Die Nordische Kombiniererin Jenny Nowak aus Deutschland

Wintersport | Nordische Kombination Nordische Kombination - Olympia ganz oder gar nicht?

Stand: 09.06.2022 14:39 Uhr

Für die Nordische Kombination steht Ende Juni eine wegweisende Entscheidung an. Lässt das IOC auch die Frauen-Kombination für die Olympischen Spiele zu - oder droht gar der ganzen Sportart das Aus?

Der Internationale Ski- und Snowboard-Verband FIS hat in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, die Nordische Kombination zu einer gleichberechtigten Sportart zu entwickeln und die Frauen-Kombination auf Spitzenniveau zu etablieren. Die reine "Männerangelegenheit" soll der Vergangenheit angehören. Schon 2016 hatte man begonnen, sich darum zu bemühen, die Sportart auch bei den Frauen in das Programm der Olympischen Winterspiele 2022 zu bringen.

2021 erstmals eine Weltmeisterschaft

Das misslang zwar, aber 2020 ging der erste Weltcup an den Start und bei den Youth Olympics gab es im gleichen Jahr erstmals einen Mädchen-Wettbewerb. 2021 fand schließlich die erste Weltmeisterschaft auch für Frauen statt und erst vor wenigen Tagen Ende Mai 2022 wurde die Angleichung der Preisgelder für Männer und Frauen noch einmal als wichtiger Punkt auf die Tagesordnung des FIS-Komitees gesetzt.

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Wegweisende IOC-Abstimmung Ende Juni

Dennoch schauen Athletinnen und Athleten nun gleichermaßen besorgt und angespannt auf die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees Ende des Monats. Denn wenn am 24. Juni darüber abgestimmt wird, ob die Kombinierinnen nun 2026, also quasi mit vier Jahren Verspätung, bei den Olympischen Spielen teilnehmen können, steht womöglich die Zukunft der gesamten Sportart zur Abstimmung. Eine Weiterentwicklung sei "nur durch die Integration der Frauen" möglich, sagt auch FIS-Renndirektor Lasse Ottesen.

Weil sich das IOC dem Thema Gleichberechtigung verschrieben hat, möchte es bei Olympischen Spielen in allen Disziplinen Wettbewerbe für Männer und Frauen im Programm haben. Gibt es den Kombiniererinnen nun die Möglichkeit, sich in Mailand und Cortina d'Ampezzo, wo die Spiele 2026 stattfinden werden, zu präsentieren, könnte das dem Sport einen echten Schub geben. Das meint auch die deutsche Weltcup-Teilnehmerin Svenja Würth gegenüber "sport.de": "Wir hätten, allein was die Förderungen angeht, ganz andere Möglichkeiten, wenn die Disziplin olympisch werden würde." Der Antrag auf Aufnahme in das Programm für Olympia 2022 war gescheitert.

Olympia-Absage könnte das Ende der Sportart bedeuten

Entscheidet sich das IOC Ende Juni aber dagegen und erteilt den Kombiniererinnen eine erneute Absage, könnte das angesichts der Gleichberechtigungs-Agenda des Komitees auch das Aus für die Männer bedeuten.

Dann dürfte es die FIS schwer haben, den Fortbestand der Sportart vor allem finanziell zu sichern. Weniger Medienpräsenz bedeutet auch weniger Sponsoren- und Preisgelder, Athletinnen und Athleten könnten sich den Sport womöglich nicht mehr leisten und würden abwandern und eine der sechs Disziplinen, die schon immer Bestandteil der Olympischen Winterspiele war, könnte für immer verschwinden. Aufschwung oder Abgang? Die Nordische Kombination steht am Scheideweg.