Klimakrise und Wintersport - "extrem viel Kopfzerbrechen"

Vincent Kriechmayr aus Österreich beim Training in Bormio

Alpinsport in Zeiten des Klimawandels

Klimakrise und Wintersport - "extrem viel Kopfzerbrechen"

Die neue Saison im alpinen Skisport beginnt. Noch ist kaum Schnee in den Bergen gefallen. Wie verändert das immer wärmere Wetter den Wintersport?

Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), sieht sich selbst als "Querdenker". So auch beim Thema Klimakrise, da werde "viel Panik gemacht". Der Skisport werde jedenfalls "keinerlei Schwierigkeiten bekommen", so Schröcksnadel.

Mit seiner Sicht steht Schröcksnadel ziemlich alleine da. "Es macht mir extrem viel Kopfzerbrechen", sagt Wolfgang Maier, der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes (DSV). "Die Sportler spüren es, alle Trainer spüren es".

Wie wirkt sich die Klimakrise auf die anstehende Wintersport-Saison aus? In Sölden, wo am kommenden Wochenende (26./27. Oktober) traditionell der Saisonauftakt der Alpinen stattfindet, lasse sich dank wochenlanger Pistenpräparierung "richtig lässig Skifahren", sagt Markus Mayr, Renndirektor des internationalen Skiverbandes.

Der Wintersport müsse sich durch den Klimawandel aber grundsätzlich verändern, meint Ralf Roth, Leiter des Instituts für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln. In der Vergangenheit mussten schließlich schon Rennen abgesagt werden. Roth schlägt vor, weniger Wettbewerbe in den schneegefährdeten Monaten Oktober, November und Dezember auszurichten. Jedoch kommen vor allem zu dieser Zeit auch viele Zuschauer.

Italiener geben viel Geld für Training in Südamerika aus

Der italienische Skiverband habe im Sommer 90 Skirennläufer und Crosser nach Südamerika geschickt, um dort zu trainieren, berichtet DSV-Alpinchef Wolfgang Maier. 1,2 Millionen Euro habe das gekostet - der gesamte Etat der DSV-Alpinsparte beträgt rund 900.000 Euro pro Saison. "Wir geraten in totale Zwänge", sagt Maier, "du kriegst am Schluss nicht mehr die Leute her, die bereit sind, das Geld für diesen Sport auszugeben". Und wenn in manchen Skigebieten in Österreich oder der Schweiz irgendwann kein Schnee mehr fallen sollte, bleiben wohl auch die Talente aus, die früher mit Schnee vor der Haustür aufgewachsen sind.

Wissenschaftler sind sich sicher, dass die Jahresmitteltemperatur im Alpenraum und den Mittelgebirgen bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens zwei weitere Grad Celsius steigen wird. Eine Studie der Münchner LMU kommt zum Schluss, dass die Zugspitze 2050 das einzige deutsche Skigebiet sein wird. Selbst in Norwegen schaffen sich Kindergärten inzwischen Schneekanonen an, um einem Winter ohne Schnee vorzubeugen.

Neureuther: Nirgendwo zeigt sich der Klimawandel deutlicher als in den Bergen

Umso mehr ärgert es DSV-Alpinchef Wolfgang Maier, wenn manche seiner Kollegen den Klimawandel kleinreden: "Zu sagen, das geht schon irgendwie, wäre Augenwischerei. Es geht nicht mehr lange irgendwie! Ich finde es fatal, wenn man das noch wegdiskutieren möchte."

Ex-Skifahrer und ARD-Wintersport Experte Felix Neureuther pflichtet Maier bei: "Was sich auf den Gletschern getan hat, ist dramatisch. Aber laut Donald Trump und Peter Schröcksnadel gibt’s ja keinen Klimawandel. Dabei sieht man ihn nirgends besser als an den Gletschern.“

Vor allem die Alpinen bekommen Probleme

Skispringer können auf günstige Matten ausweichen, wenn der Schnee ausbleibt. Auch für Eissportarten gibt es bereits gute und nicht zu teure technische Lösungen. Loipen für Biathlon oder Langlauf können meist auch in wärmeren Wintern beschneit werden.

Skirennläufer, Crosser und Freestyler hingegen müssen oft viel Geld in die Hand nehmen, um in schneesicheren Gebieten trainieren zu können. Manch einer glaubt, dass bald Rennen in Argentinien oder Neuseeland stattfinden werden. DSV-Alpinchef Wolfgang Maier ist sich sicher: "Wir müssen uns dem Wandel anpassen." Nur wie - das weiß auch Maier noch nicht.

Stand: 18.10.2019, 14:31

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