Weltmeisterschaft in Oberhof Alles Wichtige zur Rennrodel-WM in Thüringen

Stand: 25.01.2023 12:10 Uhr

Am Wochenende finden in Oberhof die Weltmeisterschaften im Rennrodeln statt. Doch wie viele Wettbewerbe gibt es beim Saisonhöhepunkt der Rodler eigentlich? Wer sind die Favoriten? Die Antworten auf die sportlichen Fragen rund um die Titelkämpfe gibt es hier kompakt zusammengefasst.

Wo findet die Rennrodel-WM statt?

In Oberhof - der Thüringer Wintersportort steht in diesem Jahr gleich zweimal im Fokus der sportlichen Weltöffentlichkeit. Neben der Rennrodel-WM (24. bis 29. Januar) wird es knapp anderthalb Wochen später im Biathlon (8. bis 19. Februar) um die nächsten WM-Medaillen gehen.

Die Wettkämpfe auf der frisch renovierten Bahn am Schützenberg in der Nähe des berühmten Fernwanderwegs "Rennsteig" finden von Freitag bis Sonntag statt, zuvor stehen die Trainingsfahrten an.

Was ist besonders an der Bahn?

Die im Jahr 1971 eröffnete Bahn wurde extra für die Weltmeisterschaften noch einmal umgebaut, seit April 2020 waren die Arbeiter und Maschinen tätig. Kurven wurden umgebaut, die Technik erneuert, außerdem erhielt die Bahn ein neues Dach. Nach der eigentlichen Fertigstellung musste die Fahrrinne noch einmal aufgerissen werden, da das Kühlsystem beschädigt war. Insgesamt wurden fast 40 Millionen Euro in den Umbau investiert.

Nach 1973, 1985 und 2008 finden zum vierten Mal Weltmeisterschaften in Oberhof statt. Die Bahn ist nun 1354,5 Meter lang und hat 15 Kurven, die Höchstgeschwindigkeit, die die Aktiven erreichen, liegt bei etwa 120 km/h. Die Bahn gilt als sehr anspruchsvoll und selektiv, die Heimathleten sollten durch die höhere Zahl an Trainingsfahrten einen Vorteil haben. Allerdings gilt Oberhof auch als wetteranfällig, der Nebel im Thüringer Wald und die damit eingeschränkte Sicht könnten möglicherweise eine Rolle spielen.

Oberhof empfängt auf der modernsten Rodelbahn der Welt im Januar die weltbesten Rodler. Schon jetzt wird die Anlage in höchsten Tönen gelobt. mehr

Wie viele Wettbewerbe stehen auf dem Programm?

So viele wie nie zuvor bei einer Rennrodel-WM. Grund sind die neu dazugekommene Wettbewerb im Doppelsitzer der Frauen. Damit gibt es erstmals neun WM-Entscheidungen. Neben den gewohnten Rennen im Damen- und Herren-Einsitzer gibt es die beiden Doppelsitzer-Rennen. Dazu kommen in diesen vier Disziplinen noch die verkürzten Sprintrennen und zum Abschluss eine Teamstaffel (bestehend aus jeweils einem Aktiven bzw. Duo aus den vier Einzeldisziplinen pro Nation).

Wann finden die Rennen statt?

Los geht es am Freitag (27. Januar) mit den Sprintrennen. Nach der Qualifikation am Vormittag stehen ab etwa 13 Uhr die vier Rennen auf dem Programm. Der Samstag startet mit den Doppelsitzer-Konkurrenzen (ab 8.40 Uhr). Nach den Entscheidungen stehen zur Mittagszeit das Rennen im Einsitzer der Frauen an. Am Sonntag beginnen die Männer ab 10 Uhr ihr Einsitzer-Rennen, bevor ab 13.40 Uhr die letzten Medaillensätze in der Teamstaffel vergeben werden.

Wer sind die Titelverteidiger?

Vier der sieben Goldmedaillen gingen bei den Titelkämpfen 2021 am Königssee ans deutsche Team. Julia Taubitz siegte im Einzel und im Sprint der Frauen. Bei den Doppelsitzern der Männer konnten Toni Eggert und Sascha Benecken sowie im Sprint Tobias Wendl und Tobias Arlt jubeln. Bei den Männern freuten sich Roman Repilov und Nico Gleischer (Sprint) über die Titel, in der Teamstaffel sicherte sich Österreich die Goldmedaille.

