Georg Hackl im Rennrodeln für Team Deutschland

Wintersport | Rennrodeln

Georg Hackl wird "Österreicher" - in die Arme der Konkurrenz getrieben

Stand: 19.04.2022, 18:57 Uhr

Mit Georg Hackl verliert der deutsche Rodelsport sein größtes Aushängeschild. Dass Deutschland ein solcher Verlust widerfährt, ist ein hausgemachtes Problem.

Von Sebastian Hochrainer

Der deutsche Rodelsport ist Georg Hackl, aber Georg Hackl ist nicht mehr der deutsche Rodelsport. Die Wintersport-Legende hat sich entschieden, seine Trainerkarriere in Österreich fortzusetzen. Alexander Resch, Vorstand des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD), bezeichnete Hackl als "das Gesicht des Rodelsports" und seinen Abgang als "Riesenverlust". Auch, weil er nun um die deutsche Vormachtstellung im Eiskanal fürchten muss?

Die meiste Arbeit machte er neben der Rodelbahn

2006 beendete der "Hackl Schorsch" seine aktive Karriere, er wurde dreimal Olympiasieger und zehnmal Weltmeister, gewann sieben EM-Titel. Seit 2020 gehört der 55-Jährige zur "Hall of Fame des deutschen Sports", sein Porträt ist überschrieben mit den Worten: "Der Rodel-Professor".

Ebenfalls ein Synonym für Hackl ist der "Tüftler". "Wir machen ständig Überstunden. Wir basteln, wir forschen, wir probieren. Es gibt viel zu tun" - das ist seine Arbeitseinstellung. Und die ist ein gewichtiger Grund, warum Deutschland der Konkurrenz seit Jahrzehnten voraus ist.

Hackl wollte immer das Optimum aus seinem Schlitten rausholen, manchmal sogar zu viel. Bei der WM 1999 musste er eine riesige Enttäuschung hinnehmen, als er auf seiner Hausbahn am Königssee stürzte. "Vereinfacht gesagt: Ich wollte zu viel. Ich hatte neuartige Ideen im Schlittenbau. Das Material war sehr, sehr schnell – aber an diesem Tag nicht beherrschbar für mich", sagte Hackl einst im Interview mit dem "Münchner Merkur".

Sowas passierte ihm nie wieder, er lernte daraus und perfektionierte sein Material - und verschaffte sich und denen, die nach seinem Karriereende kamen, den entscheidenden Vorteil.

Das Geld spielt offenbar eine große Rolle

Er arbeitete zuletzt als Techniktrainer, verhalf dem deutschen Rodelteam zuletzt in Peking zu den perfekten Olympischen Spielen. Alle vier Goldmedaillen gingen nach Deutschland. Aber warum endet nun eine Zusammenarbeit, die für Hackl sowohl zu seiner sportlichen Zeit als auch als Trainer derart erfolgreich war?

 Georg Hackl

"Gemeinsam mit meinen Sportlern haben wir die Rodelwelt gerockt, jetzt ist es aber Zeit zu gehen. Das Angebot war für mich zu lukrativ", sagte Hackl am Dienstag (19.04.2022) dem "Münchner Merkur" und der "tz". Er betonte zuvor bereits, "keine Probleme" mit dem BSD zu haben. Verbandssportdirektor Thomas Schwaab erklärte: "Georg hat den Wechsel als letzte Möglichkeit gesehen, sich beruflich noch mal richtig weiterentwickeln zu können."

Deutschland verprellt seine Aushängeschilder

Vor allem ist es für ihn offenbar wirtschaftlich ein Aufstieg. Die (schlechte) Bezahlung ist ein Thema, das schon lange im deutschen Profisport - mit wenigen Ausnahmen - schwelt.

Bob-Bundestrainer René Spies forderte zuletzt bereits eine bessere Vergütung. "Es gibt nur eine Lösung. Die Trainergehälter müssen angepasst werden, auf allen Posten in Deutschland", sagte er und warnte: "Die Aktiven, die bei uns aufhören, versuchen wir natürlich zu halten. Das geht mit der Gehaltsstruktur aber nicht, die betroffenen Personen bleiben dann häufig lieber bei der Behörde, gehen studieren oder woanders hin."

Im Falle von Hackl ist dem deutschen Wintersport eine Ikone abgesprungen. Es ist innerhalb von einem Monat der zweite schmerzhafte Abgang für Deutschland. Im März gab Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Aljona Savchenko bekannt, künftig als Trainerin in den Niederlanden zu arbeiten.

"Der niederländische Verband hat mir im Gegensatz zum deutschen Verband ein richtiges Angebot unterbreitet. Ein geregeltes Einkommen, soziale und gesundheitliche Absicherung, eine berufliche Perspektive und die soziale Absicherung für meine Tochter", erklärte Savchenko auf "eurosport.de".

Kommt jetzt der Machtwechsel im Rodeln?

Der deutsche Wintersport verliert zwei seiner erfolgreichsten Gesichter innerhalb kürzester Zeit. Beide arbeiten zukünftig für die Konkurrenz. Die Gefahr, jetzt von ihnen überflügelt zu werden und wie im Rennrodeln um den bisherigen Ausnahmestatus fürchten zu müssen, besteht. Denn das österreichische Team war bereits die Nummer zwei. Mit der Verpflichtung von Hackl dürfte das Ziel klar sein: Deutschland überholen.

Felix Loch (wie Hackl dreifacher Olympiasieger) macht derweil klar, wie schmerzhaft der Abgang des "Hackl Schorsch" für ihn und das gesamte deutsche Team ist. "Dass uns der Schorsch verlässt, tut natürlich nach all den vielen gemeinsamen Jahren extrem weh. Für mich war er mehr als nur ein Trainer. Ich hab ihm viel zu verdanken", sagte der 32-Jährige.

Quelle: mit sid

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