Boston Celtics forward Jayson Tatum im Spiel gegen Miami Heat

Basketball | NBA NBA-Profi Jayson Tatum - Der Kopf der Kelten

Stand: 24.05.2022 09:36 Uhr

Die Boston Celtics haben nach vielen Jahren wieder eine Chance, NBA-Meister zu werden. Wichtigster Spieler ist Jayson Tatum. Sein Problem: er spielt mitunter großartig - aber nicht konstant genug.

Von Heiko Oldörp

Die Hallendecke des Bostoner TD Garden ist wie eine Zeitreise durch die NBA-Geschichte. 17 weiße Meisterbanner der Boston Celtics mit grünem Rand und grüner Inschrift hängen dort. Von 1957 bis 2008. In der gesamten Liga kommen nur die Los Angeles Lakers auf ebenso viele Titel. Im Gegensatz zum kalifornischen Erzrivalen liegt die letzte Championship für Boston jedoch nicht zwei, sondern bereits 14 Jahre zurück.

Als die Celtics im Juni 2008 die Finalserie gegen die Lakers 4:2 für sich entschieden, hießen die Stars Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen. Jayson Tatum war damals gerade zehn Jahre alt und lebte noch in St. Louis. Mittlerweile ist aus dem Kind ein Kerl geworden - und der Kopf der Kelten. Und ob diese Celtics womöglich in wenigen Wochen ihr 18. Meisterbanner unter ihre Hallendecke ziehen können, hängt entscheidend von diesem Jayson Christopher Tatum ab.

Mehr Punkte als ganz Miami

Wenn der 24-Jährige so auftritt, wie bei der 103:109-Heimniederlage am vergangenen Samstag (21.05.2022) im dritten Spiel der Playoff-Halbfinalserie gegen die Miami Heat, dürften die Celtics die Endspiele verpassen. Wenn er jedoch mindestens so spielt, wie beim 102:82-Heimsieg im vierten Spiel am Montagabend, hat Boston realistische Titelchancen.

Zwölf Punkte hatte Tatum bereits nach dem ersten Viertel vorzuweisen. Das war einer mehr als die gesamte Heat-Mannschaft. 24 Zähler waren es beim 57:33-Pausenstand - und 31 Punkte am Ende der einseitigen Partie. Man habe "von Beginn an Druck ausgeübt", meinte Tatum. "In der Offensive und der Defensive." Und genau das sei auch das Ziel gewesen.

Wiedergutmachung für “inakzeptable” Leistung

Er persönlich hatte noch eine Intention: Wiedergutmachung. Denn 48 Stunden zuvor hatte da noch ein ganz anderer Jayson Tatum das Celtics-Jersey mit der Rückennummer 0 getragen. Einer, der zögerlich und unsicher wirkte. Der mehr Turnover (sechs) hatte als erfolgreiche Würfe (drei) - und der in der zweiten Halbzeit aus dem Spiel heraus gar nicht mehr traf. Als "inakzeptabel", beschrieb Tatum seine zehn Zähler bei der 103:109-Niederlage. Er habe das Team im Stich gelassen. In dieser Phase der Saison, in der es "um alles" gehe, müsse er einfach besser sein, betonte der Small Forward.

Es zeugt vom Status eines Jayson Tatum, dass ein Stephen A. Smith ausführlich über ihn redet. Smith gilt als einer der NBA-Lautsprecher im US-Fernsehen. Er ist bekannt für seine klaren und pointierten Meinungsäußerungen. Tatum, so Smith bei ESPN, sei in Spiel drei nicht zu sehen gewesen. Und weiter: "Wir wissen, was er kann. Wir haben von ihm Superstar-Auftritte gesehen. Aber wir warten darauf, dass er auf beständig hohem Niveau spielt."

"Tatum-Time" als Boston ihn brauchte

Einer dieser Superstar-Auftritte war Spiel sechs der Viertelfinalserie bei Meister Milwaukee Bucks gewesen. Die Celtics mussten unbedingt gewinnen, um das Playoff-Aus zu verhindern - und Tatum wusste, dass es auf ihn ankam. Er erzielte 46 Punkte beim 108:95-Auswärtssieg - zwei Zähler mehr als Bucks-Superstar Giannis Antetokounmpo. Er war im bis dahin wichtigsten Saisonspiel der Celtics der wichtigste und beste Spieler.


Spiel vier gegen Miami war wieder eine bedeutende Partie. Bei einer Niederlage hätte Boston 1:3 hinten gelegen - und mindestens zweimal in Miami gewinnen müssen. Dass Tatum stark spielen würde, hatte Stephen A. Smith bereits geahnt. "Ich erwarte von ihm ein großes Spiel, denn er war so schlecht in Spiel drei", betonte der Journalist. Auch Celtics-Trainer Ime Udoka war zuversichtlich. "Eine Sache, die er immer gut macht, ist, wieder auf die Beine zu kommen", so Udoka. Was er Tatum im Vorfeld gesagt habe? "Nicht viel." Nur dass er sich "auf eine gute Reaktion freue", so Udoka.

Celtics Head Coach Ime Udoka (l.) mit Jayson Tatum

Celtics Head Coach Ime Udoka (l.) mit Jayson Tatum

"Must win game" in Miami

Die zeigte Tatum. Er traf vorne trotz einer aggressiven und körperbetonten Verteidigung seiner Gegenspieler P.J. Tucker und Kyle Lowry und die Celtics agierten in der Defensive gewohnt stark. Hinzu kam, dass Miami zu Beginn wie eine Hobbytruppe nach einem ausgelassenen Mannschaftsabend warf. Die ersten 14 Versuche gingen daneben. Die Heat eiskalt erwischt - und nach acht Minuten 1:18 hinten. Miami fand nie in die Partie, was auch daran lag, dass Leistungsträger wie Jimmy Butler und Kyle Lowry aufgrund von Verletzungen sichtlich eingeschränkt sind.

Und eben weil Miami humpelt und hinkt, fordert Tatum, dass die Celtics das nächste Match als "must win game" angehen. Also als ein Spiel, das unbedingt gewonnen werden müsse. In der Nacht zum Donnerstag wird diese fünfte Partie in Miami ausgetragen. Ein Team wird anschließend nur noch einen Sieg von den Finals entfernt sein. Aus Celtics-Sicht lautet eine wichtige Frage, welcher Jayson Tatum wohl zu sehen sein wird? Um sich den Matchball zu holen, brauchen sie den Superstar.