Im Jahr 2022 wurde im da noch nicht-olympischen Doppelsitzer der Frauen auch WM-Titel vergeben. Den sicherten sich Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal.

Bundestrainer Norbert Loch hat hohe Ansprüche

Wer sind die Favoriten?

Natürlich geht das deutsche Team aufgrund des Heimvorteils als Favoriten in die Rennen, ganz so deutlich wie vor ein paar Jahren ist die Sache aber nicht mehr. Das liegt auch am Wechsel von Deutschlands Rodel-Ikone Georg Hackl in die Alpenrepublik. Der 56 Jahre alte dreifache Olympiasieger und zehnfache Weltmeister ist seit letztem Sommer Techniktrainer bei den Österreichern. Und das hat sich für das Team rund um Gleischer und Madeleine Egle ausgezahlt.

Zum Saisonauftakt dominierten sie auf ihrer Heimbahn in Innsbruck und waren in allen Rennen ganz vorne. Eine solche rot-weiß-rote Dominanz hatte es zuvor noch nicht gegeben. Doch Deutschland sowie Italien und Lettland haben inzwischen wieder aufgeholt und sind in der Gesamtwertung an den Österreichern vorbeigezogen.

Trotz der größeren Konkurrenz ist die Haltung bei Bundestrainer Norbert Loch unverändert: "Der Anspruch ist, in allen Disziplinen den Titel einzuholen", erklärte der 60-Jährige bei der Auftaktpressekonferenz am Dienstag.

Es ist immer noch irgendwie surreal: Georg Hackl jubelt im Ziel, wenn ein Österreicher gewinnt. Der Abgang der Rodel-Legende hat Deutschland in die Krise gestürzt - aber wie langfristig? mehr

Wie ist der Stand im Weltcup?

Im Gesamtweltcup führt bei den Frauen Dajana Eitberger vor Julia Taubitz und Egle. Bei den Männern hat Dominik Fischnaller (ITA) die meisten Punkte gesammelt, ihm folgen Felix Loch und Kristers Aparjods (LAT). Beim Doppelsitzer der Frauen haben die Italienerinnen Andrea Vötter und Marion Oberdorfer drei der sieben Saisonrennen gewonnen und damit genauso viele wie die Zweitplatzierten Selina Egle und Lara Michaela Kipp (AUT), Dritte sind die Titelverteidigerinnen Degenhardt/Rosenthal. Bei den männlichen Doppelsitzern liegen die deutschen Duos Wendl/Arlt und Eggert/Benecken auf den ersten beiden Plätzen.

Wie liefen die letzten Rennen?

Die letzten Rennen vor wenigen Tagen in Sigulda, die zugleich als Europameisterschaften gewertet wurden, gewannen Max Langenhan, Anna Berreiter sowie Wendl/Arlt und Vötter/Oberdörfer. Im Team setzten sich die Gastgeber durch. Die Aussagekraft dieser Rennen ist jedoch schwer einzuschätzen, waren die Ergebnisse doch stark von den äußeren Bedingungen und den damit verbundenen Bahnverhältnissen abhängig.

Was für eine Aufholjagd beim Weltcup in Sigulda: Anna Berreiter und Dajana Eitberger sind im Einsitzer doch noch an die Spitze gestürmt und belohnen sich zusätzlich mit EM-Medaillen. mehr

Beim letzten Weltcup vor der Heim-Weltmeisterschaft in Oberhof haben die Rodler Max Langenhan und Felix Loch mit einer irren Aufholjagd für Furore gesorgt. Besser hätte die WM-Generalprobe nicht laufen können. mehr

Wie geht es nach der WM weiter?

Eine große Pause wird es nicht geben für die Athletinnen und Athleten. Schon am darauf folgenden Wochenende geht es in Altenberg mit dem nächsten Weltcup weiter. Insgesamt gibt es noch vier Stationen (Altenberg, Winterberg I, St. Moritz, Winterberg II) bis die Kristallkugeln vergeben werden.

Die Entscheidungen der WM im Überblick
Tag Disziplin
Freitag, 27. Januar Sprint Einsitzer Frauen
Sprint Doppelsitzer Frauen
Sprint Einsitzer Männer
Sprint Doppelsitzer Männer
Samstag, 28. Januar Doppelsitzer Frauen
Doppelsitzer Männer
Einsitzer Frauen
Sonntag, 29.. Januar Einsitzer Männer
Teamstaffel