Mick Schumacher - die Formel 1 als logischer nächster Schritt

Mick Schumacher: "Habe es noch nicht hundert Prozent realisiert" Sportschau 02.12.2020 01:39 Min. Verfügbar bis 02.12.2021 Das Erste

Cockpit bei Haas

Mick Schumacher - die Formel 1 als logischer nächster Schritt

Von Marco Schyns

Mick Schumacher fährt ab 2021 in der Formel 1 und geht damit den nächsten, wichtigen Schritt. Die erste Saison im Haas wird schwierig, aber seine bisherige Karriere zeigt: Erst im zweiten Jahr geht es so richtig los. Ein Porträt.

März 2019: Mick Schumacher geht als Meister der Europäischen Formel-3-Serie in seine erste Saison in der Formel 2. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg in die Königsklasse des Motorsports. Der Begriff Formel 1 schwebt schon damals über seinem Namen, auch wenn er sich selbst bewusst zurückhält, wenn das Thema aufkommt. Zu stark ist die Konkurrenz, zu groß sind die Unwägbarkeiten im Motorsport. Stattdessen bleibt er seiner bisherigen Karrierelinie treu: Schritt für Schritt nach vorne.

Als er eine Woche nach seinem 20. Geburtstag beim ersten Rennen in Bahrain (30.03.2019) auf Platz acht und damit auf Anhieb in die Punkteränge fährt, bekommt Schumacher einen Eindruck davon, welche Euphorie er auslösen kann, wenn er mit seinem Namen und seinem Hintergrund sportliche Erfolge feiert. "Es war auf jeden Fall ein guter Anfang", sagte Schumacher damals, schob aber direkt hinterher: "Ich lerne jedes Mal dazu, wenn ich in den Wagen steige."

Schumachers Lernprozess geht in der Formel 1 weiter

Diesen Lernprozess wird Schumacher ab dem kommenden Frühjahr auf der größtmöglichen Bühne im Motorsport fortführen können. Was wochenlang spekuliert wurde, hat das Haas F1 Team am Mittwoch (02.12.2020) offiziell verkündet: Mick Schumacher fährt ab 2021 in der Formel 1, als Stammfahrer in einem Ferrari-Boliden.

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Bei jenem Team, das am vergangenen Wochenende für Schlagzeilen sorgte, als Romain Grosjean einen schrecklichen Feuer-Unfall in Bahrain überlebte. Der Franzose wird das Team verlassen, ebenso Kollege Kevin Magnussen. Die beiden erfahrenen Piloten werden ersetzt durch Schumacher und seinen jetzigen Formel-2-Konkurrenten Nikita Masepin. Haas setzt auf die Jugend, auf frischen Wind und wagt nach einer sportlich katastrophalen Saison (3 Punkte im Jahr 2020) den Neustart.

Problem-Team Haas: Chance und Risiko zugleich

Für Schumacher ist das Chance und Risiko zugleich. Die Chance, sich in der Formel 1 zu beweisen, steht dem Risiko entgegen, vor allem in der Anfangszeit den Erwartungen der Öffentlichkeit nicht gerecht zu werden. Denn Haas wird auch im kommenden Jahr hinterherfahren. Daran besteht kein Zweifel. Die laufende Saison zeigt: Ferrari hat den Anschluss verloren. Selbst Charles Leclerc und Sebastian Vettel haben im Werksteam Probleme, den dritten Qualifying-Abschnitt zu erreichen.

Die Realität für Schumacher in seiner Debütsaison wird der Kampf um Q2 sein - also die Top 15 im Feld. Die Konkurrenz heißt Williams und Alfa Romeo, nicht Mercedes und Red Bull.

Ähnlichkeiten zu seinem Vater Michael

Schumachers bisherige Karriere aber spricht dafür, dass genau das notwendig ist für seinen Lernprozess. Das erste halbe Jahr in der Formel 2 verlief nach gutem Start eher mäßig. Die Euphorie war schnell verflogen. Schumacher musste sein Auto kennen lernen, nahm sich aber die nötige Zeit dafür, ohne den Erfolg zu erzwingen. Und er wurde belohnt: Im August 2019 holt er auf der fahrerisch anspruchsvollen Rennstrecke in Budapest (Ungarn) seinen ersten Rennsieg. "Ich habe im Mittelsektor ein paar raffinierte Sachen gemacht", sagte er später. Dort macht man sich die Reifen am ehesten kaputt, kann aber auch nicht überholen. "Also habe ich dort langsamer gemacht", verriet Schumacher.

