Viermal Norwegen, einmal Österreich: Die Stars der WM

Therese Johaug vor einer Bergkulisse im Renen

Nordische Ski-WM

Viermal Norwegen, einmal Österreich: Die Stars der WM

Norwegen stellt die mit Abstand erfolgreichste Nation bei der Nordischen Ski-WM. Allen voran die Langlaufstars Therese Johaug und Johannes Kläbo, aber auch ein Schwede und ein Teenager aus Österreich setzten in Oberstdorf die Glanzlichter.

Ein Blick auf den Medaillenspiegel genügt, um zu erkennen, wo die Topstars dieser Nordischen Ski-WM zu finden sind. Mit 13 Gold-, elf Silber- und sieben Bronzemedaillen ist Norwegen die unangefochtene Topnation dieser Titelkämpfe. Die Skandinavier präsentierten sich im Allgäu vor leeren Rängen auch ohne die Unterstützung ihrer reiselustigen und feierfreudigen Fans mal wieder als absolut überragende Nation im nordischen Skisport.

Johaug und Kläbo stehlen allen die Show

Zwei Athleten stellten dabei alle andere in den Schatten: Bei den Langlauf-Shows der viermaligen Weltmeisterin Therese Johaug und des dreimaligen Titelträgers Johannes Kläbo blieben den übrigen Athleten nur Nebenrollen. Bei den Nordischen Kombinierern kletterte Jarl Magnus Riiber mit zwei WM-Titeln und insgesamt vier Medaillen auf Platz sechs der "ewigen" Bestenliste. Die gleiche Bilanz weist Skispringer Karl Geiger auf. Ebenfalls zweimal Gold gab es für einen jungen Österreicher, den bei den Kombinierern vor der WM kaum jemand auf der Rechnung für Gold gehabt hatte: Johannes Lamparter.

Therese Johaug zieht an Legende Björgen vorbei

"Sie kam, sah und siegte", titelte Norwegens Tageszeitung "VG" am Sonntag. Und wie! Therese Johaug lief im Allgäu mal wieder zur absoluten Höchstform auf und beeindruckte die Konkurrenz. Vier Starts, viermal Gold - einmalig: "Die Therese ist einfach ein Ausnahmetalent", sagte DSV-Athletin Laura Gimmler. "Sie ist einfach eine eigene Liga."

Therese Johaug jubelt im Ziel

Wohl wahr. Mehr als zweieinhalb Minuten betrug der Vorsprung der 32 Jahre alten Norwegerin im 30-km-Rennen auf ihre erste Verfolgerin. Für Johaug war es das 14. WM-Gold insgesamt. Mit dem Sieg über die prestigeträchtigen 30 Kilometer zog sie zudem an ihrer Landsfrau, der Langlauf-Legende Marit Björgen vorbei, die über die lange Distanz dreimal WM-Gold gewonnen hatte.

Johannes Kläbo: "Sauhund" mit Sprinterqualitäten

Oberstdorf

Genauso gut lief es für Johaugs Landsmann Johannes Kläbo, auch wenn der seine Siege nicht ganz so deutlich herauslaufen konnte wie Johaug und wenn ihm seine schon sicher geglaubte Goldmedaille über die 50 km wegen der Behinderung seines Konkurrenten Alexander Bolschunow nachträglich aberkannt wurde. In Oberstdorf sammelte er seine WM-Goldmedaillen Nummer vier bis sechs. "Er ist einfach ein Sauhund vor dem Herrn", sagte der deutsche Bundestrainer Peter Schlickenrieder über den Mann aus Trondheim, der sich mit gerade erst 24 Jahren schon dreifacher Olympiasieger und nun sechsfacher Weltmeister nennen darf.

Zuvor hatte Kläbo in der Staffel über 4x10 Kilometer einen großen Vorsprung verbummelt, um auf den letzten Metern gegen den Weltklasse-Russen Alexander Bolschunow gnadenlos zuzuschlagen und seinem Team Gold zu sichern. Kläbo gewann außerdem Gold im Sprint, im Teamsprint an der Seite von Erik Valnes.

