Düsseldorf - heimliche Hauptstadt der Fußball-Stars

Kerem Demirbay (v.l.), Florian Neuhaus und Matija Nastasic leben in Düsseldorf

Eine Stadt voller Champions-League-Spieler

Düsseldorf - heimliche Hauptstadt der Fußball-Stars

Von Sebastian Hochrainer

Seit Jahren leben viele Spieler von Champions-League-Mannschaften in Düsseldorf, die heimische Fortuna hat es aber nie geschafft, selbst in ähnliche Sphären zu gelangen. Die Geschichte der Stadt als Wohnort der Stars mit einem Klub ohne Aussicht auf solche.

Dass München die einzige deutsche Stadt in Deutschland ist, die seit 2010 in jeder Saison in der Champions League vertreten war, dürfte niemanden überraschen. Die Nummer zwei in Deutschland ist aber nicht etwa Dortmund, das es seitdem in zwei Spielzeiten nicht in die Königsklasse schaffte, sondern mit Düsseldorf eine Stadt, die fußballerisch in Bezug auf die Champions League eigentlich gar keine Rolle spielt. 

Denn der große Unterschied zu München, Dortmund und anderen ist, dass der heimische Verein in Düsseldorf weit davon entfernt ist, die Stadt im Elite-Wettbewerb des Klub-Fußballs zu vertreten. Aktuell spielt Fortuna Düsseldorf in der zweiten Liga und versucht, in die Bundesliga zurückzukehren. Aber: Die Stadt ist schon seit langer Zeit eine Sammelstelle für Top-Spieler aus den umliegenden Vereinen. 

Gladbacher, Leverkusener und Schalker leben "auswärts"

Profis, die bei Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 ihr Geld verdienen, suchen sich für ihren Wohnsitz gerne die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen aus. Und mindestens einer dieser Klubs war seit 2010 bis auf eine einmalige Ausnahme immer in der Champions League vertreten.

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Anfang des vergangenen Jahrzehnts war vor allem Schalke ein Dauergast in der Champions League. Raúl, einer der Top-Stars des Teams, war einer der Düsseldorfer im Kader. Später entschied sich der extravagante Kevin-Prince Boateng für die Mode-Metropole, viele aus der Mannschaft taten es ihm gleich.

Düsseldorf war für neue Schalker verboten

In Gelsenkirchen war der Wohnort Düsseldorf schon oft ein Streitthema, wenn es nicht so gut lief. Das ging so weit, dass Horst Heldt, Manager auf Schalke von 2011 bis 2016, im Jahr 2015 ein Düsseldorf-Verbot für neue Spieler aussprach. Wer zu S04 wechselte, bekam eine Klausel in seinen Vertrag geschrieben, dass er höchstens 30 Kilometer Luftlinie entfernt vom Klubgelände wohnen darf – was Düsseldorf und auch das ebenfalls beliebte Meerbusch, das nur eine Rheinüberquerung vom Fortuna-Stadion entfernt ist, ausschloss. 

Die Vertragsklausel gibt es heute nicht mehr, Christian Heidel (heute Mainz 05) strich sie ein Jahr später, als er Naldo verpflichtete, der mit seiner Familie unbedingt nach Düsseldorf ziehen wollte, damit seine Kinder auf die internationale Schule gehen konnten. Aber: Im Laufe der aktuellen Saison hat Schalke wieder eine deutliche Empfehlung an seine Spieler ausgesprochen, möglichst nah zu wohnen – worauf mehrere Spieler wie Benjamin Stambouli von Düsseldorf ins Ruhrgebiet umgezogen sind.

Neueste Entwicklungen machen die Stadt noch interessanter

In Gladbach und Leverkusen war der etwas weiter entfernte Wohnort nie ein Problem. Vor allem seitdem die sozialen Medien und ein auffälliger Lebensstil immer wichtiger für die jungen Profis geworden sind, ist Düsseldorf eine beliebte Anlaufstelle geworden. Neuzugänge wie etwa Marcus Thuram, Breel Embolo (beide Gladbach), Lukas Hradecky oder Kerem Demirbay (beide Leverkusen) zog es sofort in die Rheinmetropole. Spieler wie die Borussen Christoph Kramer und Florian Neuhaus sowie etwa Bayer-Stürmer Leon Bailey leben schon länger dort.

