FIS und DSV irritiert über Rückzug der Skandinavier

Langläufer in Ruka

Skandinavier in Corona-Angst

FIS und DSV irritiert über Rückzug der Skandinavier

Von Wolfram Porr

Weil das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu groß sei, klinken sich die norwegischen, schwedischen und finnischen Skilangläufer vorerst aus dem Weltcupgeschehen aus. Beim Weltverband FIS und beim DSV ist man irritiert.

Erst meldeten die Norweger, dass sie bei den Weltcups in Davos und Dresden im Dezember sowie bei der Tour de Ski im Januar nicht teilnehmen werden. Tags darauf schlossen sich - zumindest für Davos und Dresden - auch die Nationalteams aus Schweden und Finnland an.

Vorwurf: Quarantänemaßnahmen wurden zu lax gehandhabt

Als Grund für die Maßnahme wird sehr allgemein die Ansteckungsgefahr genannt. Lediglich Öystein Andersen, der für die medizinische Betreuung bei den Norwegern verantwortlich ist, deutete zudem an, dass beim Weltcup in Ruka/Finnland zu lax mit den Corona- und Quarantäneregeln umgegangen worden sei: Nach einem positiven Test dort habe er erwartet, "dass man uns einsperren würde. Aber das ist nicht passiert, wir haben es selbst gemacht."

Öystein Andersen: "Habe erwartet, dass man uns einsperrt" Sportschau 02.12.2020 00:15 Min. Verfügbar bis 02.12.2021 Das Erste

Vom Vorsitzenden des Langlauf-Komitees, Torbjörn Skogstadn, hieß es: "Das ist eine schwere Entscheidung. Aber nach eingehenden internen Diskussionen glauben wir, dass es für die Langläufer so richtig ist." Die Norweger wollen sich stattdessen voll auf die Nordische Ski-WM in Oberstdorf (23. Februar bis 7. März) konzentrieren und sich zuvor nicht mit dem Virus infizieren.

Irritation bei FIS und beim DSV

Jürg Capol, Nordisch-Direktor bei der FIS, zeigte sich irritiert: "Wir sind ein bisschen enttäuscht darüber, dass die Norweger nicht nach Davos und Dresden kommen werden. Aber es ist auch 'nur' das Langlaufteam, in allen anderen Disziplinen werden Norweger starten. Das ist etwas seltsam, dass die einen dies sagen und die anderen jenes."

FIS-Marketingchef Jürg Capol über Norwegen: "Es ist seltsam" Sportschau 02.12.2020 00:16 Min. Verfügbar bis 02.12.2021 Das Erste

Ähnlich äußert sich auch Ralph Eder, Presseprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV). Dass es in Ruka Unregelmäßigkeiten geben soll, "wundert mich", sagte er gegenüber der Sportschau. "Es gibt Vorgaben der FIS und des jeweiligen OK, das wiederum an die Vorgaben der Regionen, der Länder- und der Provinzbestimmungen gebunden ist. Und in Ruka waren ja auch schon die Nordischen Kombinierer und die Skispringer. Da scheint alles funktioniert zu haben."

Schlickenrieder: "Ist mir wurscht!"

Peter Schlickenrieder

Peter Schlickenrieder

Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der seit Langem über die "nicht coronataugliche" Wettkampfplanung der FIS schimpft, denkt seinerseits überhaupt nicht daran, sich dem Coronavirus und der Ansteckungsgefahr zu beugen. "Vollgas!", ist sein Motto für die kommenden Weltcups. Auf die Frage, wie die FIS auf die besondere Lage mit Absagen der Favoriten reagiere, sagte er: "Wie immer: Gar nicht. Das ist ein Armutszeugnis, was da gerade passiert." Mit Blick auf das DSV-Hygienekonzept sagte er weiter, sein Team sei "perfekt vorbereitet". Wenn andere nicht teilnehmen würden, so sei ihm das "wurscht".

Uneinigkeit innerhalb des norwegischen Verbandes

Bemerkenswert ist, dass es selbst innerhalb des norwegischen Skiverbandes keine Einigkeit zu geben scheint. Biathleten und Skispringer jedenfalls wollen weiter im Weltcupzirkus mitmischen und sich der Coronagefahr aussetzen. Skisprung-Nationaltrainer Alexander Stöckl etwa sagt: "Wir reisen mit ungefähr 150 Menschen, die alle drei Tage getestet werden, die den ganzen Tag mit Masken herumlaufen, ihre Hände waschen, die Abstand halten. Ich fühle mich also zu 100 Prozent sicher, wenn ich auf einer Reise bin. Mindestens so sicher wie irgendwo anders in Norwegen."

Norwegische Biathleten fühlen sich sicher Sportschau 02.12.2020 00:30 Min. Verfügbar bis 02.12.2021 Das Erste

wp/sid/dpa | Stand: 02.12.2020, 16:21

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