Marte Olsbu Röiseland aus Norwegen beim Schießen

Wintersport | Biathlon

Deutsche Biathletinnen beim Fabelsieg von Röiseland chancenlos

Stand: 16.01.2022, 13:23 Uhr

Die deutschen Biathletinnen haben beim Heimspiel in Ruhpolding einen bitteren Sonntag erlebt. Keine DSV-Athletin konnte beim Fabelsieg der Norwegerin Marte Olsbu Röiseland vollends überzeugen.

Ohne Denise Herrmann, die den Verfolger ausließ, haben die deutschen Biathletinnen ihren Heimvorteil im oberbayerischen Ruhpolding nicht nutzen können. Im letzten Verfolgungsrennen vor den Olympischen Winterspielen in Peking war Franziska Hildebrand als 20. am Sonntag (16.01.2022) die beste Deutsche. Der Sportliche Leiter, Bernd Eisenbichler, mahnte trotz des enttäuschenden Ergebnisses "zur Ruhe". Die Ausgangsposition sei nicht so gewesen, dass man einen Podestplatz hätte erwarten könnte, sagte er im ZDF.

Röiseland mit 20 Volltreffern einsame Siegerin

Marte Olsbu Röiseland aus Norwegen stellte ihre Klasse dagegen einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Die Gesamt- und im Sprint-Weltcup führende Röiseland gewann mit einem fehlerfreien Rennen deutlich vor den beiden Öberg-Schwestern aus Schweden. Sprintsiegerin Elvira wurde Zweite, Hanna Dritte.

Röiseland - 23 Sekunden nach Elvira Öberg gestartet - setzte sich nach dem zweiten Schießen an die Spitze. Während ihre Konkurrentin jeweils einmal in die Strafrunde musste, räumte die überragende Norwegerin alle Scheiben ab. Einsam lief sie bei Topbedingungen an der Spitze und ließ auch bei den anschließenden Stehend-Schießprüfungen nichts anbrennen.

Spätestens nach dem 20. Volltreffer war klar, dass ihr der Sieg nicht zu nehmen sein würde. Am Ende waren es 20 Sekunden Vorsprung auf Elvira Öberg (2 Fehler). Die Drittplatzierte Hanna Öberg hatt 32,4 Sekunden Rückstand (1 Fehler).

Drittes Schießen wird Deutschen zum Verhängnis

Die drei verbliebenen deutschen Skijägerinnen hatten nach dem durchwachsenen Sprint ohnehin nur noch geringe Chancen auf eine Topplatzierung. Franziska Hildebrand, Vanessa Voigt und Vanessa Hinz kämpften sich mit zwei fehlerfreien Schießen einige Plätze nach vorn. Doch wie gewonnen, so zerronnen, hieß es nach dem ersten Stehendanschlag.

Vanessa Hinz

Vanessa Hinz am Schießstand beim Biathlon.

Hildebrand ließ bei der dritten Schießprüfung drei Scheiben stehen, Hinz und Voigt jeweils zwei. Nach den absolvierten Strafrunden fiel das DSV-Trio aus den Top-20 heraus und kehrte mit gewaltigem Rückstand auf die Strecke zurück. Umso erstaunlicher war die Leistung beim letzten Schießen. Diesmal räumten Hildebrand, Hinz und Voigt alle Scheiben ab und kamen als 20. (Hildebrand), 26. (Hinz) und 28. (Voigt) ins Ziel. Positiv: In der Loipe war Hinz genauso schnell wie die zweitplatzierte Elvira Öberg und dafür gab es Sonderlob von Eisenbichler: "Mit Vanessa können wir sehr zufrieden sein. Sie hat 32 Plätze gut gemacht."

Hildebrands Kampf um Olympia

Dagegen dürfte die 34-jährige Hildebrand ziemlich enttäuscht gewesen sein. Sie brauchte noch die Norm für Olympia und war bis zum dritten Schießen auf einem guten Weg Richtung Peking. Noch ist die Tür aber nicht zu. Deutschland darf fünf Frauen nominieren. Herrmann, Hinz und Voigt sind gesetzt, auch Preuß wäre im Normalfall dabei. Allerdings steht hinter ihrer Olympia-Teilnahme weiter ein dickes Fragezeichen. Nach einer Fußverletzung und Corona-Infektion kann sie noch nicht voll trainieren. "Wir haben noch genug Zeit. Es ist keine optimale Ausgangslage, aber Franzi hat große Erfahrung. Wir hoffen, dass es noch hinhaut", so Eisenbichler.

Zwei DSV-Läuferinnen verpassen Verfolger

Marion Wiesenarter (63. Platz/1/+ 2:24,9) und Hanna Kebinger (66./0/+ 2:31,9) hatten sich im Sprintrennen am Mittwoch nicht für den Verfolger qualifiziert.

Herrmann-Verzicht laut DSV planmäßig

Denise Herrmann aus Deutschland beim Anschießen.

Denise Herrmann aus Deutschland beim Anschießen.

Herrmann ließ den "Verfolger planmäßig aus", teilte der Deutsche Skiverband mit. Ihre Trainingsplanung sei auf Olympia ausgerichtet. Entsprechend folge ein zweiwöchiger Aufbau in der Höhe bis zum Saisonhöhepunkt. Geplant ist lediglich der Start beim Massenstartrennen in Antholz (23.01.2022). Herrmann hatte im Sprint als 26. ohnehin nicht mehr die größten Chancen gehabt. In der Staffel hatte die Ex-Langläuferin dann aber als Schlussläuferin eine überzeugende Vorstellung abgeliefert.

Quelle: Sanny Stephan

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