Kamila Walijewa vom Russischen Olympischen Komitee bei den Olympischen Spielen in Peking

Wintersport | Eiskunstlauf Sportschau-Experte: "Mehr Mut bei Anhebung des Mindestalters"

Stand: 08.06.2022 16:40 Uhr

Das Mindestalter im Eiskunstlauf ist angehoben worden. Sportschau-Experte Daniel Weiss hätte sich ein mutigeres Vorgehen gewünscht.

Von Jens Mickler

Die Internationale Eiskunstlauf-Union (ISU) hat am Dienstag (07.06.2022) entschieden, das Mindestalter für Athletinnen und Athleten bei Großereignissen der Sportart auf mindestens 17 Jahre anzuheben.

"Es war die einzig richtige Konsequenz im Umfeld des Skandals um Kamila Walijewa", sagte Daniel Weiss, der für die Sportschau die Eiskunstlauf-Großereignisse kommentiert. Die damals 15-jährige Walijewa hatte bei den Olympischen Winterspielen zunächst unter Dopingverdacht gestanden und konnte in der finalen Kür dem Druck nicht mehr standhalten. Viele Beobachter hatten die Geschehnisse mit Verweis auf das Alter der Athletin kritisiert.

Weiss hätte nicht damit gerechnet, dass die Entscheidung über die Regeländerung beim Weltkongress der ISU so eindeutig ausfallen würde. Auch dass es jetzt so schnell gegangen sei, grenze schon fast "an ein Eiskunstlaufwunder", sagte der Experte.

Eiskunstlauf-Experte Weiss zum Mindestalter

Sportschau, 08.06.2022 16:00 Uhr

"Man hätte sofort auf 17 Jahre erhöhen müssen"

Nicht einverstanden ist Weiss allerdings mit der sukzessiven Erhöhung des Alters. Denn die Regeländerung soll nur schrittweise erfolgen. So müssen die Sportlerinnen und Sportler ab dem 1. Juli 2023 mindestens 16 Jahre und ein Jahr später mindestens 17 Jahre alt sein.

"Ich kann nicht nachvollziehen, warum man das Alter nur schrittweise ändert. Ich hätte mir gewünscht, das es sofort und komplett auf mindestens 17 Jahre erhöht wird. Da war man mutlos", so Weiss.

Er geht davon aus, dass der Druck auf die jungen Sportlerinnen und Sportler und vor allem ihre Trainer nun nachlasse, große Risiken bei - wie er sagt - "irrsinngen Drehgeschwindigkeiten bei Vierfachsprüngen" einzugehen. "Das wird einer gesunden Entwicklung helfen. Eiskunstlauf ist soviel mehr als Vierfach-Sprünge. Es ist eine Symbiose aus Sport und Kunst", so Weiss.

Top-Leistungen unter gesunden Voraussetzungen

Auch in Zukunft werde man dennoch herausragende Leistungen in der Sportart sehen, aber eben unter gesünderen Voraussetzungen als bisher. "Es wird vor allem spannendere Wettbewerbe geben."

Zuletzt gab es im Damen-Eiskunstlauf das Duell "Kinder gegen Erwachsene", so Weiss. Sportlich würden die Erwachsenen dabei immer den Kürzeren ziehen, da die Vierfachsprünge höher bewertet würden.

Selbst dem vermeintlich stark betroffenen russischen Verband werde die Entscheidung nicht so sehr weh tun, glaubt Daniel Weiss, da die Russen sehr gut ausgebildete Athletinnen mit einer tollen Ästhetik hätten.

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Signalwirkung für andere Sportarten

Weiss geht davon aus, dass die ISU-Entscheidung auch eine Signalwirkung für andere Sportarten hat. "Das muss sogar so sein, gerade dort, wo junge Sportlerinnen und Sportler früh unter hohen Leistungsdruck geraten wie etwa im Turnen oder der Rhythmischen Sportgymnastik."