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Die Parallele zu seinem Vater liegt auf der Hand. Der hatte 1998 im Ferrari ein taktisch geprägtes Rennen gewonnen, weil er genau wusste, was das Auto kann und wie er damit umzugehen hat. Ross Brawn, damals technischer Direktor bei Ferrari, schwärmte anschließend: "Michael ist von der ersten bis zur letzten Runde in der Lage, seinen Rhythmus beizubehalten, ohne Fehler und ohne nachzulassen. Die Konstanz ist entscheidend."

Konstanz zeichnet Mick Schumacher aus

Jene Konstanz bringt auch Mick Schumacher mit - sobald er sich mit seinem Boliden vertraut gemacht hat. Im zweiten Formel-2-Jahr fuhr der Prema-Pilot in 19 von bisher 22 Rennen in die Punkte, erreichte zehn Mal das Podium. Und das in einer Rennserie, die deutlich ausgeglichener ist als die Formel 1. Konstanz ist hier nicht an der Tagesordnung. Schumacher aber hat diese Fähigkeit, kann in den richtigem Momenten auf Attacke gehen, weiß aber auch, wann er sich aus taktischen Gründen besser zurückhalten muss. Letzteres musste auch sein Vater lernen, ebenso wie Serien-Weltmeister Lewis Hamilton.

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Die Vergleiche mit dem Vater wird es auch künftig zwangsläufig geben, auch wenn man Mick Schumacher die Gelegenheit geben sollte, sein eigenes Profil weiterzuentwickeln. "Mein Vater war immer mein größtes Idol", sagte er im Sommer. Wenn sein Vater einmal zur Sprache kommt, hat Mick Schumacher immer die passende Antwort parat. Das zeigt, neben der Besonnenheit auf der Rennstrecke, wie reif der 21-Jährige für sein Alter schon ist. Öffentliche Statements sind durchdacht und abgeklärt. Will er aber im Haifischbecken Formel 1 auf Dauer bestehen, gilt es auf dieser verbalen Ebene sein Profil zu schärfen.

2021 ein Übergangsjahr – mit einem teaminternen Zweikampf

Der bevorstehende teaminterne Zweikampf dürfte ein guter Test sein. Masepin steht in der Gesamtwertung der Formel 2 auf Rang drei, Schumacher führt das Klassement vor dem letzten Rennwochenende an. Die laufende Saison ist ein Paradebeispiel dafür, dass sich Schumacher auf Dauer auch in teaminternen Duellen durchsetzen kann. In der ersten Saisonhälfte dominierte Prema-Teamkollege Robert Schwarzmann, Schumacher aber steigerte sich kontinuierlich und stellte den Russen zuletzt in den Schatten.

Weil 2021 für ein Haas ein Übergangsjahr sein wird, bevor 2022 neue Regeln die Formel 1 auch sportlich verändern könnten, gilt es in erster Linie die eigene Position im Team zu stärken. "Die Formel-2-Meisterschaft ist schon lange eine Talentschmiede, und das Feld war dieses Jahr so stark wie lange nicht mehr", sagte Haas-Teamchef Günther Steiner nach der Verpflichtung Schumachers.

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Kein besserer Zeitpunkt für das erste Formel-1-Jahr

Für Schumacher könnte der Zeitpunkt also nicht besser sein, den wichtigsten Schritt in seiner Karriere zu machen. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Haas", sagter Schumacher am Mittwoch (02.12.2020) bei einer digitalen Presserunde. Er kann sich im kommenden Jahr herantesten, ausprobieren und erste Eindrücke sammeln, um 2022 mit einem womöglich deutlich stärkeren und vor allem konkurrenzfähigen Haas-Boliden anzugreifen.

Mick Schumachers Karriere
Jahr(e)RennserieErgebnis
2008-2014Kartsport
2015Deutsche Formel 4Platz 10
2016Deutsche Formel 4Platz 2
2016Italienische Formel 4Platz 2
2017Europäische Formel 3Platz 12
2018Europäische Formel 3Platz 1
2019FIA Formel 2Platz 12
2020FIA Formel 2Platz 1*

*nach 22 von 24 Rennen (14 Punkte Vorsprung auf Callum Ilott)

So hat er es in der deutschen Formel 4 gemacht (Platz 10 im ersten Jahr, Platz 2 im zweiten Jahr), später in der Formel 3 wiederholt (Platz 12 im ersten Jahr, Platz 1 im zweiten Jahr) und zuletzt auch in der Formel 2 gezeigt: Auf Platz 12 im ersten Jahr dürfte am Wochenende Platz eins folgen.

Schritt für Schritt eben. Im März 2021 folgt der nächste.

Stand: 02.12.2020, 14:47

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