Jarl Magnus Riiber: Der Erfolg gibt ihm Recht

Jarl Magnus Riiber während eines Rennens

Dass Kombinierer Jarl Magnus Riiber in Oberstdorf eine Topperformance zeigen würde, war abzusehen nach einer Weltcupsaison, in der der 23-jährige Norweger die Konkurrenz fast nach Belieben dominierte. Zweimal Gold (im Einzel von der Normalschanze und mit dem Team) und zweimal Silber (im Einzel von der Großschanze und im Teamsprint) lautet die WM-Bilanz des Mannes, der in diesem Winter weder auf der Schanze noch in der Loipe kaum einmal kleinere Schwächen zeigte.

Allerdings machte sich Riiber bei dieser WM nicht unbedingt Freunde. Konkurrenten werfen ihm vor, auf der Langlaufstrecke "Spielchen" mit seinen Rivalen zu spielen und selbst kaum mal das Tempo zu machen, wenn ein Läuferpulk beieinander ist. Letztlich gibt ihm der Erfolg aber Recht: "Meine Herangehensweise wäre das nicht, aber am Ende zählt, was auf dem Papier steht, und da ist er ganz oben", sagte auch Eric Frenzel.

Johannes Lamparter: Mit 19 Jahren ganz oben

Johannes Lamparter jubelt und hält die Flagge Österreichs

Dass sich Riiber nicht in beiden Einzelwettbewerben die Goldmedaille umhängen durfte, lag an einem Teenager aus Österreich, dem selbst Experten vor der WM wohl nur einen Platz zwischen fünf und zehn zugetraut hatten. Johannes Lamparter (19) erwischte auf der Großschanze einen Sahnetag und flog so weit, dass er auch im abschließenden 10-km-Lauf die Konkurrenz locker auf Distanz halten konnte. Lamparter ist damit der jüngste Weltmeister seit dem Norweger Trond Einar Elden 1989.

"Johannes hat ordentlich abgeliefert. Ein WM-Rennen so souverän von vorne nach Hause zu laufen, da muss man schon seine sieben Sachen beisammen haben. Da ziehe ich den Hut", sagte Eric Frenzel, der es als siebenmaliger Weltmeister und erfolgreichster Kombinierer aller Zeiten bei Weltmeisterschaften wissen muss.

Mit dem Selbstvertrauen im Rücken zeigte Lamparter dann im Teamsprint, dass sein WM-Sieg keine Eintagsfliege war. Gemeinsam mit Lukas Greiderer gewann er sein zweites Gold - Reifeprüfung bestanden! DSV-Bundestrainer Hermann Weinbuch hatte am Ende ein großes Kompliment für Lamparter parat, dem er eine große Karriere zutraut: "Der hat auch richtig was in der Birne, der wird sich vorne festsetzen."

Family Business: Gyda Westvold Hansen schreibt Geschichte

Gyda Westvold Hansen aus Norwegen jubelt über Gold in der Nordischen Kombination.

WM-Premiere feierten in Oberstdorf die Nordischen Kombiniererinnen. Und wie sollte es auch anders sein: Drei Norwegerinnen teilten die Medaillen untereinander auf - ein Statement!

Als erste Weltmeisterin geht Gyda Westvold Hansen, die Cousine von Therese Johaug, in die Geschichte der Nordischen Titelkämpfe ein. Westvold Hansen war als Zweite nach dem Springen nur drei Sekunden hinter Sprungsiegerin Mari Leinan Lund gestartet, hatte in der Loipe schnell die Führung übernommen und lief schließlich einsam zum Sieg. Dahinter holte Mari Leinan Lund Silber vor ihrer Schwester Marte.

Das sind die Weltmeister der Nordischen Ski-WM

Insgesamt wurden 24 Goldmedaillen bei der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf vergeben. Hier gibt es die glücklichen Weltmeister auf einen Klick.

Jonna Sundling bejubelt ihren Langlauf-Sieg bei der Nordischen Ski-WM

Langlauf-Sprint: Jonna Sundling (Schweden)

Die erste Weltmeisterin in Oberstdorf heißt Jonna Sundling - und das ist schon ein wenig überraschend. Die 26-Jährige war zwar schon U23-Weltmeisterin, bei den "Großen" aber mit zwei Weltcupsiegen noch nicht groß in Erscheinung getreten.

