Skilanglauf-Saison - Sieger, Rüpel und Gewichtsfragen

Alexander Bolschunow

Rückblick

Skilanglauf-Saison - Sieger, Rüpel und Gewichtsfragen

Von Ronny Eichhorn

Alexander Bolschunow und Jessie Diggins haben sich in einer außergewöhnlichen Skilanglauf-Saison die Gesamtsiege geholt. Wegen der Corona-Pandemie fanden Weltcups ohne Zuschauer statt, fielen ganz aus, oder Topnationen wie Norwegen verzichteten aus Angst vor Ansteckung auf die Teilnahme. So sagt die Weltcupwertung nur die halbe Wahrheit. Therese Johaug aus Norwegen und Landsmann Johannes Kläbo drückten dann nämlich der WM in Oberstdorf den Stempel auf.

Er war der Mann der Saison: Alexander Bolschunow, Sieger der Tour de Ski, vierfacher Medaillengewinner bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf, aber auch als Rüpel auf der Strecke gefürchtet.

Bolschunow - auf Sieg programmiert

Aber vor allem ist der Russe der überlegene Weltcup-Gesamtsieger, wie schon im vergangenen Jahr, und extrem ehrgeizig, manchmal auch überehrgeizig. Wie bei der Weltcup-Staffel in Lahti Ende Januar, als er im Schlussspurt nach dem Finnen Joni Mäki mit dem Stock schlug und ihn im Ziel dann auch noch umrammte. Es folgte eine Bewährungsstrafe durch den Weltverband FIS.

Bolschunow rammt Mäki - der Zielsprint von Lahti Sportschau 26.01.2021 00:30 Min. Verfügbar bis 26.01.2022 Das Erste

Kläbo mit (fast) vier Goldmedaillen

Der Norweger Kläbo war neben Bolschunow die prägende Person diesen Winter. Die Tour de Ski ließ er aus Sicherheitsgründen – wegen einer möglichen Ansteckung mit dem Corona-Virus - aus. Aber zum Höhepunkt war der 24-Jährige da, holte bei der Weltmeisterschaft Gold im Sprint, Teamsprint und der Staffel.

Auch beim 50-Kilometer-Rennen überquerte Kläbo als Erster die Ziellinie, sorgte dabei aber für das Drama der WM, als er später disqualifiziert wurde, weil er kurz vor dem Ziel Bolschunow behinderte, dessen Stock daraufhin brach.

Die Norweger drückten der WM ohnehin wieder den Stempel auf. Hans Christer Holund über 15 Kilometer und Emil Iversen über 50 Kilometer holten Gold, einzig mit Bolschunow konnte sich im Skiathlon ein Langläufer einer anderen Nation ganz nach vorn schieben. Insgesamt 18 Medaillen gingen nach Norwegen.

Disqualifikation von Kläbo: Ein Rennen mit zwei Verlierern Sportschau 08.03.2021 02:50 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 Das Erste

Dominatorin Johaug – Diggins holt Gesamtsieg

Einen guten Anteil daran hatten auch die Norwegerinnen um Therese Johaug. Vier Goldmedaillen gewann die 32-Jährige, in den Einzelrennen zum Teil mit enorm großem Vorsprung. Das rief auch Kritiker auf den Plan, war Johaug doch 2016 wegen eines Dopingvergehens mal für 18 Monate gesperrt.

Mit Blick auf die sehr zierliche Johaug forderte Bundestrainer Peter Schlickenrieder sogar schon, dass im Langlauf ähnlich dem Skispringen eine Untergrenze des Body-Mass-Index eingeführt werden müsse.

Therese Johaug

Vier Goldene für Therese Johaug

Weil auch die Norwegerinnen einige Weltcups und die Tour de Ski ausgelassen hatten, ging der Weltcup-Gesamtsieg diesmal an die USA. Jessie Diggins räumte so richtig ab. Die US-Amerikanerin sicherte sich auch den Gesamtsieg bei der Tour de Ski, nur bei der WM sollte es in den Einzelrennen nicht zu einer Medaille reichen.  

Deutsche Frauen mit Achtungszeichen

Die deutschen Langläuferinnen können auf eine Saison zurückblicken, in der es durchaus mehr Licht als Schatten gab. Katharina Hennig sorgte während des Winters mit einem zweiten Platz beim Weltcup in Val di Fiemme und Gesamtplatz acht bei der Tour de Ski sogar für leise Medaillenhoffnungen bei der Ski-WM in Oberstdorf.

Diese erfüllten sich nicht, Hennig verwachste und stürzte. Bundestrainer Peter Schlickenrieder hatte die bei seinem Amtsantritt Anfang 2018 formulierten Medaillenziele für die Heim-WM schon vorsorglich zu Saisonbeginn zurückgenommen. Ein Aufwärtstrend ist bei den Frauen zu erkennen - WM-Medaillen schienen in Oberstdorf aber außer Reichweite.

Versöhnlicher Saisonabschluss für DSV-Athletinnen

Katharina Hennig freut sich in Val di Fiemme

Katharina Hennig freut sich in Val di Fiemme

Doch beim Abschlussweltcup in Engadin zeigte Hennig mit Platz sechs und 13, dass mit der 24-Jährigen auch in der neuen Saison zu rechnen sein wird. Im Gesamtweltcup landete die Oberwiesenthalerin auf dem elften Platz.

Und auch Laura Gimmler zeigte mehrfach, dass sie durchaus zur erweiterten Weltspitze gehört. Mit zwei zehnten Plätze bei der WM, dazu Rang vier beim Saisonabschluss in Engadin, sorgte die 27-Jährige am Ende der Saison für Aufsehen.

Deutsche Männer enttäuschten

Die deutschen Männer bleiben dagegen das Sorgenkind des DSV. Der Abstand zu den großen Nationen ist nicht kleiner geworden. Bei der WM im eigenen Land reichte es zu keiner einzigen Top-15-Platzierung.

Die Gesamtwertung im Weltcup lügt nicht: Bester Deutscher ist hier Lucas Bögl auf Rang 26. Auf Bundestrainer Schlickenrieder wartet viel Arbeit. Doch er weiß: "Es ist immer noch Langlauf. Der heißt genau, wie der Titel andeutet: Es dauert halt lang, bis das Ding läuft."

Corona - Absagen und Ausfälle

Auch die Skilangläuferinnen und Skilangläufer hatten mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Weltcups in Lillehammer, Nove Mesto, Oslo und Peking fielen dem zum Opfer. Andere wie Davos und Dresden oder die Tour de Ski mussten ohne einen Teil der Weltelite auskommen.

Aber immerhin gelang es mit einem guten Hygienekonzept, die Nordische Ski-WM in Oberstdorf mit allen Wettbewerben durchzuführen. Bleibt die große Hoffnung auf einen Winter 2021/22 ohne - oder zumindest mit weniger - Einschränkungen.

rei | Stand: 15.03.2021, 06:00

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