Wimbledon - Djokovic folgt Berrettini ins Finale

Novak Djokovic feiert jubelt nach seinem Sieg über Denis Shapovalov

Tennis-Grand-Slam in London

Wimbledon - Djokovic folgt Berrettini ins Finale

Novak Djokovic trifft im Wimbledon-Finale auf Matteo Berrettini. Während der Serbe Historisches erreichen kann, will sein Gegner einen italienischen Festtag in London feiern - Italiens Fußball-Nationaltrainer Roberto Mancini ließ grüßen.

Auf seiner historischen Mission fehlt Novak Djokovic nur noch ein Sieg zum bedeutendsten Meilenstein seiner Karriere. Der Weltranglisten-Erste und Titelverteidiger aus Serbien erreichte am Freitag (09.07.2021) zum siebten Mal das Finale in Wimbledon und kann am Sonntag seinen 20. Grand-Slam-Titel gewinnen. Damit stünde er in der ewigen Bestenliste auf einer Stufe mit seinen großen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal.

Trotz einer nicht gänzlich überzeugenden Vorstellung bezwang Djokovic den ungestümen kanadischen Halbfinal-Debütanten Denis Shapovalov 7:6 (7:3), 7:5, 7:5 und erreichte sein 30. Major-Finale. "Es erfüllt mein Herz jedes Mal, wenn ich höre, dass ich etwas Historisches schaffen kann. Gleichzeitig muss ich im Moment bleiben. Für mich existiert nur ein Match in zwei Tagen", sagte Djokovic.

Golden Slam im Fokus

Djokovic hat nun seinen dritten Titel auf dem "heiligen Rasen" in Serie und den sechsten insgesamt vor Augen. Nach den Siegen in Melbourne und Paris kann er auch dem Golden Slam, dem Gewinn aller vier Major-Turniere in einem Jahr sowie der Goldmedaille im Olympia-Einzel, einen Schritt näher kommen. Dies war bislang nur Steffi Graf 1988 gelungen.

Shapovalov zu übermütig

Allerdings hatte Djokovic im Halbfinale mit dem unbekümmerten Shapovalov große Probleme - doch in den entscheidenden Momenten patzte der 22-Jährige. Etwas zu übermütig schenkte Shapovalov im ersten Satz seinen Break-Vorteil wieder her, dann auch mit zu vielen leichtfertigen Fehlern den Tiebreak. Auch in der heißen Phase des zweiten Durchgangs servierte der Kanadier Djokovic das vorentscheidende Break zum 5:6 mit einem Doppelfehler auf dem Silbertablett. Shapovalov kämpfte weiter stark, konnte sich für seinen beherzten Auftritt aber nicht belohnen.

Berrettini auch im Finale

Matteo Berrettini ballt die Faust nach einem gewonnenen Punkt in Wimbledon

Finale: Matteo Berrettini ballt die Faust

Zuvor war Matteo Berrettini in Wimbledon erstmals in ein Grand-Slam-Endspiel eingezogen und gibt am Sonntag die Ouvertüre für die "Squadra Azzurra" im Finale der Fußball-EM. Der 25 Jahre alte Tennisprofi aus Rom bezwang in seinem zweiten Halbfinale auf Major-Ebene den Polen Hubert Hurkacz 6:3, 6:0, 6:7 (3:7), 6:4.

Berrettini ist erst der vierte Italiener in einem Grand-Slam-Finale im Herren-Einzel, in Wimbledon sogar der erste überhaupt. Am Sonntag trifft er entweder auf Titelverteidiger Novak Djokovic (Serbien), gegen den er jüngst das Viertelfinale bei den French Open verloren hatte, oder auf Denis Shapovalov (Kanada).

Fußball-Nationaltrainer Mancini gratuliert

Zu den Gratulanten gehörte auch Italiens Fußball-Nationaltrainer Roberto Mancini. Der twitterte: "Gratuliere Matteo Berrettini. Am Sonntag alle mit dem Herzen in Wimbledon und Wembley."

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Berrettini: "Das war zu groß für einen Traum"

"Mir fehlen die Worte. Ich brauche ein paar Stunden, um zu verstehen, was passiert ist", sagte Berrettini, der 2019 bei den US Open in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale am spanischen Superstar Rafael Nadal gescheitert war: "Ich habe davon nie geträumt, weil das zu groß für einen Traum war. Ich bin einfach so glücklich."

