bekam noch im TV-Studio eine Entschuldigung für den Ausbruch.

Völler wirkte nie abgehoben, immer nahbar. Spitznamen wie "Tante Käthe" oder "Rudi Nazionale", das lang gezogene "Ruuuuudi" von den Rängen im Stadion oder den 2002er Ohrwurm "Es gibt nur ein‘ Rudi Völler" ertrug er - oft verschmitzt lächelnd.

Mit dem richtigen Gespür für das Zwischenmenschliche führte er als Teamchef 2002 ein deutsches Team zur Vize-Weltmeisterschaft, dem die heimische Fußballwelt nicht viel zugetraut hatte. Doch als zwei Jahre später bei der EM in Portugal nach der Vorrunde das Aus kam, trat er konsequent zurück.

Abschied nach mehr als 40 Jahren: "Es gibt nur einen Rudi Völler"

Morgenmagazin, 13.05.2022 07:42 Uhr

Zweite Heimat Rom, Triumph mit Marseille

Völlers große Qualität war immer auch das richtige Gespür: Auf dem Platz für den richtigen Moment zum Sprint oder die beste Position für den Abschluss. Neben dem Platz für die richtigen Schritte durchs Karriereleben.

Ob das der Wechsel von Bremen zu AS Rom 1987 war, der ihn zu seiner heutigen Frau sowie zweiter Heimat führte. Oder der Transfer 1992 für zwei Jahre zu Olympique Marseille, der ihm den größten Vereinserfolg bescherte. Oder schließlich 1994 der Wechsel nach Leverkusen, der den Weg in die zweite Karriere ab 1996 ebnete: Immer passten die Entscheidungen für Völler.

Rudi Völler 1993 im Trikot von Olympique Marseille mit dem Champions-League-Pokal

Champions-League-Sieger 1993: Rudi Völler

Na ja, bis auf einmal: Bei seinem Herzenklub AS Rom saß er 2004 fünf Mal auf der Trainerbank und danach nie wieder.

Keine deutsche Meisterschale in der Vitrine

Dass er weder als Spieler noch als Vereinsverantwortlicher deutscher Meister wurde, konnte ihn auch nie aus der Fassung bringen. "Wenn ich gefragt werde: Herr Völler, Sie sind nie deutscher Meister geworden? Dann sage ich: Gut, aber dafür habe ich die richtigen Titel gewonnen", erklärte Völler Anfang 2022 im Sportschau-Interview.

Erfolg? Ja, klar. Aber nicht um jeden Preis. Es musste auch immer menschlich passen.

In Rudi Völler verlässt am Samstag gegen 17.30 Uhr also einer das Rampenlicht der großen Fußball-Bühne, der zwar nicht alles, aber alle gewonnen hat und mit sich im Reinen ist.