Rassismus - NFL-Boss Goodell räumt ein: "Wir lagen falsch"

NFL-Commissioner Roger Goodell

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Rassismus - NFL-Boss Goodell räumt ein: "Wir lagen falsch"

NFL-Commissioner Roger Goodell hat den bisherigen Umgang der Liga mit den Spielerprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt als falsch bezeichnet. Zahlreiche Football-Stars hatten die Führung der Liga deutlich kritisiert.

"Wir, die NFL, geben zu, dass wir in der Vergangenheit falschgelegen haben. Wir haben unseren Spielern nicht zugehört und haben sie nicht ermutigt, sich zu äußern und friedlich zu protestieren", sagte Goodell in einer Videobotschaft, die am Freitagabend (05.06.2020/Ortszeit) über die sozialen Medien verbreitet wurde.

"Wir, die NFL, verurteilen den Rassismus und die systematische Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung", so Goodell. Mit diesen Sätzen nahm er direkt die Kritik von Spielern auf.

NFL-Team Jacksonville Jaguars protestiert gegen Rassismus Sportschau 06.06.2020 00:55 Min. Verfügbar bis 06.06.2021 Das Erste

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Am Tag zuvor hatten viele prominente Spieler, darunter Super-Bowl-Gewinner Patrick Mahomes, die NFL aufgefordert, genau Sätze wie diesen zu sagen: "Wir, die NFL, verurteilen den Rassismus und die systematische Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung." Goodell kam der Forderung nach.

Zahlreiche dunkelhäutige Spieler machten der NFL in einem Video deutliche Vorwürfe. "Wie oft müssen wir euch bitten, auf eure Spieler zu hören? Was muss dafür passieren? Muss erst einer von uns durch Polizei-Brutalität getötet werden?", fragten die Spieler. "Was, wenn ich George Floyd wäre?", Neben Mahomes (Kansas City Chiefs) sind auch Odell Beckham Jr. (New York Giants) und Michael Thomas (New Orleans Saints), Running Back Ezekiel Elliot (Dallas Cowboys) und Quarterback Deshaun Watson (Houston Texans) in dem Video zu sehen.

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NFL-Boss stand schon früher in der Kritik

Goodell war bereits früher für seinen Umgang mit Spielerprotesten kritisiert worden. 2016 war der frühere Quarterback Colin Kaepernick während der Nationalhymne, die vor jedem Spiel ertönt, auf die Knie gegangen und hatte so gegen Rassismus in den USA protestiert. Er fand keinen neuen Klub mehr.

Damals war Goodell noch US-Präsident Donald Trump gefolgt, der nach wie vor fordert, dass die Spieler während der Hymne stehen sollten. "Ich persönlich protestiere mit euch und möchte Teil des dringend nötigen Wandels in unserem Land sein", so der 61-Jährige. Die NFL kämpft schon lange gegen Rassismusvorwürfe, viele der Teameigentümer unterstützen Trump, der die Spielerproteste immer wieder kritisiert.

Quarterback Brees kritisiert Protest - und bittet dann um Verzeihung

Der von Kaepernick initiierte Protest spaltete die Fans. Einige werteten die Aktionen als "respektlos gegenüber der Flagge der Vereinigten Staaten". In dieser Woche sprach sich der Quarterback Drew Brees von den New Orleans Saints im Rückblick gegen Kaepernicks Protest aus. Selbst Teamkollegen reagierten empört - Brees bat mehrfach um Entschuldigung, auch in einem Video: "Ich möchte, dass ihr in meinen Augen seht, wie leid mir das tut", sagte Brees. "Ich weiß, dass das viele Menschen verletzt hat."

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Trump kritisiert Brees' Sinneswandel

Das gefiel allerdings dem US-Präsidenten offenbar nicht. "Er hätte seine ursprüngliche Aussage über unsere großartige amerikanische Flagge nicht zurücknehmen sollen", schrieb Trump bei Twitter. Brees entgegnete, man könne nicht länger die Flagge missbrauchen, um Menschen von den wahren Problemen der schwarzen Gemeinde abzulenken.

"Wir haben das 2017 getan, und leider habe ich es mit meinen Äußerungen in dieser Woche wieder getan. Wir müssen aufhören, über die Flagge zu sprechen und uns endlich den realen Problemen der systematischen rassistischen Ungerechtigkeit, wirtschaftlicher Unterdrückung, Polizeigewalt sowie einer Rechts- und Gefängnis-Reform zuzuwenden", so der Quarterback.

nch/sid/dpa | Stand: 06.06.2020, 10:33

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