Langlauf-Sprint: Jonna Sundling (Schweden)

Die erste Weltmeisterin in Oberstdorf heißt Jonna Sundling - und das ist schon ein wenig überraschend. Die 26-Jährige war zwar schon U23-Weltmeisterin, bei den "Großen" aber mit zwei Weltcupsiegen noch nicht groß in Erscheinung getreten.

Langlauf-Sprint, Männer: Johannes Kläbo (Norwegen)

Erster Wettkampftag = erste Show von Johannes Kläbo: Mit einem furiosen Endspurt entschied der 24 Jahre alte Norweger den Sprint ungefährdet für sich und feierte so eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Springen, Normalschanze, Frauen: Ema Klinec (Slowenien)

In einem hochspannenden Finale krönte sich Ema Klinec zur Normalschanzen-Weltmeisterin in Oberstdorf. Nach dem Triumph musste die Slowenin ein paar Tränen verdrücken.

Nordische Kombination, Einzel, Männer: Jarl Magnus Riiber (Norwegen)

Erfolgreiche Titelverteidigung: Mit aufreizender Leichtigkeit krönte sich der Norweger Jarl Magnus Riiber zum Weltmeister. Der 23-Jährige ließ die Verfolger auf den zehn Kilometern zunächst heranlaufen und stellte dann im anspruchsvollen Finale unter Beweis, warum er derzeit der Chef der Kombinierer ist.

Teamspringen Frauen: Österreich

Gold für Österreich: Daniela Iraschko-Stolz, Sophie Sorschag, Chiara Hölzl und Marita Kramer setzten sich im Team-Bewerb in einem Herzschlagfinale mit nur 1,4 Punkten vor Slowenien durch.

Skiathlon Frauen: Therese Johaug (Norwegen)

Start-Ziel-Sieg für Norwegens Langlaufstar. Die Titelverteidigerin im Skiathlon übernahm von Beginn an die Initiative, ließ sich auch von einem Sturz nicht stoppen und holte sich souverän ihren 11. WM-Titel.

Skiathlon Männer: Alexander Bolschunow (Russland)

Ein Sieg für das ohnehin große Selbstbewusstsein. Alexander Bolschunow war beim Skiathlon allein in einer Spitzengruppe mit fünf Norwegern. Die ließen ihn die Arbeit machen, aber am Ende schaffte es der Russe, alle abzuhängen.

Nordische Kombination Frauen: Gyda Westvold Hansen (Norwegen)

Ein Sieg für die Geschichtsbücher. Die Norwegerin Gyda Westvold Hansen ist die erste Weltmeisterin in der Nordischen Kombination. 97 Jahre nach dem Männer-Auftakt kürten erstmals die Frauen ihren Champion.

Springen Normalschanze Männer: Piotr Zyla (Polen)

Beim Skispringen von der Normalschanze gab es eine kleine Überraschung: Piotr Zyla holte sich den Titel. Der Pole, der in seiner Karriere erst zwei Weltcupsiege feiern konnte, wurde Nachfolger seines Landsmanns Dawid Kubacki.

Teamsprint Frauen: Jonna Sundling/Maja Dahlqvist (Schweden)

Im Teamsprint der Frauen hat Schweden seinen Titel verteidigt, mit einer kleinen Änderung. Für die zum Biathlon gewechselte Stina Nilsson holte nun Jonna Sundling (rechts) mit Maja Dahlqvist Gold für Schweden. Für Sundling bereits das zweite dieser WM.

Teamsprint Männer: Johanes Hösflot Kläbo/Erik Valnes (Norwegen)

Johannes Hösflot Kläbo (rechts) bewies in Oberstdorf seine Ausnahmestellung als Langlaufsprinter. Im Teamsprint ließen er und Erik Valnes der Konkurrenz keine Chance.

Nordische Kombination Teamwettbewerb: Norwegen

Norwegens Kombinierer haben nicht nur einen Jarl Magnus Riiber (links) in ihren Reihen. Auch Jens Luraas Oftebro, Espen Björnstadt und Jörgen Graabak (v.l.n.r.) sorgten dafür, dass der Teamwettbewerb zu einer klaren Sache für den Titelverteidiger wurde.