Hurkacz diesmal zu schwach

Im Duell zweier starker Aufschläger setzte sich der Weltranglisten-Neunte Berrettini unerwartet klar durch. Hurkacz (ATP-18.) hatte zwar seine vorangegangenen vier Duelle mit Top-10-Spielern gewonnen, konnte aber nicht an die Form seiner überraschenden Siege in Wimbledon gegen Daniil Medwedew (ATP-2.) und Rekordchampion Roger Federer (ATP-8.) anknüpfen.

In einen Rausch gespielt

Ab Mitte des ersten Satzes gewann Berrettini elf Spiele in Folge und spielte sich in einen wahren Rausch, erst beim 1:1 im dritten Satz wurde er gebremst. Hurkacz kam zwar besser ins Match, dennoch blieb der Italiener vor allem bei eigenem Aufschlag äußerst souverän, servierte insgesamt 22 Asse (ein Doppelfehler) und verhinderte den ersten Polen im Finale des Herren-Einzels bei einem Grand-Slam-Turnier überhaupt.

Berrettini unterstrich damit seine beeindruckende Form auf Rasen. Schon die Wimbledon-Generalprobe im Londoner Queen's Club hatte er gewonnen, der Erfolg gegen Miami-Champion Hurkacz war sein elfter in Serie auf Gras. Bereits 2019 hatte er den Titel beim Rasen-Turnier in Stuttgart geholt.

Barty und Pliskova bestreiten Damen-Finale

Die Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty aus Australien und die Tschechin Karolina Pliskova bestreiten am Samstag das Damen-Finale. Barty will nach dem Halbfinal-Sieg über Angelique Kerber als erste Australierin seit 1980 den Einzel-Titel in London holen. Es wäre für die 25-Jährige der zweite Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier nach dem Erfolg bei den French Open 2019.

Pliskova möchte ihren ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere gewinnen, nachdem sie 2016 im US-Open-Finale Kerber unterlegen war. Auch die 29-Jährige war schon die Nummer eins der Weltrangliste.

Krawietz verpasst Mixed-Finale

Der deutsche Tennisprofi Kevin Krawietz (29) hingegen hat in einem kuriosen Mixed-Wettbewerb das Endspiel verpasst. Der zweimalige French-Open-Sieger im Herren-Doppel verlor am Freitagabend auf dem Centre Court mit seiner tschechischen Partnerin Kveta Peschke (46) gegen das britische Duo Joe Salisbury/Harriet Dart 2:6, 6:4, 4:6. Es war für Krawietz und Peschke erst das zweite Match überhaupt im Turnier.

Im Finale am Sonntag treffen Salisbury/Dart auf Neal Skupski/Desirae Krawczyk (Großbritannien/USA) oder John Peers/Zhang Shuai (Australien/China).

Keinen Ball geschlagen bis zum Viertelfinale

Bei seinen bisherigen drei Grand-Slam-Starts im Mixed war Krawietz bislang jedes Mal in der ersten Runde gescheitert. In Wimbledon mussten er und Peschke bis zum Viertelfinale keinen einzigen Ball schlagen. Zum Auftakt genossen sie ein Freilos, in Runde zwei und drei traten die Gegner nicht an. Im Viertelfinale folgte dann aber ein überraschender Dreisatz-Sieg gegen das kroatisch-kanadische Duo Mate Pavic/Gabriela Dabrowski, das an Position zwei gesetzt war. Im Herren-Doppel war Krawietz an der Seite des Rumänen Horia Tecau schon in der zweiten Runde ausgeschieden.

Ende einer Ära: Herzog von Kent verabschiedet sich

Unterdessen endet nach über fünf Jahrzehnten eine Ära in Wimbledon: Prince Edward, der Duke of Kent, wird nach den laufenden Championships als Präsident des ausrichtenden All England Club (AELTC) zurücktreten. Das gab der AELTC vor dem Finalwochenende in Wimbledon bekannt.

Der Herzog von Kent überreichte die Trophäen bei mehr als 350 Gelegenheiten. Seinen ersten Auftritt in dieser Funktion hatte der heute 85-Jährige 1969, als er die australische Ikone Rod Laver und Ann Jones als Champions auszeichnete. "Es war mir eine Ehre, dieser bemerkenswerten Institution so lange zu dienen, wie ich es getan habe", sagte der Cousin von Königin Elisabeth II.

dpa/sid/red | Stand: 09.07.2021, 23:04

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