Vanessa Voigt

Biathlon | Ruhpolding Staffel der Frauen: "Nähmaschine" verhindert deutschen Podestplatz

Stand: 14.01.2022 15:41 Uhr

Die deutschen Biathletinnen haben sich beim Heimspiel in Ruhpolding mit einer eindrucksvollen Aufholjagd noch auf den vierten Platz gekämpft. Zwischenzeitlich sah es nach einem Debakel aus.

Vanessa Voigt, Vanessa Hinz, Franziska Hildebrand und Denise Herrmann haben das dritte Staffelrennen des Winters als Vierte beendet. Nach einer Strafrunde von Hinz lag die deutsche Mannschaft zwischenzeitlich auf dem 16. Platz. Am Ende fehlten nur 14 Sekunden zum Podest.

Einen überlegenen Sieg feierten am Freitag (14.01.2022) die Französinnen, die förmlich auf Wolke sieben schwebten und mit 35 Sekunden Vorsprung vor Schweden, das ohne die Öberg-Schwester antrat, gewannen. Den dritten Platz sicherte sich Russland.

Voigt räumt ohne Nachlader ab

Vanessa Voigt machte als Startläuferin erneut einen guten Job und bescherte dem deutschen Quartett einen Start nach Maß. Die 24-jährige Thüringerin, quasi die Entdeckung im deutschen Team, bewies ihre Nervenstärke am Schießstand und räumte trotz eines wilden Trefferbildes alle Scheiben ab. "Ich war schon erleichtert, dass es fehlerfrei durchging", sagte Voigt, die besonders stolz auf ihre erste Runde war, in der sie an den Allerbesten klebte.

Auch wenn sich die Allerbesten in der zweiten Runde etwas absetzen konnte, übergab Voigt als Dritte mit 18 Sekunden hinter Spitzenreiter Norwegen (Marte Olsbu Röiseland) an Vanessa Hinz und dürfte sich damit als Startläuferin in der Olympia-Staffel einmal mehr in Stellung gebracht haben.

Hinz muss in die Strafrunde

Auf der zweiten Position hatte sich das deutsche Trainerteam für Vanessa Hinz statt Denise Herrmann entschieden. Glücklich war das im Nachhinein nicht. Hinz verpatzte nach einem fehlerfreien Liegendschießen die zweite Schießprüfung, selbst drei Nachlader reichten nicht. Hinz musste in die Strafrunde.

Während die Konkurrenz vornweg flog, kehrte die 29-Jährige erst als 16. mit 1:09,8 Minuten Rückstand auf die führenden Italienerinnen aus der Strafrunde zurück. "Es war ein Kampf stehend. Ich hab von der ersten Sekunde gezittert und umso länger man steht, umso schlimmer wird es. Ich kann es mir nicht erklären. Es tut mir leid", erklärte Hinz die "Nähmaschine" (Zittern wegen großer Anstrengung) traurig im ZDF.

Auf den letzten Kilometern bis zum Wechsel machte die Bayerin noch einen Platz gut, schickte Franziska Hildebrand aber mit einem Rückstand von 1:16,2 Minuten auf die Spitze ins Rennen.

Hildebrand macht Werbung für Olympia-Platz

Die erfahrene Hildebrand, die lange im zweitklassigen IBU-Cup verschwunden war und plötzlich wieder von einem Olympia-Ticket träumen darf, hatte keinerlei Druck, aber auch keine Chance, auch nur annähernd in Podestnähe zu kommen. Dafür wurde einfach zu gut geschossen. Mit zwei fehlerfreien Einheiten arbeitete sich Hildebrand auf den neunten Platz vor. "Olympia war kein Thema für mich. Ich arbeite aber an der Quali-Norm", sagte sie.

Schlussläuferin Herrmann in der Loipe überragend

Für die deutsche Mannschaft ging es nur noch um Ergebniskosmetik. Zuständig dafür war Schlussläuferin Denise Herrmann, die den Turbo zündete und auch am Schießstand überzeugte. Mit fünf Volltreffern kehrte sie nach dem ersten Schießen als Siebte zurück - und plötzlich war sogar der dritte Platz "nur" noch 30 Sekunden entfernt. Beim Stehendschießen ging Herrmann volles Risiko - und wäre beinahe belohnt worden.

Nur die letzte Scheibe wollte erst mit zwei Nachladern fallen. "Ich bin stolz, dass ich als Schlussläuferin starten durfte. Das ist schon eine Ehre", sagte Herrmann, die an dieser Position nur selten läuft. Normalerweise ist dort Franziska Preuß gesetzt, die allerdings nach einer Verletzung und Corona-Infektion in Ruhpolding nicht am Start ist.