Die Nordische Kombiniererin Jenny Nowak

Vor IOC-Tagung am Freitag Olympia-Aus der Nordischen Kombi abgewendet?

Stand: 23.06.2022 17:29 Uhr

Wird der Nordischen Kombination die Olympia-Zukunft genommen? Nach Sportschau-Informationen dürfen die Athleten hoffen.

Von Dirk Hofmeister

Die Nordischen Kombinierer und Kombiniererinnen können mit einiger Hoffnung auf die Tagung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Freitag (24.06.2022) schauen.

Das drohende Aus der Sportart scheint erst einmal vom Tisch. Das sagte Horst Hüttel, Teammanager im Deutschen Skiverband (DSV) am Tag vor der Tagung der IOC-Programmkommission der Sportschau. "Die Gespräche der letzten drei Wochen haben vieles bewirkt. Im Moment gehen wir nicht davon aus, dass die Nordische Kombination aus dem Programm fliegt", erklärte der DSV-Funktionär am Donnerstag.

Freitag: IOC-Entscheid über Kombinierer-Zukunft

Am Freitag entscheidet das IOC in einer Video-Schalte des Exekutivkomitees darüber, ob die Frauen ins olympische Programm aufgenommen werden. Anfang Juni waren Spekulationen aufgekommen, dass dieser Antrag abgelehnt werden könne.

Die verweigerte Aufnahme der Kombiniererinnen hätte auch das Aus der Männer ab 2030 bedeuten können, da die Kombinierer dann die vom IOC geforderte Gender-Gleichberechtigung der Sportarten nicht erfüllen würden.

"Tragisch, kurzsichtig, fehlgeleitet"

"Ich habe laut und deutlich in den Hinterzimmern gehört, dass die Nordische Kombination aus dem Programm genommen werden soll", sagte der fünffache Olympiasieger Bill Demong aus den USA noch Mitte Juni der Nachrichtenagentur AP: "Eine der ursprünglichsten olympischen Sportarten zu streichen, wäre tragisch, kurzsichtig und fehlgeleitet." Lasse Ottesen, NoKo-Chef beim Welt-Skiverband FIS sprach von "Spekulationen aus verschiedenen Richtungen."

Internationale Solidaritätsbekundungen mit Kombinierern

Die reale Möglichkeit, die Disziplin bei Olympia komplett abzuwickeln, hatte sportartenübergreifend und international für Protest gesorgt. Der italienische Alpin-Fahrer Christof Innerhofer sagte etwa: "Es wäre großartig, wenn die Nordische Kombination der Frauen olympisch werden würde."

In zahlreichen Grußbotschaften, die der Weltverband FIS auf seinem Twitter-Kanal teilte, forderten unter anderem auch die norwegische Skispringerin Silje Opseth, die schwedische Langläuferin Johanna Hagström, Ex-Alpin-Star Kjetil Andre Aamodt (Norwegen), der vierfache Kombinierer-Olympiamedaillengewinner Akito Watabe aus Japan oder Biathletin Synnoeve Solemdal (Norwegen) einhellig: "Die Nordische Kombination der Frauen muss 2026 olympisch sein."

Skispringer Geiger: "Mit so einer Tradition"

Auch aus Deutschland meldeten sich Sportler zu Wort. "Ich bin der Meinung, dass man eine Sportart wie die Nordische Kombination mit so einer Tradition nicht aus dem Programm nehmen darf", sagte der vierfache Skisprung-Weltmeister Karl Geiger.

"Die Entscheidung ist wegweisend für die ganze Sportart. Die Damen gehören einfach dazu", erklärte der zweifache Kombi-Olympiasieger Johannes Rydzek. "Die Olympischen Spiele, die von ihrer Tradition leben, dürfen nicht ihre traditionsreichsten Sportarten aus dem Programm kicken."

Die zweifache Junioren-Weltmeisterin und Kombiniererinnen-Hoffnung Jenny Nowak sagte: "Die Nordische Kombination ist mein Leben, seit ich sechs Jahre alt bin. Ich hoffe, dass ich die Sportart noch lange weiterführen kann und 2026 bei Olympia dabei bin."

Knackpunkte: Nationen-Vielfalt und Einschaltquoten

Hüttel erklärte nun in der Sportschau: Es gebe zwar kein Schriftstück zur IOC-Überlegung, die Nordische Kombination aus dem Programm zu streichen. Aber: "Ja, diese Gespräche sind geführt worden." Laut Hüttel habe sich das IOC von einer angeblich fehlenden Nationen-Vielfalt und mäßigen Einschaltquoten bei Olympia treiben lassen. Diese Argumente habe man entkräften können.

"Wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass wir in den Top 20 genauso viele Nationen haben wie beispielsweise die Alpinen oder die Langläufer. Die Langläufer haben noch Starter aus Brasilien oder Kenia, die mit zehn Minuten Rückstand ins Ziel kommen. So etwas kann es in einer Sportart mit Skispringen natürlich nie geben."

Wettkämpfe spannender machen

Auch beim Thema Einschaltquoten habe man die Zahlen beim IOC erklären können. "Unsere Olympia-Wettkämpfe in Peking waren nie am Wochenende, stattdessen an einem Mittwochvormittag. Dieser Vergleich hinkt also", so Hüttel. Trotzdem habe man in Europa oder Japan starke Quoten erzielen können.

Unabhängig von der IOC-Entscheidung am Freitag müsse man aber an der Sichtbarkeit der Sportart arbeiten, so Hüttel. So strebe man beim Weltskiverband FIS attraktivere Fernsehzeiten weg vom frühen Samstag- und Sonntagmorgen an. Bei den Langlaufwettkämpfen laufen Überlegungen, wie auch spannende Aufholjagden im hinteren Teilnehmerfeld besser dargestellt werden können.

Drei Möglichkeiten am Freitag

Und am Freitag beim IOC? Konkret können drei Entscheidungen fallen: "Im best case bleibt der Status quo der Männer erhalten, und die Frauen werden für Olympia 2026 aufgenommen. Im worst case wird der Antrag der Frauen abgelehnt." Der könne dann erst für 2030 wieder gestellt werden.

Als dritte Möglichkeit steht eine Verschiebung der Entscheidung bis zu den Weltmeisterschaften im Februar in Planica im Raum. "Dann hätten wir den ersten Kombinierer-Mixed-Wettbewerb bei der WM gehabt. Dass die FIS losgelöst vom olympischen Programm den Mixed-Wettkampf ins WM-Programm aufgenommen hat, beeindruckte das IOC schon sehr. Das hat den hohen Stellenwert der Kombination der Frauen unterstrichen", so Hüttel.

Die Chancen scheinen also gar nicht so schlecht zu stehen, dass sich für die Deutsche Maria Gerboth oder Norwegens Ida Marie Hagen ihr größter Traum erfüllt. Der Traum von der Olympia-Teilnahme 2026.