Familientreffen in Oberstdorf - Die "Wengs" sind omnipräsent

drei Langläuferinnen auf Schnee vor einem Skistadion

Skilanglauf

Familientreffen in Oberstdorf - Die "Wengs" sind omnipräsent

Von Sanny Stephan

Nomen est omen - der Name ist ein Zeichen, sagt ein lateinisches Sprichwort. Im Langlauf bei der Nordischen Ski-WM trifft das auf die "Wengs" zu 100 Prozent zu.

Wenn Sie die Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf verfolgen, ist es Ihnen vielleicht schon aufgefallen: Im Langlauf fällt auffällig oft der Name Weng. Heidi Weng, Lotta Udnes Weng und Tiril Udnes Weng mischen im Kampf um die Medaillen mit. Ist Weng in Norwegen etwa ein Dauerbrenner wie Müller, Schmidt, Schneider oder Fischer, die die Rangliste der häufigsten Nachnamen in Deutschland anführen?

Nein! Weng gehört nicht zu den häufigsten Nachnamen in Norwegen. Vielmehr ist es ein Familientreffen, das gerade in Oberstdorf stattfindet. Heidi Weng (29) ist die Cousine der fünf Jahre jüngeren Zwillinge Lotta und Tiril. Das Trio gehört zum elfköpfigen Frauen-Team, das der norwegische Skiverband für die 43. Ski-Weltmeisterschaft nominiert hat.

Langlauf in den Genen

Das Talent wurde den Wengs in die Wiege gelegt. Auch die Mutter von Heidi Weng, May Bente, war eine aktive Langläuferin, allerdings ebenso wie Heidis Schwester Merete nicht annähernd so erfolgreich wie Heidi, die vierfache Weltmeisterin ist. Ihre Cousinen eifern ihr nach, sind aber im Konzert der Großen noch nicht ganz so erfolgreich. Dafür räumten die Weng-Zwillinge bei den Juniorinnen ordentlich ab, gewannen 2015 gemeinsam Staffel-Gold.

Zwillings-Kollision mit Folgen

Der Auftakt in Oberstdorf war für die Zwillinge alles andere als gelungen. Beim Sprint kam es am Auftakttag zu einer bitteren Kollision. Lotta und Tiril liefen im gleichen Halbfinale und rauschten beim Anstieg auf den Burgstall aneinander. Lotta stürzte und schimpfte danach: "Meine Schwester ist eine Idiotin."

Tiril war ihrer Schwester auf den Ski getreten, die kam zu Fall und musste alle Hoffnungen auf das Halbfinale begraben. Lotta beendete das erste WM-Rennen als Zwölfte, die sprintstärkere Tiril (13. im Sprint-Weltcup 2019/20) schaffte es bis ins Finale, war dort als Sechste aber chancenlos.

Sturz im Sprint - Weng-Schwestern kollidieren in der Loipe Sportschau 27.02.2021 00:41 Min. Verfügbar bis 27.02.2022 Das Erste

Witz im Fernsehstudio

Wenige Stunden nach dem Malheur waren beide wieder beste Freundinnen und erlaubten sich im Studio des norwegischen Rundfunks einen Scherz: Lotta kam mit verbundener rechter Hand, Tiril mit einem blauen Auge. Alles nur ein Witz. Verletzt hatte sich keine – und so war Lotta beim Skiathlon an der Seite ihrer Cousine Heidi am Samstag schon wieder im Einsatz.

Lotta und Tiril Udnes Weng beim Sprint in Oberstdorf

Lotta und Tiril Udnes Weng liefen beim Sprint in Oberstdorf in einer Halbfinalgruppe.

Mit den Medaillen hatten die Wengs diesmal nichts zu tun. Heidi kam als Achte 1:25,5 Minuten nach ihrer erfolgreichen Landsfrau Therese Johaug ins Ziel, Lotta Udnes Weng war als 17. (+ 2:27,7 Minuten) die schwächste der fünf norwegischen Starterinnen. Angesichts des starken Teams der Norweger wird es eine (fast) reine Weng-Staffel zumindest in Oberstdorf nicht geben.

Stand: 01.03.2021, 06:00

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