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Auf der Straße können Düsseldorfer also immer wieder große Stars treffen. Nur spielen die eben nicht bei der städtischen Fortuna. "Hier wohnen Spieler von Leverkusen, Mönchengladbach und Schalke, aber so schnell werden wir die finanziellen Mittel nicht so sehr vergrößern können, um solche Spieler dann auch bei der Fortuna zu haben”, sagt Klaus Allofs, der im Sommer als Vorstand bei F95 installiert wurde und den Verein in eine bessere Zukunft führen soll, im WDR-Gespräch.

"Die Rahmenbedingungen bei der Fortuna waren in den vergangenen Jahren und auch Jahrzehnten nicht so, dass man ernsthaft über die Champions League nachdenken konnte. Man war in der ersten Liga und hätte sich da auch festigen können, aber ansonsten ist der Standort wunderbar und wir haben gute Voraussetzungen, aber die sind noch nicht Champions-League-reif.” 

2012/13 trennte Fortuna nicht viel von Gladbach

Aber Fortuna hat es in den vergangenen Jahren auch verpasst, sich in diese Richtung zu entwickeln. Borussia Mönchengladbach sicherte sich 2011 im letzten Moment in der Relegation noch den Klassenerhalt und war auch finanziell schlecht aufgestellt. In der Saison 2012/13 waren beide Klubs noch nahezu auf Augenhöhe, in der Bundesliga war Fortuna nach dem 6. Spieltag Sechster, Gladbach zum gleichen Zeitpunkt auf Platz 13. Im DFB-Pokal besiegte Düsseldorf in der 2. Runde die Borussen.

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Peter Frymuth, der heutige DFB-Vizepräsident und Präsident des Westdeutschen Fußballverbandes und Fußballverbandes Niederrhein, war damals der Klub-Boss der Fortunen. “Wenn man sieht, wie nah wir 2012/13 Gladbach waren, dann muss man schon sagen, dass die Klubs eine sehr unterschiedliche Entwicklung genommen haben”, sagt Frymuth im WDR-Gespräch.

RB-Millionen hätten auch in Düsseldorf landen können

Während seiner Amtszeit von 2004 bis 2014 ist die Fortuna von der vierten Liga ins Oberhaus durchmarschiert. In dieser Zeit hätte es auch eine - wie man heute weiß große - Chance auf eine noch erfolgreichere Zukunft gegeben. Der “Red Bull”-Konzern hatte Fortuna Düsseldorf als Möglichkeit für sein Sportsponsoring-Vorhaben auserkoren. Die Verantwortlichen der Fortuna haben aber schnell klargemacht, dass die Werte des Vereins mit diesem Modell nicht vereinbar seien. So war zumindest aus Düsseldorfer Sicht der Weg für die Gründung von RB Leipzig im Jahr 2009 frei. 

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Für die eigenen Grundsätze hat der Verein eine Möglichkeit ausgeschlagen, dass heute die Star-Spieler der Stadt auch im eigenen Klub spielen könnten. “Natürlich würde der Fortuna der ein oder andere dieser Spieler gut zu Gesicht stehen, darüber wird in Düsseldorf auch gesprochen. Aber dafür ist es erforderlich, dass sich der Klub in eine erfolgreichere Richtung entwickelt, was bedeutet, dass er nicht nur wieder aufsteigt, sondern sich auch langfristig in der Bundesliga etabliert. Die Möglichkeiten dazu sind in Düsseldorf gegeben”, sagt Frymuth. 

Skeptischer Allofs

Bis die besten Profifußballer zukünftig nicht mehr woanders ihrem Job nachgehen, müsste bei der Fortuna viel passieren. Sofern es überhaupt möglich sein wird. “Das schaffen wir nicht. Das kann ich so klar sagen. So schnell werden wir die finanziellen Mittel nicht vergrößern können, um diese Spieler zu uns zur Fortuna zu holen”, sagt Allofs. 

Matthias Ginter (r.) hat für Borussia Mönchengladbach alle Spiele bestritten

Matthias Ginter (r.) hat für Borussia Mönchengladbach alle Spiele bestritten.

So wird Düsseldorf auch in den nächsten Jahren wohl nur der Wohnort der Top-Kicker anderer Vereine sein. “Wir haben uns dazu entschieden, dass das für uns gut passen würde, weil ich dann keine so weiten Wege habe und wir trotzdem schnell irgendwo sind, wo mehr los ist, wenn wir Action brauchen”, sagt Gladbachs Matthias Ginter, der in Meerbusch lebt und mehrere Teamkollegen wie Jonas Hofmann, Lars Stindl oder Marcus Thuram in der unmittelbaren Nachbarschaft hat. 

Stand: 11.01.2021, 18:38

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