Skilanglauf, 10 km Freistil: Therese Johaug (Norwegen)

Therese Johaug bleibt die Ausnahme-Langläuferin schlechthin: Bei der Nordischen Ski-WM dominierte die Norwegerin das Freistilrennen über zehn Kilometer und gewann ihre insgesamt zwölfte Goldmedaille, die zweite in Oberstdorf.

Skilanglauf, 15 km Freistil: Hans-Christer Holund (Norwegen)

Hans-Christer Holund, der 2019 in Seefeld Weltmeister im "Marathon" über 50 Kilometer geworden war, kann auch die kürzeren Distanzen. Der 32-Jährige schnappte sich Gold im 15-km-Rennen im freien Stil.

Skispringen, Großschanze Frauen: Maren Lundby (Norwegen)

Die WM-Premiere der Skispringerinnen auf der Großschanze entschied die norwegische Olympiasiegerin Maren Lundby für sich. In einem spannenden Finale musste sich die Japanerin Sara Takanashi mit Silber begnügen.

Skilanglauf, Staffel Frauen: Norwegen

Norwegen, wer sonst?! Tiril Udnes Weng, Heidi Weng, Therese Johaug und Helene Marie Fossesholm haben sich im Staffelrennen mit Gold geschmückt. Für Superstar Johaug war es bereits die dritte Goldmedaille im Allgäu.

Nordische Kombination, Großschanze, Einzel, Männer: Johannes Lamparter

Johannes Lamparter ist der neue Weltmeister. Der erst 19-jährige Österreicher holte sich etwas überraschend, aber sehr souverän, die Goldmedaille. "Ich bin unglaublich glücklich, dass ich als Weltmeister hier stehen darf", sagte Lamparter.

Skilanglauf, Staffel Männer: Norwegen

Die Siegesserie reißt nicht: Auch bei den Männern war das norwegische Quartett nicht zu schlagen. Paal Goldberg, Emil Iversen, Hans Christer Holund und Johannes Hösflot Kläbo verteidigten den Titel souverän.

Skispringen, Großschanze, Einzel, Männer: Stefan Kraft

Stefan Kraft folgt auf Markus Eisenbichler und ist Weltmeister von der Großschanze. In einem spannenden Finale kämpfte sich Karl Geiger von Rang sechs noch auf den Bronzerang nach vorn.

Skilanglauf: 30 km, klassisch: Therese Johaug

Langlauf-Star Therese Johaug war nicht zu stoppen. Im Rennen über 30 Kilometer im klassischen Stil gewann die Norwegerin ihr 14. WM-Gold. Die 32-Jährige setzte sich schon nach fünf Kilometern ab und lief ein einsames Rennen. Im Ziel hatte Johaug 2:34,2 Minuten Vorsprung auf die chancenlose Konkurrenz.

Nordische Kombination, Teamsprint: Johannes Lamparter/Lukas Greiderer (Österreich)

Johannes Lamparter verließ Oberstdorf sensationell als Doppel-Weltmeister: Nach seinem Sieg im Einzel gewann Lamparter gemeinsam mit Lukas Greiderer Gold im Teamsprint.

Skispringen, Großschanze,Teamwettbewerb, Männer: Deutschland

Was für ein Drama: In einem spannenden Teamspringen, in dem immer wieder die Führung wechselte, verteidigten die DSV-Adler Pius Paschke, Severin Freund, Markus Eisenbichler und Karl Geiger ihren Weltmeistertitel und stnden bei der Heim-WM in Oberstdorf gemeinsam ganz oben.

Turbulenter Abschluss: Iversen gewinnt Gold nach Disqualifikation von Kläbo

Auch beim abschließenden Distanzrennen über die 50 Kilometer gab es im Schlusssprint noch ein Drama. Johannes Hösflot Kläbo war beim Schlussprint als erster über die Ziellinie gestürmt. Doch das Gold ging an seinen Teamkollegen Emil Iversen. Kläbo blieb nur die Rolle des tragischen Helden - er wurde nachträglich disqualifiziert.

wp/dpa/sid | Stand: 07.03.2021, 16:44

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