FIS-Präsident Johan Eliasch

Wintersport

Kein Gegenkandidat: Bahn frei für umstrittenen FIS-Präsidenten Eliasch

Stand: 05.04.2022, 14:33 Uhr

Mangels Konkurrenz wird der schwedisch-britische Milliardär Johan Eliasch wohl vier weitere Jahre FIS-Präsident bleiben. Dabei hat er im Welt-Skiverband bisher vor allem für Unruhe gesorgt.

Von Volker Schulte

Die Bewerbungsfrist für das Amt des FIS-Präsidenten ist mittlerweile abgelaufen, sodass sich beim FIS-Kongress am 26. Mai in Mailand nur ein einziger Kandidat zur Wahl stellt: Amtsinhaber Johan Eliasch. Der 60-Jährige führt den Skiverband seit Juni 2021 als Nachfolger des langjährigen und mittlerweile verstorbenen Ex-Präsidenten Gian Franco Kasper an. Wird Eliasch nun wiedergewählt, läuft seine Amtszeit vier weitere Jahre bis 2026.

Die nationalen Verbände haben je nach Größe und Relevanz unterschiedliche Stimmzahlen: drei, zwei oder eine Stimme. Neben dem Präsidenten wählt die FIS beim Kongress in Mailand, der zum Teil auch online stattfindet, auch 18 weitere Vorstandsmitglieder, deren Amtsperiode bis 2024 laufen wird.

FIS führt Frauenquote ein

Bei der Zusammensetzung des Vorstandes gibt es auf Basis neuer Statuten zwei Neuerungen: Die kleineren Nationen mit nur einer Stimme sowie jene mit zwei Stimmen müssen jeweils mit mindestens einem Platz im Vorstand vertreten sein. Außerdem müssen mindestens drei der 18 Vorstandsmitglieder weiblich sein.

Bisher ist die FIS-Führung eine Männerdomäne, aktuell ist die Russin Elena Vyalbe die einzige Frau im Vorstand. Für die neue Amtsperiode bewerben sich neben Vyalbe vier weitere Frauen. Für Deutschland stellt sich Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes DSV, zur Wiederwahl. Dem Vorstand gehören zudem die Freestylerin Hannah Kearney (USA) und Langläufer Martti Jylha (Finnland) an. Die beiden vertreten die aktiven Athletinnen und Athleten und sind bis 2023 gewählt.

Überraschend deutlicher Wahlsieg von Eliasch

Eliasch hatte die Präsidenten-Wahl im Juni 2021 erstaunlich deutlich gewonnen. Der Geschäftsmann setzte sich als sportpolitischer Quereinsteiger mit 54 Prozent der Stimmen unter anderem gegen den Schweizer Verbandspräsidenten Urs Lehmann (21 Prozent) durch. Die Britin Sarah Lewis, die sechs Monate zuvor überraschend als FIS-Generalsekretärin entlassen worden war, erhielt 12 Prozent.

Manche Stimmberechtigten dürften Eliasch in der Hoffnung gewählt haben, frischen Wind in den als verstaubt geltenden Verband zu bringen. Eliasch ging als Besitzer und Geschäftsführer der erfolgreichen Skimarke Head ins Rennen und versprach vor allem Wachstum und internationale Expansion. Auf sein Präsidenten-Gehalt wolle er verzichten.

Zweifel an Rücktritt als Geschäftsführer

Kurz nach der Wahl löste er zudem ein Versprechen ein und verkündete seinen Rücktritt als Geschäftsführer von Head. Damit wollte er wohl die Frage danach vermeiden, was er bei seinen Entscheidungen als FIS-Präsident eher im Fokus hat: das Wohl des demokratischen Verbandes und seiner Mitglieder oder den Profit seiner Firma?

Allerdings blieb Eliasch Besitzer von Head und an seinem Rückzug aus der Geschäftsführung gibt es Zweifel. Sport inside hat Anfang März beim Blick in mehrere Firmenregister festgestellt, dass Eliasch dort weiterhin als Geschäftsführer gelistet ist - bei der übergeordneten Holding und bei Tochterfirmen zum Beispiel in Österreich. Der Interessenkonflikt ist demnach keineswegs beseitigt.

Kaum Transparenz nach innen und außen

Sport-inside-Fragen zu den Einträgen in den Firmenregistern und anderen Themen ließ Eliasch unbeantwortet, als FIS-Präsident hat er noch kein größeres Interview gegeben. Dabei hatte er im Wahlkampf ausdrücklich Transparenz versprochen. Auch intern lässt Eliaschs Kommunikation offenbar zu wünschen übrig. Der ehemalige TV-Berater der FIS, Richard Bunn, berichtete davon, dass viele Nationalverbände verunsichert und besorgt seien, weil Eliasch sie nicht über seine Pläne auf dem Laufenden halte.

Selbst der Weltcup-Kalender, der in den vergangenen Jahren meist schon im Januar weitgehend feststand, ist aktuell noch unklar. Hintergrund ist, dass Eliasch anstrebt, die FIS-Events selbst zentral zu vermarkten. Dem stehen teils langfristige Verträge zwischen den aktuellen Rechteinhabern, also den Nationalverbänden, und Vermarktungsfirmen im Wege. Eliasch stellt diese Verträge offenbar infrage, der Konflikt wird wohl vor Gericht entschieden. Bis dahin dürfte vieles offen bleiben.

Vorgänger Kasper und Hodler zusammen 70 Jahre im Amt

Trotz der Unruhe im Verband war abzusehen, dass Eliasch bei seiner Wiederwahl keine Konkurrenz fürchten muss. Vor allem die kleineren Verbände dürften ihn weiter unterstützen in der Hoffnung, von Expansion und Zentralvermarktung zu profitieren. "Präsidenten haben die Befugnis, die Zuwendungen an die Mitglieder zu verteilen", sagte Bunn. "Das sichert Erfolg bei Wahlen."

Wie machtvoll die Position an der FIS-Spitze ist, zeigt sich auch daran, dass noch nie ein amtierender Präsident abgewählt worden ist. In der 98 Jahre langen Geschichte des internationalen Ski-Verbandes ist Eliasch erst der fünfte Präsident. Sein Vorgänger Kasper war 23 Jahre lang im Amt. Gefolgt war Kasper auf seinen Schweizer Landsmann Marc Hodler, der satte 47 Jahre unangefochten geblieben war.

Noch mehr Hintergründe zum FIS-Präsidenten Eliasch, seinen hochtrabenden Zielen und seinem fragwürdigen Vorhaben, die FIS schon in diesem Jahr "klimapositiv" nennen zu wollen, zeigt Sport inside in dem Film: Die FIS und ihr Präsident - Kulturschock im Skiverband.

Die FIS und ihr Präsident: Kulturschock im Skiverband

sport inside 13.03.2022 09:48 Min. Verfügbar bis 13.03.2023 WDR

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