NFL: Rodgers hievt die Packers in den Favoritenkreis

Aaron Rodgers beim Pass

Football

NFL: Rodgers hievt die Packers in den Favoritenkreis

Von Robin Tillenburg

Als sich die Green Bay Packers im Draft der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL in der ersten Runde Quarterback Jordan Love sicherten, war Aaron Rodgers darüber nicht wirklich glücklich. Einige Monate später sind die Packers noch ungeschlagen, und Rodgers spielt eine Saison auf MVP-Niveau.

Man muss sich mal in den Aaron Rodgers von vergangenem April hineinversetzen. Der langjährige Quarterback der Packers, mehrfacher MVP, Super-Bowl-Sieger 2011 und mehrfacher Pro Bowler, hatte sein Team zum zweitbesten Record der Regular Season in seiner Laufbahn geführt. 13 Siege, drei Niederlagen und eine persönlich ordentliche Saison des 36-Jährigen.

In den Playoffs war dann ein Spiel vor dem Super Bowl gegen die defensivstarken San Francisco 49ers Schluss - eine Partie, in der Rodgers zugegebenermaßen keinen richtig guten Tag erwischte, aber auch bei weitem nicht allein die Schuld an der Niederlage trug.

Hoffnung auf neue "Waffen" im Draft

Aber es fehlte nicht viel zum großen Wurf. Das sah auch Rodgers so und äußerte zumindest die vorsichtige Hoffnung, im kommenden Draft eines der vielen verfügbaren Wide-Receiver-Talente an die Seite gestellt zu bekommen. Den ein oder anderen guten Passempfänger konnte er neben Nummer-Eins-Receiver Davante Adams schließlich durchaus noch gebrauchen. Das Ensemble dahinter um Allen Lazard und auch den noch verletzten, aber wohl bald wieder einsatzfähigen Deutschen Equanimeous St. Brown genügt(e) schließlich NFL-Ansprüchen, gehört(e) aber nicht zu den besten der Liga.

Und dann? Green Bay tradet sogar hoch, sichert sich ein früheres Auswahlrecht, und holt dann... einen Quarterback. Jordan Love. Ein Zeichen, dass Rodgers' Tage bei den Packers zumindest auf nahe Sicht durchaus vorbei sein könnten. Das interpretierte auch der Routinier selbst so, wie er im Nachgang verriet. Dass Love wohl noch nicht in dieser Spielzeit weit genug sein würde, um Rodgers, der ja immer noch konstant auf Top-Niveau agierte, beerben zu können, war auch allen Beteiligten klar. Aber es schwang eben auch ein bisschen mit: Eine schwache Saison des Routiniers könnte womöglich zu einer nachhaltigen Wachablösung führen. Nach dann 13 Jahren als Starter.

Rodgers zeigt die positive Trotzreaktion

Nun sind NFL-Profis durchaus auch dafür bekannt, sich in Ausnahmesituationen auch mal trotzig zu verhalten, um einen Trade oder einen besseren Vertrag zu forcieren. Es war zwar nicht unbedingt eine dafür prädestinierte Situation, doch es dürfte als sicher gelten, dass Rodgers auch bei vielen anderen Teams untergekommen wäre. "Ich lache manchmal, wenn Leute über schlechte Jahre von mir sprechen, weil viele dieser Down-Years für mich, für die meisten Quarterbacks Top-Jahre sind", erklärte er zuletzt in der "Pat McAfee Show". Und auch wenn da ein bisschen Arroganz durchscheint - ganz Unrecht hatte er damit nicht.

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Fabelwerte und MVP-Kandidat

Rodgers entschied sich dazu, die Herausforderung anzunehmen. Und liefert seitdem konsequent ab. Obwohl ihm sein Lieblings-Passempfänger Adams verletzungsbedingt in dieser Saison bisher nur in eineinhalb Spielen zur Verfügung stand, legte er in den bisher absolvierten vier Partien Fabelzahlen auf.

Kein Team macht im Schnitt mehr als die 38 Punkte, die den Packers bisher pro Spiel gelangen. 13 Touchdowns, keine einzige Interception, die im Schnitt drittmeisten erworfenen Yards - Rodgers ist einer der Stand jetzt wahrscheinlichsten Favoriten auf die MVP-Auszeichnung.

Die Verletzten kehren zurück

Die größte Bewährungsprobe der bisherigen Saison steht nun am Sonntag (18.10.2020) an. Gegen die mit viel Feuerkraft ausgestatteten Tampa Bay Buccaneers mit Tom Brady dürfte auch die Defense der Männer aus der Käsestadt gefordert sein. Die bekommt wohl pünktlich zum Buccaneers-Match in der Line Kenny Clark zurück, der die Bye-Week genau wie auch Receiver Adams dazu nutzen konnte, wieder gesund zu werden. Spielen Adams und Clark, ist das nochmal ein personeller Boost für die ohnehin ja schon starken Packers, bei denen sich in der Defense Linebacker Za'Darius Smith anschickt, seine vergangene Pro-Bowl-Saison nochmal zu verbessern.

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Dankbarer Spielplan - winkt das Freilos?

Schaut man mal auf den Spielplan, muss man wohl sagen, dass Green Bay in dieser Verfassung die Playoff-Teilnahme kaum zu nehmen sein wird. In der Division sind ohnehin "nur" die Chicago Bears mit einer Bilanz von vier Siegen und einer Niederlage ein ernstzunehmender Verfolger, der aber eigentlich eine ganze Klasse schlechter einzuschätzen ist. Weder die Kansas City Chiefs, noch die Baltimore Ravens, noch die Seattle Seahawks, noch die Buffalo Bills oder die Pittsburgh Steelers stehen auf dem Programm. Gewinnen Rodgers und Co. gegen die "Bucs", steigt auch die Wahrscheinlichkeit auf das in dieser Spielzeit ja noch begehrtere Freilos in der ersten Playoff-Runde, das statt wie bisher an zwei nur an ein Team pro Conference geht.

Momentan sieht alles noch besser aus als in der vergangenen Saison. Da fehlten "nur" zwei Erfolge zum Super-Bowl-Sieg. Wenn Rodgers diese Verbesserung gerade in dieser Saison hin bekäme, wäre das für ihn wohl die größtmögliche Genugtuung.

Stand: 15.10.2020, 14:53

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